Veterinär-medizinische Fehldiagnosen. Oder: wenn Hochmut zum Bumerang wird. (Teil 2/ 5)

Zwei Wochen nach der schockierenden Diagnose und unserer letzten, gemeinsamen Italientour, checkten wir für eine Woche in das ehemalige Hundehotel Herzog Tassilo in Bad Griesbach bei Passau ein, welches 2011 einen Nachfolger bekam: das Seehotel Moldan in Postmünster.

Das Motto des Herzog Tassilo lautete: Wellness für den Hund und seinen Menschen.

Von unserem Spontanurlaub erhoffte ich mir, meine Nerven wieder komplett in den Griff zu kriegen, damit auch Gino wieder mit mir bzw. über mich etwas zu lachen hatte.

Den ersten Tag war ich noch äußerst angespannt und immer in der Angst lebend, für Gino könnte dies alles zu viel werden.

Wann immer sich ihm andere Hunde näherten – was in einem Hundehotel ja nie ausblieb… – stand ich unter Vollalarm und konzentrierte mich äußerst krampfhaft darauf, dass Gino nicht allzu sehr belastet und belästigt wurde.

Jedem anderen Gast erklärte ich (ob es wirklich interessierte oder nicht), dass man mit Gino umsichtig sein müsste, da er vor kurzem als herzkrank befunden wurde und wir hier zu einer Art Auszeit wären.

Erstaunlicherweise gab es unter den Gästen nicht eine(n), der / die meine Besorgnis herunter spielte oder sich sofort umdrehte und uns ebenfalls mied.

Auch Gino ließ mich erkennen, dass meine Ängste ziemlich unbegründet waren: wurde ihm der Kontakt mit einem oder mehreren Artgenossen zu viel und kam er von selbst nicht aus der Situation heraus, schien es mir, als schickte er mir einen ganz besonderen Blick, damit ich ihn “befreite”.

Diese eine Woche für Nichts und Niemanden erreichbar zu sein und sich nur auf uns konzentrieren zu können, war die beste Idee, die ich bis dahin in meinem Leben hatte!

Diese eine Woche allein, zeigte mir, dass und wie gut man das Leben mit einem herzkranken Hund meistern kann und brachte mir auch neue, berufliche Perspektiven, um ihm gerecht zu werden.

Wieder Zuhause, nahm ich meine Geschäftsidee der mobilen Haustierbetreuung in Angriff und arbeitete parallel dazu als Paketbote, wodurch ich nach allen Seiten über freie Zeiteinteilung verfügen und mich somit entsprechend um Gino kümmern konnte.

Erste, neue Hundefreunde für meinen Terriermix mit wohltuenden Leinenhaltern für mich, fand ich über ein Hundeforum.

Alles schien wieder “nach Plan” zu laufen – bis Ende Juli / Mitte August 2010.

Ende Juli zeigte sich Gino beim Massieren Richtung Hinterhand auffallend schmerzhaft, sodass ich mich um eine CT-Untersuchung bemühte, wofür wir auch innerhalb weniger Tage bei der Tierklinik in Villingen einen Termin bekamen.

Dank, dass Gino krankenversichert ist, muss ich mir über anfallende Untersuchungskosten in der Regel keinen besonderen Kopf machen, sondern kann entsprechend reagieren.

Bei der nachfolgenden Besprechung erklärte mir der Cheftierarzt, dass er sich zwar auch täuschen könnte, weil das CT auf die Wirbelsäule fokussiert war und das Herz eher “nur mitgenommen wurde”, aber er Ginos Herz für auffällig groß befände, worauf ich ihm von der knapp ein Jahr zuvor gestellten Diagnose berichtete.

Wir vereinbarten, dass ich ihm die soweit vorliegenden Unterlagen zukommen lasse und wir uns dann (falls nötig) weiter unterhielten.

Etwa zwei Wochen nach dem CT-Termin, Abholen der Unterlagen bei meiner bisherigen Haustierärztin und Zusenden an die Tierklinik, hatte Gino ohne jede Vorwarnung einen starken Hustanfall, woraufhin ich die Tierklinik anrief, ob die Befunde bereits angekommen seien und schon gesichtet werden konnten? Beides war der Fall.

Vom Cheftierarzt erfuhr ich, dass ich genau genommen gar keinen Befund bzgl. Ginos Herzerkrankung hätte, da die vorliegenden Ultraschallbilder dem technischen Stand vor etwa 20 Jahren entsprachen und man hierauf nicht wirklich etwas Brauchbares erkennen könne. – Jetzt verstand ich gar nichts mehr!

Da ohnehin eine weitere Kontrolluntersuchung anstand, ein halbes Jahr war mittlerweile seit der Letzten vergangen, vereinbarten wir hierfür einen Termin in der Klinik.

Wider Erwarten blieb ich bis dahin sehr gelassen und machte mich überhaupt nicht verrückt, ob und was bei der nächsten Untersuchung wohl heraus käme. Schlimmer als “damals” konnte es so oder so nicht kommen.

Im Gespräch mit einer Sitting-Kundin, in dem es u.a. um die Untersuchungen durch Fr. Dr. P. sowie die anstehende Kontrolluntersuchung in der Tierklinik ging, bekam ich zu hören, dass Fr. Dr. P. für keine gute Tierärztin gehalten wurde, da sie (auch) den Hund meiner Kundin vor vielen Jahren als hochgradig nierenkrank befunden hatte, was allerdings durch einen zweiten Tierarzt (ebenfalls) definitiv widerlegt wurde.

Nach der Untersuchung in Villingen (mit Technik aktuellem Standards), wurde Gino seitens des Cheftierarztes seinem Alter entsprechend für herzgesund befunden!

Ich konnte und wollte es fast nicht wahrhaben: hinter uns lag etwa ein Jahr der Anfangs reinsten, emotionalen Hölle, einschneidenden Veränderungen im privaten sowie beruflichen Leben und mit diesem Tag soll Alles unnötig gewesen sein?!?

Das musste ich erst mal sacken lassen.

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