Wiedereingliederung ins Arbeitsleben nach langer Krankheit

Wenn du denkst, es geht nicht Mehr, kommt von irgendwo – unter Garantie – der nächste Systemirrsinn daher.

So … ja … hm … Was soll ich sagen?

Wie sehr ich meine Arbeit mochte, lässt sich vielleicht damit zeigen, dass ich bis einen Tag vor der offiziellen Krankschreibung und dem ersten Krankenhausaufenthalt zur Arbeit ging und mich nur recht widerwillig damit abfinden wollte, jetzt erst mal nicht mehr täglich hier sein zu können.

Mit einer Mischung aus den Umständen entsprechend mulmig und doch irgendwie frohen Mutes, ich konnte und sollte nach meiner erfolgreichen Schlacht gegen den Krebs wieder kommen, verabschiedete ich mich von meinen Chefs, „meinen“ Hebebühnen, „meinem“ hellblauen Druckluftschrauber, „meinen“ Räderlagern, „meinem“ Altreifenstapel, „meinem“ Spind, von „meinem“ Dies, von „meinem“ Das, von „meinem“ Jenes.

Seit drei Jahren hatte ich hier mein Unwesen getrieben, wurde auf vielen Ebenen gefordert, war zu jeder erdenklich machbaren Leistungserbringung bereit, hatte viele kleine Annehmlichkeiten, die das große Ganze ausmachten und je nach Saison befand ich mich im Wellness- oder Aktivurlaub: stinknormaler Werkstattalltag oder Räderwechselsaison. Wenn meine Chefs ab und an von Streß für mich sprachen, musste ich meist grinsen, manchmal herzhaft lachen.

Meine Arbeit war eine Art Hafen für mich, in dem ich nach wahrhaft turbulenten Jahren – nach wirklichem Streß – zur Ruhe kommen und für die Zukunft neu aufbauen konnte.

Ich hatte es in der Tat zu lange zu gut gehabt; ein Hammer war abzuwarten. Dass es dieses Mal ausgerechnet eine Abrissbirne hat sein müssen, finde ich doch schon „etwas“ unverhältnismäßig und überzogen.

Nun, fast sechs Monate später wurde mir jetzt auch noch das letzte Stück Boden unter den Füßen weg gezogen, wodurch ich buchstäblich über Nacht einen weiteren, jüngeren Begleiter ersetzen musste: Neurexan konnte mir nun nicht mehr helfen, diesen Job hat jetzt Citalopram, ein Kollege aus der Psychopharmaka übernommen.

Ich bin ja gebürtige Allgäuerin. Nein! Weder Bayer, noch Südbayer – Allgäuerin! Zu meinen liebsten Nutztieren zählen Esel, Schafe und Kühe. … ABER: Diese Kuhhaut soll mir einer zeigen, auf die all das drauf passt, womit ich seit Knotenfund konfrontiert wurde und sicher auch noch werde! Unfassbar.

Ja, man glaubt es oft selbst nicht: zu einem gewissen Anteil bin auch ich nur Mensch, dessen Substanz nicht zwingend erneuerbar ist.

Ich arbeitete Teilzeit in einem kleinen Kfz-Betrieb: Chef und ich in der Werkstatt, Chefin im Büro.

Leider ist es so, dass Kleinbetriebe nicht vom Schicksal verschont werden, fällt einer der wenigen oder gar der einzige Mitarbeiter aufgrund einer schweren Erkrankung aus.

Die Lohnfortzahlung mag nach sechs Wochen enden, Genossenschaftsbeiträge und sonstige Personalkosten die nach Bemessung fällig sind, der Druck des Branchenwettbewerbs, die einfallende Auftragslage (eine Kraft fehlt), Kosten für die Fortbildung um der technischen Entwicklung mithalten zu können etc. etc. pausieren dagegen nicht und lassen sich auch nicht stunden. – Hier bestünde seitens des Systems ebenfalls einiges an Reformationsbedarf.

Mitte August unterschrieben wir den Aufhebungsvertrag zu Ende Monat. Aufhebungsvertrag? pumpen jetzt vielleicht einige Schlaue unter Euch. Ja, Aufhebungsvertrag! Warum lange rumeiern.

Meinen >Pflichten< als Bezieherin von so genannten ergänzenden Leistungen zum Lebensunterhalt nachkommend, schickte ich meiner Lieblingsmitarbeiterin im Jobcenter die Kopie davon mit der nächsten AU.

Als wenige Tage später mein Lieblingsmensch von der Arbeitvermittlung in der Leitung war, dachte ich im Verlauf und nach dem Gespräch: schräger kann es eigentlich nicht mehr kommen? Ich sollte mich sowas von irren…

Meine Jobcenterelfe wollte mir empfehlen, den Aufhebungsvertrag zu widerrufen, weil … Was ein Schwachsinn! Die Kündigung ging aufgrund meiner „Schwerbehinderung“ über das Integrationsamt in Freiburg, dieser erklärte ich mich gegenüber bereit und Ende.

Nicht nur mein Leben war aus den gewohnten Fahrwassern geraten. Auch die Chefs mussten sich im Lauf der Zeit Gedanken über etwaige Umstrukturierungen machen, um mit dem Arsch an der Wand zu bleiben und die letzten Arbeitjahre vom Chef vielleicht ein Stück weit entspannender zu gestalten, da blieb schlichtweg kein Platz mehr für mich.

Außerdem und überhaupt: habe ich die nachfolgenden Monate nichts Anderes und wirklich Wichtigeres an den Backen, als meine Chefs durch Widerruf des Aufhebungsvertrages Steine in den Weg zu legen? Amtsseitig offensichtlich nicht.

Auch wenn ich meinen bislang liebsten Job in Anstellung ever unwiederbringlich verloren habe, wäre ich nicht ich, würden sich nicht jetzt schon erste neue Türen anfangen, einen Spalt breit zu öffnen…

Eine im Raum stehende Option beinhaltet den notwendigen Besitz einer bestimmten Zusatzqualifikation, die ich selbst finanziell nicht so schnell stemmen könnte, bekäme ich dafür eine Chance auf Anstellung. Mit meinem Schreiben fragte ich hierfür vorab auf mögliche Unterstützungen seitens des Jobcenters an.

Grob umrissen (reicht mir fürs Erste) erklärte mir meine Gute, dass zu gegebener Zeit überprüft wird, wer von den Leistungsträgern dafür zuständig sei: Jobcenter, vielleicht auch Rententräger. Schließlich könne das Jobcenter nicht einfach so und willkürlich alles Mögliche bewilligen. – Ach so, können die nicht? Das stellt sich seit ca. zwei Jahren allerdings ganz anders dar…

Auf meine W-Fragen (Wer, Was, Wie, Warum) wusste sie mir keine zufrieden stellende Antwort. Vielleicht könne mir das die Krankenkasse sagen; das Wort Rententräger hallte in mir noch nach.

Warum ich all das mache? Mich mit einem Thema zu beschäftigen, das mich – noch – nicht betrifft? Nun …

  • Die Betonung liegt auf noch nicht betrifft.
  • Aktuell habe ich alle Zeit der Welt.
  • Weil ich interessiert bin.
  • Weil es das Gehirn frisch hält.
  • Weil ich ein Macher bin, kein Wollen-Würder, der typisch deutsch vor sich hinnölt, was nicht Alle zu ändern wäre und wenn es drauf ankommt, den Hintern nicht hochbekommt.
  • Weil ich Spaß daran habe, dem System die Unterhose über die Kimme hoch zu ziehen und an den Ohren einzurasten.

Wer sich engagiert und kämpf, kann verlieren. Wer es nicht tut, ist schon verloren!

Tags darauf rief ich bei meiner Krankenversicherung (Abteilung Reha / Wiedereingliederung) an und geriet nicht nur an einen freundlichen, sondern tatsächlich und gleich sehr kompetenten, geduldigen Herren, dessen Ausführungen meinen oben erwähnten Irrtum (es geht nicht mehr schräger) manifestierte:

Durch den nun doch erfolgten Arbeitsplatzverlust hat sich das Thema Wiedereingliederung nach dem so genannten „Hamburger Modell“ erledigt. Eine Wiedereingliederung steht nach derzeit geltenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen nur in bestehende, aufgrund der Krankheit ruhende Beschäftigungsverhältnisse seitens der Krankenkassen zur Verfügung.

Ergo: Verliert man im Lauf einer schweren Erkrankung seine Arbeitsstelle, muss sich eine Neue suchen (wozu man aus Sicht des Jobcenters wiederum eigentlichverantwortlich verpflichtet ist), steht man am Ende, gemeinsam mit dem neuen Arbeitgeber, allein auf weiter Flur.

Man selbst gilt als stinknormaler Arbeitnehmer, ohne Anspruch auf jedwede Unterstützung von Krankenkasse & Co., als hätte es die zurück liegenden Monate nie gegeben. Und was es nicht gab, muss schließlich auch nicht ausgeglichen, geschweige denn unterstützend begleitet werden.

Dem neuen Chef, der Einem eine Chance geben möchte, wird die komplette Verantwortung aufgebürdet – Unternehmerrisiko hin oder her, das ist dreist! – und er trägt vom ersten Moment an alles Risiko, dass es von der Belastung und Leistung vielleicht doch noch nicht so passt.

Der Teufelskreis auf beiden Seiten kann beginnen: wieder Kündigungen, neuer Personalaufwand, neue Suche, neue Bewerbungen, anfangen, aufhören (müssen) usw. usf.

Arbeitgeber sein ist schon mit gesunden Arbeitnehmern ein heißes Eisen (ich weiß das auch nur zu gut…), laut dem Herren von der Krankenkasse bin ich eine von gaaaaanz Vielen, diese Problematik ist weitläufig bekannt, allerdings scheint der Gesetzgeber keinerlei Handlungsbedarf zu sehen, diesen Missstand von sich aus abzuschaffen.

Noch Fragen, warum schwere, lange Krankheiten Einen in die anschließende Verarmung und Hartz4 bringen können?

In meinem Fall bedeutet das:

  • seit März offiziell Brustkrebspatientin.
  • 5 ½ Monate nach letztem Arbeitstag und erstem Kranktag Arbeitsplatz verloren.
  • Pi mal Daumen, geteilt durch Auge noch ca. acht Monate vor mir, bis ich wieder „an die Front“ können sollte.
  • Joboptionen sammeln (Umfeld hilft mit) und selektieren.
  • Voraussichtlich im Zeitfenster der Reha (Jan./Febr. ’18) ernsthafte Gedanken machen, wo was arbeiten?
  • Arbeitgeber finden, der einen ehemaligen Krebspatient in der Nachsorgezeit mit einem GdB von 60% in Teilzeit anstellt. (Meine bevorzugte Variante, um Zeit genug für meine Tierbetreuung zu haben. Zudem wäre ich sicher ein „pflegeleichter Behinderter“.)
  • KEINE Möglichkeit der stufenweise Wiedereingliederung zum Annähern an die neue Belastung. Entweder bin ich von Anfang an leistungsfähig oder eben nicht. – Friß oder stirb! trifft es genau.

Die einzige – eventuelle – Möglichkeit wäre (je nachdem welcher Leistungsträger sich zuständig fühlt*) die Übernahme von Kosten besonderer Qualifikationen, sofern diese für den Wiedereinstieg in die neue Arbeit notwendig sind.

Und das Alles … spätestens ab Hier bitte festhalten, bitte setzen, bitte Bauch halten, bitte Halswirbel nicht überstrapazieren, bitte möglichst nicht Kotzen (und wenn doch, im Optimalfall einem dieser Politköpfe mitten rein) ….

Zum „Schutz“ des Arbeitnehmers vor Ausbeutung!

Ist das jetzt einfach nur dreist oder geht das doch schon gut in Richtung Schizophrenie, wenn man bedenkt, WER EBEN NICHT DAFÜR SORGT, dass man auch mit dem Hintergrund einer neuen Arbeitsstelle Unterstützung zur Wiedereingliederung erhält oder man mit nur einer Arbeit von seinem Geld gut leben und die Freizeit genießen kann, ohne Aufstocken zu müssen, weil die Realität eben stark von dem abweicht, was die Politköpfe einem weiß machen wollen?

Das muss man sich echt auf der Zunge und im Kopf zergehen lassen:

Keine Unterstützung zur Rückkehr in ein neues Arbeitsleben, zum „Schutz“ des Arbeitnehmers vor Ausbeutung … Ich hau‘ mich weg!

Selbst mir „kleinem, unstudierten Licht“ fallen schon jetzt zig Punkte ein, wie man genau dieses Risiko ausschalten kann, aber mich fragt ja mal wieder keiner…

Also, frech gesagt: männliche Intelligenz und Logik ist für mich aufgrund meiner Jahre in so genannten typischen Männerjobs und durch private Erfahrungen ja schon sehr oft sehr grenzwertig. Die von Politikern toppt dennoch immer Alles!

„Erklärungsversuch“: Damit kein Arbeitgeber einem neuen Arbeitnehmer gegenüber auf dumme Gedanken kommen und eine Probearbeitszeit, ohne Sicherheit auf folgende Festeinstellung, unter dem Deckmantel der Wiedereingliederung ausnutzen kann, ist diese nach einer Krankheit, in Verbindung mit Arbeitsplatzverlust, neue Arbeit suchen müssen, aus der Arbeitslosigkeit heraus wieder anzufangen schlichtweg nicht berücksichtigt.

M e i n e F r e s s e , Du kriegst die Tür nicht zu!

Allen Input zusammen genommen, ein bißchen im Internet nach Gesetzen recherchiert, offenbart sich (nur für mich?) statt einer „Schutzmaßnahme“ ein glasklarer Fall von zahlreichen Verstößen, mindestens gegen …

  • Art. 3 Grundgesetz (GG)
  • das Gebot der Gleichbehandlung
  • das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (§1, §2 Abs. 5 und 6, §3)
  • das Benachteiligungsverbot § 7 AGG (auch Diskrimierungsverbot genannt)

Firlefanz wie Religion oder Weltanschauung erhalten besondere Erwähnung im Arbeitsrecht. Oder habe ich vielleicht Etwas verpasst? Aktuell gar nicht so abwegig. Bringen Religion und Weltanschauung die Brötchen auf den Tisch und lassen sich damit Rechnungen zahlen?

Hingegen Arbeitgeber, die Jemand eine neue Chance geben möchten, nach langer Krankheit ins Arbeitsleben zurückkehren zu können und auch dem Arbeitnehmer selbst, der sich nach einen einschneidendem Erlebnis neu sortieren musste, nicht einmal im Ansatz erwähnt werden.

Ok, Freunde, damit dürfte einmal mehr klar und bewiesen sein, wer die Missstände zu Ungunsten des „Bestandsvolks“ – hier: Armut nach Krankheit – mangels Gesetzesgrundlage mutwillig / vorsätzlich provoziert und damit auf ganzer Länge zu verantworten hat!

Das ist ja wieder was für die Zeller! Mal schauen, ob, was, wie, womit und mit Hilfe von wem diesbezüglich auf den gesellschaftlichen wie politischen Weg gebracht werden kann. Ich habe ja nun weiter mehr als genug Zeit, mir darüber Kopf zu machen und wenn ich letzten Endes mein Recht auf Gleichbehandlung gegen das System einklagen muss und dadurch vielleicht auch eine Reform auf den Weg zwinge! …

Nein, es braucht mir jetzt Keine(r) daher kommen, von wegen: Ja, Sandra, zeig’s denen! Wir stehen hinter dir! und dergleichen Geschwäsch!

Werdet selber aktiv! Und wenn überhaupt, dann stellt Euch gefälligst neben mich, statt sich weiter / wieder hinter mir verstecken zu wollen!

*in diesem Sinn*
Eure Sandra

* Vom Rententräger (meist Deutsche Rentenversicherung) hat man bspw. Anspruch auf Unterstützung, wenn man im Lauf seines Arbeitslebens, bis zum Eintritt des Bedarfs mindestens 15 Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet und in die Rentenversicherung einbezahlt hat.

Interessanter Link zum Thema:
Informationsbroschüre Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Manche Onkologiepraxen haben von der Roche Deutschland Holding GmbH empfehlenswerte Informationsbroschüren zum Mitnehmen ausliegen. Sie laufen als Broschürenreihe: Den Alltag trotz Krebs bewältigen, in der es u.a.: Hilfen für Krebspatienten bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz gibt.

Nachtrag, 11.10.17:

Immer noch stinkig wegen der Anrechnung der € 500,-, überlegte ich, wieder „nur“ zum Wohngeldzuschuss zurück zu kehren, gab es „damals“ doch € 94,-. …

Leider stellte sich heraus, dass auch die Wohngeldstelle die Monsterabfindung anrechnen würde und es somit nur mehr € 50,- Wohngeldzuschuss geben würde.

Es ist und bleibt der absolute politgemachte Wahnsinn: da erkrankt Jemand unverschuldet schwer, muss durch eine Therapie, die man – wenn überhaupt – nur seinem ärgstem Feind (auf jeden Fall aber Altparteien-Politiker) wünscht, kriegt seitens des „Sozials“Systems ALLES genommen, was die Gesamtsituation zumindest erträglich machen könnte – man darf schon mal schnuppern, wie es sich in der Armut durch Krankheit und „Sozial“Gesetze anfühlt… Verliert vielleicht noch seinen Arbeitsplatz und soll dann, wenn man es Irgendwann geschafft hat, wieder so mir nichts dir nichts auf die Beine und ins Leben zurückkommen (können). Ja, ne is‘ klar.

Meine Wohngeldstellenfee meinte ebenfalls, es war ziemlich „unglücklich“, dass ich einerseits der Kündigung zugestimmt und andererseits die € 500,- angenommen hätte. An die € 500,- will jeder (und mir bleibt am Ende nichts davon – wie wahr, wie wahr) und die problemlose Wiedereingliederung ins Berufsleben habe ich mir ebenfalls versaut. – Wie wahr, wie wahr.

Deshalb an dieser Stelle von mir persönlich die Empfehlung: Egal, wie groß oder klein ein Betrieb ist, um sich problemlos die Wiedereingliederung zu sichern – und wenn es dann nur für die Zeit von wenigen Wochen ist, kündigen / gekündigt werden kann man dann immer noch – stimmt auf keinen Fall einer Kündigung / einem Aufhebungsvertrag zu und lasst Euch auf keine (nachvollziehbare, angreifbare) Abfindung ein!

Selbstverständlich steht man als Krebspatient, mit einem Schwerbehindertenausweis unter einem besonderen Kündigungsschutz, nicht umsonst müssen Arbeitgeber über das Integrationsamt gehen und nachvollziehbar argumentiert um Erlaubnis zur Kündigung fragen.

Da es, wie in Neues aus Absurdistan Teil 1 bereits erwähnt, nur höchst mangelhafte Informationen über diese Seiten bei einer Krebserkrankung gibt und man sich selbst ohnehin in einer überforderten Ausnahmesituation befindet, schien mir in der Tat nichts anderes übrig zu bleiben, als meinen Segen zu geben.

Statt mich, vor Unterschrift des Aufhebungsvertrages umgehend mit dem Jobcenter in Verbindung zu setzen, das dem Ganzen einen Riegel vorgeschoben hätte, wollte ich schlichtweg meine Ruhe haben und meinen Chefs nicht im Weg stehen.

Als Armutszeugnis empfinde ich allerdings die Nicht-Kompetenz des Integrationsamtes, deren Mitarbeiterin sich höchst oberflächlich mit der Angelegenheit befasste. Nicht ein Mal wurde darauf hingewiesen, dass man die Bezüge klären müsste, um bspw. eine Abfindung vor den Krallen des Systems zu sichern – in Bezug auf das Krankengeld hat ein so genannter Lohnersatz keinen Einfluss.

Ebenso schwach empfinde ich heute den Anruf meines Lieblingsmenschen von der Arbeitsvermittlung, die mich damit nur darauf aufmerksam machen wollte, dass ich aufgrund meiner Situation unter eben jenem besonderen Kündigungsschutz stünde. Dass sich dahinter auch noch der Chanceerhalt einer problemlosen Wiedereingliederung verbirgt, wurde mir hingegen nicht gesagt.

Des Weiteren wäre zu klären gewesen, welche Möglichkeiten der Arbeitgeber selbst seitens der Behörden hat / gehabt hätte: um ihn bzgl. der Kosten zu entlasten, hätte unter Umständen die Möglichkeit bestanden, einen Teil der oben erwähnten Personalkosten zu übernehmen.

Nun, wie man sieht: nicht nur in Sachen Brustkrebs als Krankheit, sondern auch der Aspekt Der Krebspatient als Depp vom Dienst besteht noch jede Menge Aufklärungs- und Informationsbedarf, was ich im Rahmen meiner Möglichkeiten gerne mit übernehme.

Nachtrag, 20.06.18: Zum Thema Wiedereingliederung, durch Unterstützung der Deutschen Rentenversicherung als Kostenträger, geht’s Hier lang.

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