Junge Ringelnatter erkennen

43 Jahre bekam ich nie eine heimische Schlangenart zu Gesicht, sodass ich hierüber nur von Hören-Sagen-Lesen leben musste – schade, dass es sich mit den Vollpfosten in der Gesellschaft nicht ähnlich verhält.

Bei einem heutigen Waldspaziergang wäre ich beinahe auf eine kleine Schlange getreten, die mittig auf dem Weg lag und erst mal keinen wirklich fitten Eindruck machte. Ein neuer, noch nicht angespitzter Bleistift war größer und dicker …

Ich gehöre zu den seltenen Modellen der humanoiden Spezies, das keine Angst vor Schlangen hat, bis vor einigen Jahren selbst Kornnattern hielt, in dieser Zeit auch zwei kranke Tiere aus schlechter Haltung rausholte und aufpäppelte.

Das Tier zu meinen Füßen anfassen war also nicht das Problem, es zu bestimmen und den sichtbaren Zustand richtig einzuschätzen schon eher.

Nun, allein im Wald war ohnehin nicht viel auszurichten und von der Größe her war der „Wurm“ ein idealer, leicht zu erwischender Vogelhappen – ohne mich, ich mag Schlangen!

Kurzerhand packte ich das Kleine ein, leerte dafür improvisierend meinen Kfz-Verbandskasten, welchen ich mit einem Taschentuch auslegte, für den Fall, dass Würmli sich entleeren sollte.

Zuhause angekommen improvisierte ich weiter bzgl. einer Unterkunft und versuchte über eine Kleinanzeige in einem Internetportal ein bis zwei Mäusepinkies organisiert zu bekommen; für den Fall, Würmli hat Hunger und würde was fressen. – Auf die Plätze, fertig … Oberschlaubis kommt aus Euren Löchern!

Aus Irgendwo meldete sich als Erster und Einziger ein Oberbesserwiss-Rechtschreibgenie namens Thomas Buchholz:
Hallo,
das ist eine Ringelnatter und strengstens geschützt, Naturentnahmen von einheimischen Schlangen werden mit Gefängnisstrafen verurteilt !!!
Werde das Veterinäramt und ebay verständigen, da Sie jetzt bereits Tierschmugel betriben haben !
PS es wird auch automatisch sofort die Staatsanwaltschaft mit eingeschaltet, das hätten Sie lieber lassen sollen !
Gruß

Wer mich persönlich kennt und / oder meine (Internet)Präsenz verfolgt, dem dürfte klar sein, dass bei mir selbstverständlich sogleich das große Zittern einsetzte. * gähn *

Ein Gutes hatte diese Nachricht allerdings, bevor ich diesen freundlichen, zuvorkommenden Gesellen nach einer entsprechenden Antwort blockierte: ich musste nicht mehr selbst recherchieren, um was für eine Jungschlange es sich handelt, sondern konnte mich gleich den eigentlichen, tiefergehenden Informationen zuwenden und siehe da: Ringelnattern sind ganz schön pfiffig.

Fühlen sie sich bedroht, sondern sie entweder ein stinkiges Sekret ab (welches ich bei dem Winzling jetzt nicht bemerkte) oder sie stellen sich tot, indem sie sich zur Seite / auf den Rücken drehen, das Maul weit öffnen und die Zunge raus strecken. – Kleine Mistbacke, mich so zu erschrecken und hinters Licht zu führen! * lach *

Im provisorischen Habitat stellte sich schnell heraus, dass die kleine Ringelnatter fit zu sein schien.

Nachdem ich einem Portrait entnahm, dass Ringelnattern semiaquatische Tiere sind, sprich: im Optimalfall Land UND Wasser zur Verfügung haben (sollten) – im Fundwald gibt es nicht ein nennenswertes Gewässer -, entschloss ich mich – „meiner“ Ringelnatter nur das Bestmögliche! -, sie in einem Wald mit einem ruhigen und abseits gelegenen Tümpel, mit ausreichend Nahrung für sie, wieder frei zu lassen.

Vom Auto bis zur Wiederfreiheit gab „Drama-Baby“ auch hierbei seine Vorstellung (Bild links).

Ich hätte Euch gerne das Video der Freilassung gezeigt, da im Hintergrund viele „wilde“ Tiere zumindest zu hören sind und es dort einfach nur himmlisch ist. Doch leider ist die Dateigröße für hier zu hoch. Sorry.

So, ja, also … da ich mich jetzt doch nicht um einen Schlangenfindling kümmern muss, habe ich nun mehr Zeit den „angemeldeten“ Veterinären, der Staatsanwaltschaft und vielleicht auch der Polizei, einen Kuchen zu backen und Kaffee aufzubrühen.

*in diesem Sinn*
Eure Sandra

Interessante Link zu heimischen Schlangenarten findet Ihr hier:
Deutsche Wildtier Stiftung Hamburg
planet-wissen.de
Reptilienauffangstation München
schlangeninfos.de

Und alle Diplom-Klugscheißer seien nochmal daran erinnert – Auszug aus dem Bundesnaturschutzgesetz § 45 Abs. 5: Abweichend von den Verboten des § 44 Absatz 1 Nummer 1 sowie den Besitzverboten ist es vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften ferner zulässig, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen. Die Tiere sind unverzüglich freizulassen, sobald sie sich selbständig erhalten können. […]

Nachtrag, 21.06.18: Beim gestrigen Waldspaziergang entdeckte ich in einer Treckerspur-Pfütze ein mit Kaulquappen und einer jungen Ringelnatter bewohntes, kleines Super-Biotop. Die Natter war kleiner und wahrscheinlich jünger, als die im April gefundene, was die (noch) helleren Schuppen erklären könnte.

Ich hoffe sehr, dass es in den nächsten Wochen genug regnet und / oder die Pfütze solange hält, bis sich die meisten Frösche fertig entwickeln konnten. Auch der Natter wünsche ich ein gutes und sicheres Wachstum, und schließlich ein langes Leben.

Und Leute: Augen auf, Hirn an! Rennt nicht kopflos durch den Wald, haltet Eure Gören im Zaum und achtet auch darauf, dass Eure Hunde Waldpfützen nicht einfach in Beschlag nehmen, als gäbe es sonst nichts. Vielen Dank!

 

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