Auslands-Tiersch(m)utz: Ich habe fertig! [Teil 1]

Nach etwa 10-jähriger, vielseitiger, aktiver Unterstützung, direkten und indirekten Erlebnissen in Sachen “organisiertem Auslands-Tierschutz”, ist es mein Anliegen, an dieser Stelle ein Resümee zu ziehen, welches mich letztendlich dazu bringt, meinen Hut zu nehmen und mich aus dieser Szene zu verabschieden, treffender gesagt: mich hiervon zu distanzieren.

1998, als sich eine Freundin meiner Familie einen jungen Pointermix aus Griechenland per Flugzeug kommen ließ, dachte ich noch nicht sonderlich über Auslands-Tierschutz nach.

Dass man Tieren (wo auch immer) mit Respekt gegenüber treten, sie ihrem Zweck und etwaigen Nutzen entsprechend ordentlich behandeln soll, dieser Grundsatz wurde mir von Kindesbeinen an vermittelt, sodass ich im Lauf meines jungen Lebens Jeden und Alles erst mal gut hieß und zu unterstützen versuchte, wer und was Tieren zum (vermeintlichen) Vorteil wurde.

Dass unsere Freundin damals DM 500,- für ihren neuen Hund zahlte, fand ich zwar eine Stange Geld, aber wenn dies der Preis war und sie bereit bzw. in der Lage, diesen aufzubringen, dann sollte es eben so sein. – Dass der ehrenamtliche Mitarbeiter der damaligen Tierschutzorganisation und zugleich Flugpate des Hundes (ohne Wissen der eigentlichen Vereinsführung) die übliche Schutzgebühr von DM 350,- erhöht hatte, um sich die Differenz selbst in die Tasche zu stecken, fand ich zwar “eine Ungerechtigkeit”, aber es war halt passiert.

Ende 2003, ich war seit ca. 2 Jahren nicht nur stolze PC- und Internet-, sondern seit einem Jahr auch wieder Besitzerin eines Katers aus dem örtlichen Tierheim, kam ich über ein Katzenforum mit der Verantwortlichen eines deutsch-spanischen Katzenschutzprojekts in Kontakt, deren “endlose Liebe zum Tier” und daraus resultierendes “uneigennützige Engagement” mich beeindruckte und ich ihr meine – naive – Hilfe anbot.

Damit die “ganz Aktiven” an der eigentlichen Front die Rücken frei hatten, ließ ich mir die Hintergrundarbeiten, die “Hiewi-Jobs”, übertragen: Webseite neu gestalten und pflegen, bei Gelegenheit Sachspenden sammeln, eine vor meiner Zeit fehlvermittelte Katze auf gänzlich eigene (Sprit)Kosten von der Schweiz nach Mönchengladbach bringen, eine Vorkontrolle in meiner Region durchführen. – So “Kleinscheiß” halt.

Durch mich gesellte sich 2004 meine damalige Freundin und ehemalige Lkw-Kollegin zur Katzenhilfe vor Ort in Spanien. – Es bot sich an, denn sie war kurz zuvor in die Nähe dorthin ausgewandert.

Etwa drei Jahre unterstützten wir diese Katzenhilfe. Um “besseren und effektiveren Tierschutz” betreiben zu können, gründeten die “Oberen” in Deutschland einen TierFreunde-Verein, unter dessen Dach u.a. das bisher privat betriebene Katzenschutzprojekt genommen wurde. Meine Freundin und ich traten diesem Verein aus verschiedenen, persönlichen Gründen nicht bei.

Mit Vereinswerdung ließ der Größenwahn nicht lange auf sich warten: Anfang 2007 wurden im Rahmen einer Sachspendenfahrt nach Spanien und “Rettungsfahrt” zurück nach Deutschland, nicht nur jede Menge Spendengelder für vermeidbare Autobahnmautkosten und Sprit verpulvert, sondern auch chronisch kranke sowie bereits totkranke Katzen mit gefälschten Papieren eingeschleust.

Meine Freundin und ich deckten diese Machenschaften damals auf, worauf hin wir zum “Staatsfeind Nr. 1” wurden: Wie konnten wir es nur wagen, “den armen Tierchen” – die, die noch hätten folgen sollen… – die Zukunft zu verbauen?!

Die Verantwortlichen saßen unsere “haltlosen Anschuldigen” vehement leugnend aus und treiben ihr Unwesen heute an anderer Stelle weiter.

Pflegestellen sowie Endzuhause, die sich plötzlich kranken Tieren gegenübersahen, deren eigener Bestand infiziert wurde und / oder deren Tiere innerhalb kürzester Zeit – “völlig unerklärlich” – verstarben bzw. eingeschläfert werden mussten, ließen sich von der Verantwortlichen einlullen und die eigentlich zuständigen Behörden standen der Angelegenheit machtlos gegenüber, weil sich die gefälschten Dokumente – “natürlich” – weder im Besitz der Verantwortlichen noch in dem der Pflegestellen befanden und auch den Endzuhause wurde “vergessen”, die spanischen Papiere auszuhändigen.

Die Einzige, auf die noch Verlass zu sein schien und der man scheinbar noch Glauben schenken konnte, war meine damalige Freundin “Mia Berger”. Von nun an half ich ihr – abermals mit “Laufburschenjobs”, die komischerweise nie jemand machen möchte oder angeblich nicht kann, weil man hierdurch ja nicht im Vordergrund steht … – ihr privates Tierherberge-Projekt aufzubauen. Ich bastelte wieder eine Webseite und schaffte Sachspenden ran, welche über ein privates Netzwerk von Deutschland nach Spanien gebracht wurden. – Wozu fuhren wir früher Lkw und hatten entsprechende Kontakte?!

Alles, was “Mia” mir im Lauf der Zeit erzählte (ihre Erfolge, ihre negativen Erlebnisse, ihr ganzes Tun, ihre weiteren Pläne) nahm ich für bare Münze, wir kannten uns schließlich schon mehrere Jahre und was blieb mir, bei ca. 2.500km zwischen uns, schon großartig Anderes übrig?! Unser Kontakt konzentrierte sich nach ihrer Auswanderung auf Telefon, eMail und Internet, persönlich trafen wir uns vielleicht und maximal 2x im Jahr, wenn es sich irgendwie einrichten ließ oder zufällig ergab.

2007 kam ich in Kontakt mit einer regionalen Hundehilfe, von der auch mein Gino ist. Was sich Anfangs sehr idyllisch, engagiert und durchdacht darstellte, entpuppte sich als Irrenhaus mit illegalen Machenschaften, falschem Ehrgeiz, Geltungssüchte etc.: u.a. angeschlagene Psychen, die im Umgang mit den Hunden ihr “Seelenheil” zu finden glaubten. Zeugen Jehova-Interessierte sowie Getaufte. Große Reden Schwinger, ohne jedoch den Worten auch Taten folgen zu lassen. Ausbremsen oder Boykott von wirklich guten Ideen, wenn diese nicht von bestimmten Personen stammten oder man sie ihnen zuschrieb. Die meisten, zur Vermittlung angebotenen Hunde wurden aus einem Drittland (Serbien) mit gelben Ausweisen importiert und mit Hilfe eines hiesigen Tierarztes zu “EU-Bürgern” (blauer Heimtierausweis) erklärt.

Ein Pinschermodell, das nach Ankunft einer “Rettungsfahrt” von der Sedierung noch stark benebelt war, wurde “zum Ausruhen” in einen Wohnraum gebracht und – weil weder unter Beobachtung stehend, noch darauf geachtet – aus einem offenen Fenster im ersten Stock des Hauses fiel. Sprünge durch die geschlossene (!!) Fensterscheibe des Hundezimmers nach Draußen, weil der Stresspegel aufgrund der Menge an Tieren oder Aggressionspotential eines Einzelnen zu hoch war sowie Durchbrüche vom Hundeareal in das angrenzende Equiden-Gelände (inkl. Angriff, schwere Verletzungen und sogar Tötung eines Ponys) waren ab einem gewissen Zeitpunkt ebenfalls keine Seltenheit mehr.

2012, im Rahmen einer privaten Rettungsaktion für einen “deutschen” Hund mit einer regionalen Tierhilfe in Kontakt gekommen, welche ich für mich mittlerweile in Arche Kotz umgetauft habe.

Die Anfrage auf Unterstützung für den Hund wurde damit negiert, dass man derzeit so gar keine Aufnahmekapazität hätte, weil man bereits voll sei und zudem neue, vet.-behördliche Auflagen erfüllen müsse. … Die einzigen vier Plätze, die man – “unter Umständen, wenn überhaupt” – noch zur Verfügung stellen könnte, seien für vier Hunde aus Polen reserviert, die sich bereits in der Ankunft befänden und deren Aufnahme man den “Tierschützern” vor Ort in Polen schon vor mehreren Wochen versprochen habe.

Ohne, den “deutschen” Hund zu kennen bzw. kennen lernen zu wollen, wurde die Aufnahme und das Engagement für Hunde aus dem Ausland damit begründet, dass es in Deutschland ohnehin nur kaputterzogene Dreckshunde gäbe, mit deren Aufnahme man sich selbst keinen Gefallen täte und weil in deutschen Tierheimen eh nur Schrott säße, sei man als “Tier- und Menschenfreund” doch geradezu dazu gezwungen, die dankbaren, familiengeeigneten Straßenhunde aus anderen Ländern zu retten. – Ah Ja…

Behauptungen, die nicht nur die Arche Kotz von sich gab bzw. gibt, sondern in ähnlichem Textlaut von einigen anderen Orgas und Personen kommen, welche sich dem “Schutz” und der “Rettung” ausländischer Hunde verschrieben haben. Ah Ja…

Anfang 2013 kommt die Verantwortliche der Arche Kotz, auf mich (!!) zu. Es handle sich um einen 11-jährigen, überfetteten Spaniel in meiner Stadt, dessen Besitzer ins Krankenhaus musste, dessen Besitzerin schwer arthrosekrank sei und mit dem Gedanken spiele, den Hund vollständig abzugeben, da sie nicht in der Lage ist, den Hund auszuführen.

Die Aufnahme in der Arche Kotz sei (wieder) absolut unmöglich, einen sooo alten Hunde wolle doch niemand mehr, auf dem bliebe man sitzen. Man sei ja schließlich nur eine Zwischenstation für “wirklich bedürftige” Hunde. Außerdem hätte man (wieder) gar keine Kapazität, weil sechs Griechen und vier Bulgaren im Anflug seien. … Ob ich mich, im Rahmen meines Services der mobilen Haustierbetreuung, nicht wenigstens um das Ausführen des Hundes kümmern könnte?!

Als Fördermitglied unserer hiesigen Tierrettung bin ich annähernd darüber im Bild, dass verhältnismäßig oft ausgerückt werden muss, um einen der “tollen Familienhunde von der Straße” (ohne jede Verhaltensauffälligkeit, total unproblematisch, versteht sich…) wieder einzufangen, der sich aus Angst und Panik aus dem Halsband / Geschirr gewunden, samt Leine losgerissen hat oder zu früh von der Leine gelassen wurde. – Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Tiere, die aus einer Arche Kotz-Vermittlung stammen.

Hundemafia hat (für mich) mittlerweile sehr viele Gesichter und nicht immer ist es nur die verzogene Fratze an den Grenzen von Deutschland zu Polen, Tschechien, Ungarn & Co.. Auch die “netten Nachbarn von nebenan”, die sich ach so liebevoll und aufopfernd um ach so geschundene Hundeseelen kümmern, sind sehr oft keinen Deut besser, sie tragen lediglich die sympathischer wirkende Maske.

Was bitte soll an “Tierschutz” ernstzunehmend sein, wenn aus allen Herrenecken die Tiere immer nur reingekarrt werden, aber nirgendwo wird sich auch konstant und nachhaltig um die Problematik an der Wurzel vor Ort gekümmert?! – Hier mal etwas Futter hinschicken, dort mal ein paar “verzichtbare” Spendengelder oder Sachspenden hinfließen lassen, da mal Medikamente sponsern… doch der Fokus liegt auf: Tiere aus dem Ausland kommen lassen, vermitteln, Geld kassieren, wieder kommen lassen, vermitteln, Geld kassieren … mit dem beinah unvermeidbaren Nebeneffekt, sich als “mega-engagierte Tierschützer” feiern zu lassen. Das ist kein Tierschutz, sondern Zwischenhändlergetue!

>> Teil 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.