Brustkrebs und SGB – Neues aus Absurdistan

Mir ist aufgefallen, dass nahezu alle Publikationen rund um das Thema (Brust)Krebs
auf Auf- und Erklärung setzen, zu Spenden, zur Teilnahme an oder Inszenierung von
Charity-/Benefiz-Veranstaltungen aufrufen, Betroffene jede Menge Emotionen in ihre
Geschichten packen, in Foren mehr Blabla und Opferathmosphäre herrscht, als dass
sich eine Teilnahme auch nur im Ansatz empfiehlt (möchte man sich nicht auch runter
ziehen lassen) und Informationsmaterial lediglich die Inanspruchnahme möglicher
Hilfen umreißt.

Dagegen gestellt, hat es bislang jedoch Niemand wirklich gewagt, nach dem Blick
hinter die Kulissen des Sozialsystems auf bestehende Missstände aufmerksam zu
machen und die Verantwortlichen sowie deren Handlanger entsprechend öffentlich in
den Senkel zu stellen. – Wurde da echt jetzt schon wieder auf „Die Zeller“ gewartet?
Ne, oder?

In bereits drei Artikel führte ich aus, auf was man sich systemseitig einstellen kann,
sobald Einen eine schwere Erkrankung wie bspw. (Brust)Krebs erwischt, man zwischen
Hilflosigkeit und Ohnmacht mit ansehen muss, wie das bisherige Leben peu à peu
einem Kartenhaus gleich um sich herum zusammenfällt, man auf finanzielle
Unterstützung angewiesen wird und unter Umständen noch seine (jahrelange)
Arbeitstelle verliert.

Wer meint, das Alles sei nicht mehr steigerungsfähig, täuscht sich gewaltig.

Mit meinen bisherigen Einträgen zum Thema Jobcenter Leistungsabteilung ,
Jobcenter Arbeitsvermittlung und Wiedereingliederung ins Berufsleben nach längerer
Krankheit dürfte ich zumindest die ersten Beweise angetreten haben, dass und wie
Betroffene mit einer schweren Erkrankung durchs Sieb fallen gelassen werden:

  • Wenn unhaltbare Fehlinformationen seitens mehrerer Jobcentermitarbeiter vom
    Betroffenen durchschaut werden und er sich schließlich erdreistet, einen Antrag zu
    stellen, erfolgt 1:1 die gleiche Behandlung wie von normalen Arbeitslosen und
    Sozialschmarotzern.
  • Mangels Wissen oder schlichter Ignoranz (das habe ich noch nicht ganz überrissen)
    wird im Umgang mit Krebspatienten keine Rücksicht auf diverse, doch eigentlich
    zwingend notwendige Feinheiten genommen:
    >obwohl darauf hingewiesen, wird der Erkrankung keine besondere Aufmerksamkeit zu Teil: Antragssteller muss trotz vermindertem Immunsystem und erhöhter Infektionsgefahr vor Ort erscheinen und sich im allgemeinen Wartebereich aufhalten;
    > Art und/oder Stand der Erkrankung (bspw. Grad der Behinderung lt. Schwerbehindertenausweis) wird verharmlost;
    > Unter Androhung der üblichen Sanktionen an „Pflichterfüllung“ erinnernd, trotz nachweislich-bekanntem Abbau der Hirnleistung während der Therapie; usw. usf.


Mittlerweile sind mir Meldungen bekannt, wonach selbst bettlägerige, sich in stationärer Behandlung befindende Patienten mit aggressiveren Krebsen als meinem (und mit demnach gar nicht guten Prognosen bzw. mittlerweile verstorben) sanktioniert wurden/werden „mussten“, weil sie nicht zu den vorgegebenen Terminen erschienen sind – Angabe über die individuelle Situation waren „nicht Grund genug“, der Aufforderung keine Folge zu leisten.

Angehörige sind am Verzweifeln. Auch sie können aufgrund eigener Lebenssituationen
und/oder weil sie eben für die zeitintensive Pflege des Betroffenen (mit)verantwortlich
sind, auch nicht ständig springen, wie die Ämter meinen pfeifen zu können.

  • Diskriminierung und Ungleichbehandlung als Kranker / Behinderter bzgl.
    Wiedereingliederung, wenn während der Therapie auch noch der Arbeitsplatz flöten
    geht.


Nur wenige Sachbearbeiter „trauen“ sich, von ihrem >Ermessungsspielraum< – Es gibt

ihn also doch! – Gebrauch zu machen.

Die Meisten von ihnen bevorzugen die persönlich bequemere Variante Dienst nach
Vorschrift, um sich möglichst wenig Zusatz“streß“ auszusetzen sowie einen pünktlichen
Feierabend zu sichern. – Wenn schon jeder x-Beliebige vor die Sozialgerichte zieht, um
sein „Parasitenrecht“ durchzusetzen, so hält wenigstens Otto Normalo von und zu
Deutschland mit dem oberflächlichen Argument der geltenden Gesetzeslage das Gehirn
aus und die Füße still. Egal, ob Zähne knirschend und mit Tränen in den Augen,
Hauptsache er gibt (auch hier) Ruhe…

Was ein Glück, dass ich Sandra Zeller und nicht Otto Normalo von und zu Deutschland
bin. PUNKT.

Dienstag, 12.09.17, holte ich ein Schreiben der Leistungsabteilung aus dem Kasten,
mit der Aufforderung zur Mitwirkung (Fristsetzung: 25.09.17), schließlich hätte ich
Veränderungen in meinen Verhältnissen unverzüglich mitzuteilen. – Gemeint ist hiermit
die Abfindung meines Arbeitgebers, deren Höhe knapp über drei Monatsbezüge
Transferleistung liegt. – Sorry, ich hatte die Veränderung meines Arbeitsstatus‘ nur der
Arbeitsvermittlung mitgeteilt. Hierhin erfolgen neben der AU-Abgabe eben auch
Informationen, wie bspw. das Ende eines bislang ruhenden Arbeitsverhältnisses.

Ich hätte den Sachverhalt ja gerne mit der mir zugeteilten Sachbearbeiterin direkt am
Telefon besprochen (die, die sich im Mai wie ein Schnitzel auf einen frühen Feierabend
freute, weil ich früher als terminiert in der Tür stand …), doch leider wurde mir dies
seitens Kollegin Frau W. verwehrt. Angeblich konnte sie mich nicht durchstellen und
fragte lieber selbst, worum es denn ginge?

Auf meine Fragen und Ausführungen hin, wollte mir Frau W. weiß machen, dass jeder
Geldeingang über € 100,- als Einkommen anzusehen und anzurechnen sei und dies
nichts mit dem so genannten Schonvermögen zu hätte. Das Schonvermögen sei noch
vor bzw. bei Antragsstellung festzulegen.

Nun ja, mit diversen „kompetenten“ Aussagen haben wir mittlerweile ja so unsere
Erfahrungen gesammelt, gell?

Mehr zu mir als zu ihr, bat ich um einen kurzen Moment, um diesen Wortlaut notieren
zu können, woraufhin Frau W. spitz meinte, dies stünde auch alles nachzulesen im SGB
schieß-mich-tot. Nachdem ich hierauf die Bemerkung von mir gab: Weil ich bei meiner
Krebserkrankung auch noch Zeit habe, Gesetzestexte zu studieren!… kam mir Frau W.
richtig dreist und patzig: Was meine Krebserkrankung denn damit zu habe?

Nach diesem kurzen, unerfreulichen, frechen Telefonat fertigte ich die Mail mit den
gewünschten Nachweisen an die eigentlich genannte Sachbearbeitung und nun werden
Wetteinsätze angenommen:

Sperre, bis die Wahnsinnsabfindung in Höhe von € 500,- statt der Transferleistung (€
149,50/Monat) „aufgebraucht“ ist oder wird sie mir gnädigerweise gelassen, um die
u.a. anstehende Kfz-Steuer und TÜV im November bedienen zu können?

„Traumatisiert“, eingeschleppt, eingeschleust, ohne Papiere, dafür mit zig Identitäten
hätte ich es unter Garantie einfacher…

Manchmal denke ich ja, wer für sonst keinen Verwaltungsjob zu 100% was taugt,
landet im jeweiligen Jobcenter, damit der/diejenige überhaupt eine Beschäftigung hat.
– Gedanken sind immer noch frei, oder?

Anders ist der nach Außen getragene Frust, die Arroganz, die Ignoranz, der latente
Unwille zu dienen (eben Alles, was einem bei Kontakt mit diversen
Jobcentermitarbeitern entgegen schlägt) im Grunde genommen doch nicht zu erklären,
oder?

Hm, wobei … könnte vielleicht auch der olympische Gedanke auf die Maschinerie
Jobcenter made by System übertragen werden? Dabei sein ist Alles.

Egal, wie man es dreht und wendet, das in den letzten Monaten mit den – sagen
wir: „besonders kompetenten“ – Behördlingen Erlebte erinnert mich ein Stück weit an
Politiker, die von ihren nationalen Hohl-Posten nach Brüssel ausrangiert werden.
Hardcore wird’s, wenn Politköpfe meinen von Brüssel zurückzukommen, um sich im
Land wichtig machen zu können und auch dort nur (wieder) heiße, von Steuergeldern
finanzierte Luft zu produzieren.

Wir schreiben Freitag frühmorgens (15.09.17), mein Hirn wechselte sich ab ca.
2h20, nach etwa drei Stunden sowas Ähnlichem wie Schlaf, mit Purzelbäumen zum
Thema und Bloginhalt-Saltos ab.

In wenigen Stunden werde ich wieder zur „Suppenküche“ (Chemositzung) abgeholt und immer noch frage ich mich, ob meine Mail überhaupt schon bei der Zuständigen angekommen ist, denn eine Lesebestätigung habe ich bislang noch nicht erhalten… – Kann es sein, dass elektronische wie auch
papierne Post einen ähnlich langen Weg zurücklegen muss?

Lassen wir uns bis Montag überraschen…

Selbstverständlich liegt der Widerspruch schon bereit, sollte ich aufgrund der
Abfindung tatsächlich für 3 1/3 Monate für den Bezug von Transferleistungen gesperrt
werden. *wissend smile*

*in diesem Sinn*
Eure Sandra

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