Offener Brief

Der nachfolgende Text ging am 27.10.2017 als Rundmail (in offener Liste) an mehrere Empfänger unterschiedlicher regionale, überregionale sowie bundesweite Medien; an alle Parteien des aktuellen Bundestags; an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales; an den Bundesrat, den Bundestag; an die Inkasso-Abteilung der Arbeitsagentur; an meine beiden SachbearbeiterInnen beim Jobcenter zur Kenntnisnahme. – Link zu diesem Beitrag oder Text darf / kann / soll / „muss“ (mit Link als Quellangabe) weitläufig geteilt werden. Vielen Dank!


Sehr geehrte Damen und Herren von Presse, Funk und Fernsehen,

Sie erhalten diese eMail mit der Bitte und in der Hoffnung auf Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit über bestehende sozial- und fiskalpolitische Missstände, welche zum gravierenden Nachteil von Patienten schwerer Erkrankungen reichen.

Ich möchte mich Ihnen als „Fallbeispiel“ vorstellen. Da es „von meiner Sorte“ allerdings noch zig Tausend weitere Betroffene gibt, hoffe ich wirklich sehr, Einen oder Mehrere von Ihnen für die Sache gewinnen zu können, um schlussendlich die neue Regierung zu dringend notwendigen, fairen und vorallem realistischen Reformen zu bringen.

Meine Geschichte und Situation kurz zusammen gefasst:

Seit Mitte März befinde ich mich mit nur 42 Jahren als Brustkrebspatientin im Krankenstand und in der entsprechenden Therapie. Zwei Chemostrecken habe ich zwischenzeitlich hinter mir, ebenso die OP. Im August verlor ich zudem ich meinen Arbeitsplatz, sodass mir nächstes Jahr keine übliche Wiedereingliederung möglich sein wird.

Etwa zwei Monate nachdem ich im Krankenstand landete und meine finanzielle Situation sich zuzuspitzen begann, erhielt ich im dritten (!!) Anlauf beim Jobcenter die Chance auf Antragstellung (08.05.17).In einen Topf mit „normalen“ Arbeitslosen und Sozialschmarotzern geworfen, sollte ich bereits zehn Tage (!!) nach Antragstellung zu einem Gespräch über meine derzeitige berufliche Situation erscheinen. Drei Wochen musste ich bis zum Termin der Antragsabgabe warten.

Ein halbes Jahr später, mich immer noch in der Krebstherapie befindend, erhielt ich erneut eine Einladung zum Gespräch (welche ich selbstverständlich wieder dankend ablehnte). Inwiefern man was, bei welcher Belastung nach erfolgter Therapie arbeiten kann, wird in der Rehaklinik mit dem zuständigen Fachpersonal eruiert und erst dann, wenn überhaupt notwendig, mit der Arbeitsvermittlung des Jobcenters besprochen. „Gesetzliche Vorgaben“ hin oder her. – K r a n k e n s t a n d.

Grundlegend beziehe ich zZt € 22,11/Tag Krankengeld. Meine Transferleistung seitens des Jobcenters betrug Anfangs € 149,50, sodass mir im Schnitt € 800,00 zur Verfügung standen. Bei knapp € 400,- Wohnkosten nicht gerade prickelnd. Vorallem, wenn man durch Fleiß und Eigenleistung bis zu € 1.300,-/Monat gewöhnt war. – Ja, so manches Paar Schuhe, so mancher Anzug, so mancher Kugelschreiber unser Damen und Herren Politiker kostet mehr…

Mit Verlust meines Arbeitsplatzes erhielt ich von meinem Arbeitgeber € 500,00 als „Abfindung“.

Ich arbeitete dort fast dreieinhalb Jahre, doch aufgrund dass es ein KleinSTbetrieb war (Chef und ich in der Werkstatt, Chefin im Büro), war die übliche ein Bruttolohn pro Jahr-Abfindung nicht möglich.

Meine Hoffnung, mir würden wenigstens diese € 500,- gelassen, wurde jäh zerstört. Sie wurden entsprechend der gesetzlichen Vorgaben auf meinen „Leistungsbezug“ angerechnet, wodurch sich dieser um € 83,33 auf € 66,17 reduzierte. Doch damit nicht genug! Nun soll ich auch noch „zuviel“ erhaltene Leistung von September (€ 83,33) zurückzahlen. Fragt sich nur: Wovon?

Dass ich mich im Mai einer Zahn-OP unterziehen und hierfür einen privaten Anteil per Raten abstottern musste, für mein neun Jahre altes Auto mit über 200.000km (neben der Versicherung) Steuer und TÜV nächsten Monat zeitgleich fällig sind und sich auch noch der Auspuff als reparaturbedürftig zeigte – Wen interessiert es schon?!…

Ich denke, wir brauchen an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, welche Leistungsarten und Geldbeträge denjenigen zugestanden wird, die „neu zu uns kommen“… Da liegen Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren von Presse, Funk und Fernsehen unter Garantie diverse, aussagekräftige Dokumente und Zahlen vor. Darf man sich fragen, ob und wie all die zu Unrecht gezahlten Sozialleistungen an all die Einzelpersonen mit mehreren Identitäten zurück geholt werden oder gilt man dann gleich wieder als „böser Nazi“ weil „unbequem“? …

Fakt ist: Als Krebspatient oder Betroffener einer anderen, schweren Erkrankung, wird einem das Leben zusätzlich unverhältnismäßig schwer gemacht!

Man hat wirklich mehr als genug mit sich und gegen eine unberechenbare, unter Umständen tödliche Krankheit zu tun, als sich auch noch mit diesem politgemachten Schwachmatismus auseinander setzen zu müssen.

Ich für meinen Fall und Teil bin nun nicht mehr gewillt, mich weiter drangsalieren und terrorisieren zu lassen, sondern mich nur mehr rein auf die „Zielgerade“ meiner Therapiestrecke zu konzentrieren. Wenn es sein muss, werde ich es bzgl. der Rückzahlungsforderung auf Beugehaft ankommen lassen. Ich bin diesen System-Irrsinn in Deutschland absolut leid!

Ich bitte Sie, sehr geehrte Damen und Herren von Presse, Funk und Fernsehen, sich dieser Thematik mit an zu nehmen, um die Öffentlichkeit einerseits darüber aufzuklären, was Einem als Patient schwerer Erkrankungen widerfahren kann – JEDER, dem ich erzählte, welchem Bürokratieschwachsinn ich ausgesetzt bin, schüttelt nur noch ungläubig den Kopf; andererseits um der Politik mit Nachdruck aufzuzeigen, dass gesetzliche sowie arbeitsrechtliche Änderungen – ggf. auch rückwirkend – von Nöten sind.

Für Details zu meiner Person sowie Situation, lade ich Sie herzlich auf meinen privaten Blog ein. Die direkten Links zu den jeweiligen Themenbereichen finden Sie gleich unten eingefügt.

Gerne stehe ich Ihnen im Rahmen meiner zeitlichen und gesundheitlichen Möglichkeiten für Rückfragen, Gespräche sowie Terminabsprache für persönliche Treffen unter den ebenfalls unten angegebenen Nummern zur Verfügung. Aufgrund des in Kürze anstehenden Bestrahlung-Marathons, bin ich leider nicht reisefähig.

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit und herzliche Grüße,

Sandra Zeller

[Adresse / Kontaktdaten]
[Links zu den Einträgen im alten Blog]

P.S.: Da muss man sich wirklich nicht mehr wundern oder dumm nach dem Warum? fragen, wenn „die, die schon länger hier leben“ einen dicken Hals bekommen …

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