Bestrahlung

Von allen Schnitzeljagdstationen ist die Bestrahlung nicht nur der Sonntagsspaziergang unter den Therapiemaßnahmen gegen Krebs, sondern aufgrund der Geräte, mit denen man es zu tun bekommt, die wohl auch Interessanteste sowie Beeindruckenste.

Anfang November fand das Erstgespräch mit der Strahlenärztin und Bestimmung des Bestrahlungsbereichs durch Vermessen per Computertomographie statt.

Orientierend an einem Patientenaufklärungsbogen erhält man Punkt für Punkt alle wichtigen Aspekte für die kommenden Wochen erklärt:

  • Grundsätzliches zur Strahlentherapie,
  • generelle Vorbereitungsmaßnahmen,
  • eigentliche Durchführung,
  • gewollte Wirkungen,
  • die Zeit nach der Strahlentherapie,
  • empfohlenes Patientenverhalten sowie
  • mögliche Nebenwirkungen, wobei diese wiederum in akut (Auftreten während der Behandlung oder innerhalb von drei Monaten danach) und chronisch (Entwicklung aus Akuten oder Monate bzw. Jahre später) unterschieden werden.

Des Weiteren gibt es Tipps zur Hautpflege, sollte sich der Bestrahlungsbereich als empfindlich darstellen.

Damit das Bestrahlungsgerät mit den ermittelten Werten gefüttert und entsprechend auf die individuelle Strahlendosis eingestellt werden kann, braucht die Praxis etwa eine Woche Vorbereitung, bis die Strahlentherapie schließlich beginnen kann.

Ab dem Zeitpunkt der Vermessung, bei der man mit den so genannten Lagerungsmarkierungen versehen wird, über die gesamte Dauer der Therapiemaßnahme müssen diese Markierungen (inklusive der Schutzpflaster) auf dem Körper bleiben. – Da bekommt Bodypainting gleich eine ganz andere Bedeutung.

Dana, meine Mitstreiterin, die ich während des Krankenhausaufenthalts im März kennenlernte und die von uns Drei damals als Erste mit ihrer Therapiestrecke fertig war, riet mir zur Einnahme von Kalziumtabletten, da die Strahlen ein Stück weit auch auf die Knochen gehen können – worauf im Patientenaufklärungsbogen ebenfalls hingewiesen wird.

Nach Danas Rat deckte ich mich mit Ca-Kautabletten von dm ein und begann etwa zwei Wochen vor Bestrahlungsbeginn, diese täglich zu essen. Um meinen angeschlagenen Nerven etwas Gutes zu tun, bekommen auch sie zur Zeit täglich eine Lutschtablette Magnesium. So hatte jeder was davon.

Auf der Internetseite von biokrebs.de stolperte ich bereits vor offiziellen Beginn meines anstehenden Krebskampfes über den Tipp, begleitend zur Strahlentherapie Radium bromatum Globuli in C oder D 30 einzunehmen. – Je drei Kügelchen vor und nach der Bestrahlung.

Diese Globuli zu besorgen stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Selbst im Internet waren sie kaum zu finden, geschweige denn einen Anbieter mit humanen Preisen.

Bei Aponeo kann man zum Wucherpreis von € 5,- für 1 Gramm Globuli im Röhrchen fündig werden. Ein Gramm mag vielleicht bei Kiffern und anderen Junkies viel sein, in Bezug auf Globulis zur täglichen Begleitung über mehrere Wochen ist das gar nichts. Somit werden hier mindestens zwei Röhrchen (€ 10,-) notwendig und zusammen mit Versandkosten kommt man schnell auf ca. € 15,-.

In meiner Apotheke bei zweiter Nachfrage an eine fachlich-sachlich versierte Mitarbeiterin geraten, fand sie per Computer zwar auch nur einen Hersteller dieser Globuli in C30, doch dafür die üblichen 10 Gramm für (inkl. Versand) rund € 12,-.

Online muss also nicht immer besser und günstiger sein.

Da es sich in der Globuli-Herstellerszene noch nicht herumgesprochen zu haben scheint, wie wichtig es ist und wofür Radium bromatum benötigt wird, kann es unter Umständen bis zu gut einer Woche dauern, dass man die Globulis abholen kann. Also: früh genug dran denken und bestellen!

Der erste Bestrahlungstag war fast so aufregend wie ein erster Schul- oder Prüfungstag. Doch statt einer prall gefüllten Tüte oder einem Zertifikat bekommt man ein extrem interessantes, futuristisch anmutendes Gerät zu sehen: einen so genannten Linearbeschleuniger. Nach einem Computertomograph für mich ein weiteres, beeindruckendes Teil im Bereich der modernen Medizintechnik.

Im Denken, mal wieder ein Exot zu sein, hielt ich mich Anfangs mit dem Wunsch nach einem Bild von diesem Gerät zurück. Nachdem ich allerdings tagsdrauf einem weiteren, etwas anders ausgestatteten Linearbeschleuniger gegenüber stand und mir ja eigentlich nur 28, respektive noch 27 Bestrahlungstage zur Verfügung standen, begannen die Überlegungen, wie ich wohl mich „am Blödsten gestellt“ zu Bildern von diesen Giganten käme?

Schließlich stellte sich heraus, dass ich zumindest dieses Mal nicht die Erste und Einzige war, sondern sich viele Patienten (Männer wie Frauen) sogar unter dem Gerät liegend fotografieren lassen wollen. Für die Mitarbeiter war es also mit Alltag, in einer schnellen Sekunde die mitgebrachte Kamera auszulösen. Herzlichen Dank nochmal an dieser Stelle!

Im Strahlenzentrum Singen gibt es zwei Linearbeschleuniger: Hadwig (unteres Bild) und Ekkehard. Hadwig hat eine Zusatzausstattung in Form der Röntgenfunktion. Mit ‚ihr‘ werden vorrangig Männer im Kampf gegen Prostatakrebs behandelt.

Eine Bestrahlung dauert in der Regel zwei bis drei Minuten. Man liegt auf der Liege und die Arme fahren um einen herum.

Zur Bestrahlung hat man selbst eigentlich nur noch ein größeres Badetuch mitzubringen, auf dem man währenddessen liegt und mit dem der Patient vor Beginn durch die Mitarbeiter in die richtige Position gezogen wird. – So lässt man sich doch gerne über den Tisch ziehen.

Ab der zweiten Woche wird je ein Mal wöchentlich ein Arztgespräch geführt, spätestens Freitags werden die Markierungen sowie die Schutzpflaster auf Halt kontrolliert und bei Bedarf erneuert. Meine allerersten Pflaster überstanden nicht einmal das erste Wochenende, geschweige denn überhaupt die Zeit bis zur ersten Bestrahlung. Dazwischen war ja noch eine Darmspiegelung geschaltet.

Obwohl man mit diesen Pflastern duschen kann, kapitulieren sie bei Körperschweiß, bspw. hervorgerufen durch Erledigung der Kehrwoche oder einer anderen, körperlichen Anstrengung, was bei Krebspatienten ab einem gewissen Therapiezeitpunkt so ziemlich Alles sein kann.

Wichtig zu erwähnen ist noch: während der Strahlentherapie sollten größere Probleme, Störungen, Untersuchungen oder sonstige medizinische Maßnahmen vermieden werden, um einen nahezu reibungslosen Durchlauf zu haben. Bei mir war es die Darmspiegelung, die bereits einige Wochen zuvor vereinbart und entsprechend drei Tage vor Bestrahlungsbeginn durchgezogen wurde.

Als ich anfing, diesen Eintrag vorzubereiten, lagen bereits 20 Bestrahlungen hinter und nur noch acht vor mir.

Außer ein bißchen Kitzeln und leichtes Stechen spüre ich bislang nichts und erwarte auch weiter nichts Großartiges, weshalb ich dem Therapieende dieses Mal ruhig voraus sein und den Artikel vorab online stellen kann.

Bezüglich der Terminierung bleibt zu sagen: obwohl es den Termin für den Folgetag immer erst am aktuellen Bestrahlungstag gibt, lässt es sich verhältnismäßig gut planen. Die kurzfristige Terminvergabe hat unter anderen auch den großen Vorteil: so schnell wie man die Praxis betritt, so zügig ist man auch wieder draußen.

Hat man im Vorfeld der Bestrahlung bereits feste Termine, empfiehlt es sich diese am ersten Tag gleich durchgehend bekannt zu geben. Mit einem Vorlauf von mindestens drei Tage, besser noch mindestens eine Woche können die Bestrahlungstermine flexibel drumrum gelegt werden.

Wer sich am Bestrahlungstag nicht dem Streß mit den Vollpfosten auf der Straße, der Parkplatzsuche, der Gebühren sowie dem Weg von dort zur Praxis aussetzen möchte, hat die Möglichkeit sich beim Erstgespräch mit dem Arzt einen so genannten Transportschein fürs Taxi ausstellen und von seiner Krankenkasse genehmigen zu lassen.

Sollte es aufgrund eines gelegten Terminemarathon doch mal notwendig sein selbst mit dem eigenen Pkw fahren zu müssen, kann man sich diesen Kostenaufwand auf Antrag von seiner Krankenkasse erstatten lassen.

Wenn ich auf die letzten Monate zurück blicke, gab und gibt immer mal Momente, in denen ich mir denke: Eigentlich bist du bisher ja ganz gut durch die ganze Scheiße gekommen, hoffentlich ist das kein schlechtes Omen…

Im Gespräch mit meiner onkologischen Psychotherapeutin erhielt ich ihrerseits eine (kleine) Beruhigung: viele PatientInnen die ihren schulmedizinisch gesteuerten Kampf gegen den Krebs mit homöopathischen Mitteln begleiten, kommen verhältnismäßig gut durch die Therapiezeit.

Jeder findet wohl im Lauf seines persönlichen Krebskampfes seine Mittel der Wahl und das sollte man auch.

Was man hingegen auf keinen Fall sollte: glauben, ohne die etablierte Schulmedizin den Krebs zu besiegen oder ihm gar zu entkommen.

In irgendeiner Zeitschrift, auf meinen Termin wartend, fand ich einen Artikel zum Thema mit folgender Aussage:

Forscher der Yale School of Medicine (USA) fanden heraus, dass Krebsbetroffene, die sich der üblichen Therapiemaßnahmen strikt verweigern und nur auf Alternativen schwören, geringe Chancen haben die folgenden fünf Jahre überhaupt zu überleben. Das vorzeitige Sterberisiko stieg im Schnitt um das 2,5-fache.

Das Risiko eines früheren Todes bei Brustkrebs stieg um das 5,7-fache; bei Darmkrebs um 4,6.

Die Studie, in der Daten von 840 Krebspatienten (Brust, Lunge, Darm, Prostata) ausgewertet wurden, wovon sich 280 nicht schulmedizinisch behandeln ließen, ist im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht.

Jeder, der von Krebs betroffen ist, kann mit sich machen was er will – oder auch nicht.

Doch für alle Außenstehende, die ihr Wissen nur vom Hören-Sagen-Lesen haben, gilt:

Unterlasst es bitte, einem Krebspatienten sagen zu wollen, was er wann wie zu tun oder lassen hätte! Steht ihm einfach bei, hört ihm zu, gebt ihm das Gefühl nicht alleine zu sein, doch lasst den Klugscheißer in Euch stecken!

*in diesem Sinn*
Eure Sandra

Nachtrag, 29.12.17: Es ist vollbracht, die Therapiestrecke ist Heute zu Ende gegangen!

In der Woche nach Onlinestellung dieses Artikels ging es auf und in der Haut so richtig ab, doch Alles in Allem blieb es (für mich) im erträglichen Rahmen.

Durch den Kamerablitz wurde die Rötung leider etwas „entschärft“, dennoch kann man (denke ich) ganz gut erkennen….

Der Bestrahlungsbereich um die rechte Brust und den Lymphbereich (unter der Achsel, über die Brust, rauf zur Schulter) sieht nun aus, als hätte ich es nicht mehr rechtzeitig vom Grill runter geschafft. Stellenweise schält sich seit wenigen Tagen bereits Haut ab und nun heißt es: pflegen, pflegen, pflegen.

Für die Stellen, an denen sich die Haut bereits abschält, verwende ich Wund- und Heilsalbe von Bepanthen; die großen Flächen werden mehrmals täglich mit Intensiv Körperlotion für extrem trockene Haut von Bepanthenol eingeschmiert.

Die nächsten Wochen gehören nun ganz der Erholung von all den Strapazen; mit der Gewissheit, dass es nicht wieder nur ein Luft holen für die nächste Etappe ist.

Fast auf den Tag genau (1. Chemostart 28.3.), liegen nun neun Monate aktiver Kampf gegen den Krebs hinter mir.

…. dass und was im Lauf der Bestrahlung mit, auf und unter der Haut abgeht. Bilder entstanden direkt nach dem Duschen, nach Bestrahlungs-/ Therapieende.

Die nachfolgende Zeit der engmaschigen Nachsorge wird es zeigen, ob ich mit diesem einen Kampf auch die Schlacht an sich gegen jeden anderen Merkel gewonnen habe oder ob sich irgendwann, irgendwo ein neuer Tumor die Ehre gibt.

Krebs allgemein ist ja ein Arschloch. Brustkrebszellen sind zusätzlich derart hinterlistig, dass sie nicht mehr zwingend in der Brust, sondern entweder im Kopf als Hirntumor oder in der Lunge zurück kehren.

Man darf nun also sehr gespannt sein, ob ich den Drecksack in seine Schranken weisen konnte oder ob er ähnlich eines Halbstarken meint, von woanders aus mein Leben erneut zu sabotieren versuchen zu können.

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