Klüngelüngeling Klüngelüngeling – Naturzerstörung in Markelfingen

Während meiner Krebstherapie mit all seinen Mini-Höhen und Extrem-Tiefen bekam ich einerseits zum Glück, andererseits vielleicht auch leider nicht allzu viel mit, was sich auf den kleinen und großen Bühnen politischer Eitelkeiten sowie wirtschaftlichem Lobbyismus tat, respektive zusammenbraute. – Meine letzte „politische Amtshandlung“ waren im September 2017 zwei Kreuze für die AfD, um den Altparteien entsprechende Knüppel in die Beine zu werfen, was ja weitestgehend ganz gut gelungen ist.

Und Leute, ich sag Euch was: Solange wie in Berlin und anderswo ein derartiger Kindergarten abläuft (‚Neben denen sitzen wir nicht!‘, ‚Mit denen „spielen“ wir nicht!‘ , ‚Die haben uns die Klötzchen geklaut!‘) kann sich die AfD erlauben, was sie will … Solange es sie gibt, sind ihr meine Stimmen sicher!

Jetzt, da ich so langsam und sicher wieder ins Leben zurückkehre, graut es mir ein Stück weit davor, wieder aufs Laufende gebracht zu werden, im Besonderen vor dem, was sich in Markelfingen tut…

Markelfingen, ein Stadtteil von Radolfzell mit roundabout 2.500 Einwohnern und als Wohnort eigentlich ganz nett (zumindest erhalte ich oft bewundernden Zuspruch, sobald ich meinen Wohnort preisgebe), fiel mir bereits kurz nach meinem Zuzug 2016 mit vermüllten Stellen (hauptsächlich Glasscherben wohin man schaut, die auch Heute noch seelig liegen) und rücksichtslosen Nachbarn negativ auf.

Vom Dorfprinzip her unterscheidet sich Markelfingen am Bodensee in keinster Weise von anderen ländlich liegenden Nestern: möchte man was auch immer über sich selbst erfahren, das man bislang noch nicht über sich wusste: die Dorfschranzen, deren Leben so langweilig sein muss, dass sie sich die heißesten Geschichten über Andere ausdenken können, wissen Alles und das natürlich fundiert.

Ich kann mit soviel geistigem Minimalismus gut leben, da ich mich an Albert Einstein orientiere und den täglichen Kontakt mit Idioten so gering wie nur irgendmöglich zu halten versuche. Außerdem wurde mir mit Entlassung aus der Reha „verboten“, mich von vermeidbarem Streß wieder einfangen zu lassen, da auch Streß als ein Krebs begünstigender Faktor gilt. Tja, da sag‘ ich nur Faschingsterror 2017

In meiner Zeit als internationale Lkw-Fahrerin kam ich durch viele interessante, schöne, einzigartige Gegenden und nicht selten wünschte ich mir, hier und dort und da leben zu können.

Die Dorfschranzen sowie das Dorfadelgeklüngel mal beiseite geschoben und sich nur auf die Natur um Markelfingen fokussiert, ist das Gebiet ein ebenso interessanter, schöner, einzigartiger Flecken Erde, doch was hier auf dem Buckel abgeht, respektive abgehen soll … soviel kann man wieder gar nicht essen, wie man Kotzen möchte:

Osttangente, Umgehungsstraße, Verlegung der Kreisstraße 6168 – drei Bezeichnungen für ein und denselben Scheißdreck: auch wenn es sich bei dem betreffenden Gebiet (angeblich) „nur“ um landwirtschaftlich genutzte Flächen handelt Naturzerstörung ist und bleibt Naturzerstörung! Umso gravierender, wenn naturschonendere sowie kostengünstigere Alternativen arrogant-ignorant beiseite gewischt werden. – Mario, ich denke, du wirst in Kürze eine eMail von mir erhalten…

Ich weiß wirklich nicht mehr, wie oft ich in guten Phasen meiner Krebstherapie auf den Buckel gelaufen – besser gesagt: geschlichen – bin (wenn meine Verfassung für eine Fahrt in den Wald nicht reichte) und wie lange ich dort verweilte, um einfach nur die Umgebung, den Blick, die Natur zu genießen und für den nächsten Chemo-Hammer Kraft zu tanken…

Durch Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster, ein weiterer Klick auf das Bild zeigt es in Originalgröße. – Panoramaformat. März 2018

Dass nicht nur mir, sondern vielen anderen Menschen dieser Flecken Erde aus den verschiedenstens Gründen etwas bedeutet, durfte ich gestern erleben, als ich für gut dreieinhalb Stunden mit einer Dame, die Unterschriften gegen das geplante Bauvorhaben sammelte, bei tollem Wetter auf der Bank saß. – Selbstverständlich bekamen wir auch geballtes, typisches Deutsch sein in Form von … ja, schön ist es hier schon, ABER ….  oder … wir sind nicht von hier, uns geht das nichts an / uns interessiert es nicht… präsentiert.

Komisch: nicht aus der Region sein (wollen), sich nicht dafür interessieren (wollen), doch genau dort seinen persönlichen Nutzen durch spazieren gehen um „abzuschalten und genießen“ zu ziehen. – D wie Dummheit.

Durch Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster, ein weiterer Klick auf das Bild zeigt es in Originalgröße. – Panoramaformat. Januar 2018

Das erste Mal interessant-amüsant wurde es für mich, als ein Alt-Markelfinger mit seinem schicken, glänzenden (Garagen?)Benz den Buckel hoch fuhr, neben der Bank auf der wir saßen (Bild oben beim Wegkreuz) hielt, sich darstellend ausstieg und die Dame neben mir – ohne sich anständig vorzustellen, was man von einem der vorgeblichen Mr. Wichtigs schon hätte erwarten können – ansprach, warum sie sich gegen die Verlegung der Kreisstraße stelle? – Dass es sich bei dem geplanten Wahnsinn um die Verlegung der Kreisstraße, nicht um eine Umgehungsstraße handelte, war dem Herrn sehr wichtig klar zu stellen, denn das würde ja ein völlig anderes Licht auf das Ganze werfen. Mhm, sicher…

Ich lehnte entspannt in der Sonne und beobachtet die Szene eine Weile, schnappte das ein und andere „Argument“ für die Naturzerstörung auf, auch dass er selbst Landwirt sei und als ich mich daraufhin kurz einbrachte, meinte der Herr zu einer Gegebenheit vor vielen Jahren in Allensbach abschwenken zu können, mit der Frage, wo wir – die ach so großen Naturschützer – denn da gewesen seien?

Auf meine Frage, ob und inwiefern er von dem Bauvorhaben profitieren würde (wer macht sich schon für angeblich nichts krumm?), erklärte er, dass sein Grund nicht in den Bereich fiele und wenn überhaupt man hierbei keinen wirklichen Gewinn erzielen könne.

Ok, mit dem Verkauf von „ein bißchen landwirtschaftlicher Fläche“ ist vielleicht wirklich kein Butterbrot zu schmieren, doch wer sagt einem eigentlich, dass keine(r) der jetzigen Befürworter der Naturzerstörung nicht mindestens eine der Firmen besitzt, darin arbeitet oder Jemanden kennt, der eine besitzt oder darin arbeitet, die vermessen, Bagger schicken, Aushub weg fahren, Beton gießen, Asphalt bringen und und und? Klüngelüngeling, Klüngelüngeling…

Wie bereits geschrieben: der tägliche Kontakt mit Idioten ist nicht gänzlich zu vermeiden, doch man kann sich den Streß durch dergleichen ersparen, indem man sich seiner eigenen, ruhigen, vorallem inneren Größe bewusst ist. * omm *

Ohne auf anno-dazumal-Allensbach einzugehen, erklärte ich ihm, dass ich im Gegensatz zu Anderen – wenn denn – bevorzugt vor der eigenen Türe kehre und sollte  irgendjemand irgendwas irgendwo nicht passen, muss man eben selbst aktiv werden und nicht hinterher rumheulen. Hätte hätte….

Weil es dem Herren offensichtlich wichtig war, wenn er sich schon nicht ordentlich vorstellte, sich brüstend als Alt-Markelfinger zu bezeichnen, machte auch ich – ruhig, sowieso über den Dingen stehend – keinen Hehl daraus, dass ich Zugezogen war und was ich von den bisherigen Erlebnissen in Markelfingen hielt. Dies kratzte wohl „ein klein wenig“ an seiner altmarkelfingerischen Dorfehre und es dauerte nicht lange, bis er abzog.

Eine weiterer, mehr amüsanter denn interessanter Moment ergab sich, als sich ein älterer Herr zu uns gesellte, um die Aussicht zu genießen und seinem regelmäßigen Spaziergang auf dem Buckel eine kurze Pause einzuräumen. Ich schätze den Herren auf mindestens Achtzig, sehr bedachtes Wesen, sehr viel Wissen über die Region und vorallem mit enormer Wertschätzung der Stelle gegenüber, für deren Erhalt es aktuell zu kämpfen gilt.

Wir Drei also auf der Bank sitzend, die Sonne und den Ausblick genießend, schlendert ein älteres Ehepaar vorbei, wovon sie ihren Blick auf das an der Bank klebende Plakat gegen das Bauvorhaben lenkt und sogleich hiergegen sowie gegen die Spinner auf der Bank, „gaaaanz wichtig und groß“ zu maulen beginnt. Als sie schließlich den älteren Herren in unserer Mitte wahrnimmt, überkommt sie die pure Blamage, man kennt sich schließlich und – zumindest vorne rum – schätzt man sich im Grunde genommen ja auch…

Sorry, es war wirklich nicht aufzuhalten! Meine Schlagfertigkeit führt mitunter ein Eigenleben und so ergab es sich, dass ich im gleichen Stil wie es dieser Madame plötzlich peinlich war, gegen den älteren, ihr persönlich wie namentlich bekannten Herrn zu schießen, selbstverständlich ebenfalls gut hörbar: Oh, das war jetzt Hauptsache schön blöd daher geschwätzt! raus rutschte.

Was man in gut dreieinhalb Stunden, auf einer Bank des Markelfinger Buckels sitzend erlebt, noch dazu in einer Zeit, in der ein einziges Thema ein Dorf spaltet und selbstverständlich auch die „Neutralen“ ausspuckt – interessant, amüsant, bezeichnend, typisch Deutsch.

Sollte dieser geplante Wahnsinn wie beabsichtigt Wirklichkeit werden, hat es sich was mit Spaziergängen, einmaligen Ausblicken, einem unvergleichlichem Panoramawanderweg usw. usf.

Durch Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster, ein weiterer Klick auf das Bild zeigt es in Originalgröße. – Panoramaformat.

Aktuell ist mit den Pflöcken [Pfeile] nur die Breite der Straße selbst abgesteckt. Die endgültigen Dimensionen inkl. „dekorativem“ Lärmschutzwall & Co., werden nach Möglichkeit gar nicht groß zur Sprache gebracht; das könnte für die Naturzerstörer im schlimmsten Fall noch mehr Gegenwind, noch mehr fadenscheinige Argumente erfinden müssen bedeuten.

Wie auch immer das Ding ausgeht, am 06. April werden die gesammelten Unterschriftenlisten beim Bürgermeister abgegeben, am 10.04. kommt der Gemeinderat zusammen, um darüber abzustimmen. Folgt dieser der „Empfehlung“ des Ortsrats, wodurch der Verlegungs-Schwachsinn 1:1 umgesetzt werden kann, bestätigt mich das nur in meiner Meinung über die Machenschaften in Groß-Radolfzell und Klein-Markelfingen.

Genau genommen müsste die Stadt Radolfzell ihre Touristen(fänger)broschüren um das Wörtchen noch aktualisieren: Genießen Sie noch den Ausblick auf… Machen Sie ausgiebige Wanderungen in noch einmaliger Natur … und dann mal sehen, wie verdient die Bezeichnung Umweltstadt für Radolfzell (Seite 18, Neu-Bürgerinformationsbroschüre) wirklich noch ist.

*in diesem Sinn*
Eure Sandra

Nachtrag, 01.04.: Kein Aprilscherz!
Egal, ob eine Straße gebaut oder ein Graben gezogen wird, für die Tonne ist das Vorhaben wie aktuell geplant so oder so.

Dieser Blick wird sich erledigen, kommen die Provinz-Großkopferten mit ihrer „Empfehlung“ durch. 
Einen Graben haben Verantwortliche und Befürworter wohl zumindest schon zwischen ihren Synapsen? …

Nachtrag, 02. 04.: Entweder entging mir der Aushang oder er ist frisch – auf jeden Fall ist es höchstinteressant und scheint die Vetterles-These zu untermauern:

Der beschriebene Litzelsee ist ein wahres Naturphänomen, an dem sich neben dem Kleinkrebs auch immer wieder zahlreiche Wasservögel einfinden.

Nachtrag, 03.04.:  Schwein gehabt, dass ich den Aushang gestern geistesgegenwärtig fotografiert und hier veröffentlich habe… Wenn den „Guten“, den „Besseren“ in welcher Angelegenheit / auf welcher Politebene auch immer (sowieso) echte Argumente fehlen, gibt es für sie nur noch Eines: Randale und Vandalismus! Immer wieder ein handgeschriebenes Plakat von einer Sitzbank abzureissen, um den primitiven Kleingeist in sich zu befriedigen, ist das eine … Heute Vormittag war der Aushang nicht nur verschwunden, sondern auch die Plexiglasscheibe (!!) der Naturschautafel beschädigt – o.w.W. (ohne weitere Worte):

Nachtrag, 06.04.18: Hier ein paar Impressionen des Naturdenkmals Litzelsee frühmorgens. Sollte / Könnte das geplante Bauvorhaben (Baugebiet UND Verlegung der Kreisstraße) negative Auswirkung auf den Litzelsee haben, dürften das mit die letzten Bilder eines beeindruckenden Naturphänomens UND Naturdenkmals sein. Durch Klick auf das jeweilige Bild öffnet sich ein neues Fenster; ein weiterer Klick zeigt es in Originalgröße.

Wenn es da ist, ist das Wasser so klar, dass sich die Umgebung deutlich darin spiegelt.

Nachtrag, 19.04.2018: Aufstehen, gerade machen, stehen bleiben – dann klappt’s auch mit dem Widerstand.

Ich hatte es mir letzte Woche, einen Tag nach der Gemeinderatssitzung (bei der ich nicht war) gedacht, als ich die ersten Pflöcke auf dem Boden liegen sah; durch die wöchentliche Regionalzeitung gibt es jetzt Gewissheit: der Naturzerstörungswahnsinn wurde vom Tisch gefegt und ist damit in die ewigen Schwachmatengründe verschwunden.

Singener Wochenblatt vom 18.04.2018, Seite 3.

 

Dieser Ausblick bleibt erhalten und die Touri(fänger)broschüren müssen auch nicht überarbeitet werden. – Na, geht doch!

 

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