Chemo-Demenz, Konzentrationsschwäche und Sprachstörungen

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches, Gesellschaft & Politik
Diesen Eintrag auf die Beine zu stellen, fiel mir bislang am Schwersten… Er trifft mit seinem Titel den Nagel auf den Kopf. Was man als gesunder, unter Alltagsbedingungen „normal“ gestresster, weil vielseitig geforderter Mensch allgemein unter Schussligkeit oder schlicht mit den Gedanken woanders sein kennt, wird für Chemopatienten irgendwann eine zusätzliche Belastung, mit der man ebenfalls nichts anderes machen kann, als sich irgendwie zu arrangieren und sie auszusitzen: Abbau von Gehirnleistung und Sprachvermögen. Erzählt man als Chemopatient gesunden Menschen von der Einbuße seiner  Hirnleistung, der zunehmenden Konzentrationsschwäche, streckenweisen Sprachaussetzern oder abgelegten Schwachmatenaktionen unter dem Einfluss von Chemomitteln, erntet man nicht selten ein: Kenn’ ich,

Psychoonkologischer Dienst

(Mein) Brustkrebs, Bastelideen, Gesellschaft & Politik
Eigentlich war diese Abteilung als kleiner Tipp, als kurz angerissene Empfehlung unter „Kurznotizen“ geplant. – Mal wieder kam es anders als gedacht. Vor kurzem wurde ich auf der Straße von einer Frau wegen meiner Autowerbung angesprochen, sie bräuchte dringend jemand für ihre Katze. Ich erklärte ihr, dass ich aktuell nicht tätig sein könnte, da ich an Krebs erkrankt bin und wie aus der Hüfte geschossen, seufzte sie: Meine Schwester auch… Vom ursprünglichen Tiersitterengagement kamen wir nun also auf das Thema Krebs zu sprechen. Als sie mir schließlich erzählte, dass sich ihre Schwester weigerte, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um nicht als "Psycho" oder "durchgeknallt" abgestempelt zu werden, entschied ich mich zu einem eigenen Eintrag darüber. Neben dem für Viele wah

Wiedereingliederung ins Arbeitsleben nach langer Krankheit

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches, Gesellschaft & Politik
Wenn du denkst, es geht nicht Mehr, kommt von irgendwo – unter Garantie – der nächste Systemirrsinn daher. So … ja … hm … Was soll ich sagen? Wie sehr ich meine Arbeit mochte, lässt sich vielleicht damit zeigen, dass ich bis einen Tag vor der offiziellen Krankschreibung und dem ersten Krankenhausaufenthalt zur Arbeit ging und mich nur recht widerwillig damit abfinden wollte, jetzt erst mal nicht mehr täglich hier sein zu können. Mit einer Mischung aus den Umständen entsprechend mulmig und doch irgendwie frohen Mutes, ich konnte und sollte nach meiner erfolgreichen Schlacht gegen den Krebs wieder kommen, verabschiedete ich mich von meinen Chefs, "meinen" Hebebühnen, "meinem" hellblauen Druckluftschrauber, "meinen" Räderlagern, "meinem" Altreifenstapel, "meinem" Spind, von "meinem"

Haustierhaltung bei Krebs

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches, Gesellschaft & Politik
Mit definitiver Krebsdiagnose war eine, oder besser gesagt mit die größte Sorge, ob und inwiefern ich mich die nächsten Monate mit (Haus)Tieren abgeben darf? Auch sie zählen bei Krankheiten, die das Immunsystem schwächen, zu Gefahrenquellen für Infektionen und der Umgang mit ihnen will in der ein und anderen Situation wirklich gut abgewägt sein. Niemandem ist geholfen, wenn das Tier zu wenig oder gar nicht mehr gerecht versorgt werden kann, weil der Mensch dazu entweder ganz oder vorübergehend nicht mehr in der Lage ist. Auch wenn es viele "Tierfreunde" wohl bis in alle Ewigkeit nie in ihre Schädel bekommen: einem Tier kann man nicht lang und breit erklären, was so Besonderes an einer sich geändert habenden Situation ist - das funktioniert selbst im normalen, gesunden Alltag nicht. M

Der Feind in meinem Körper (Tumorentfernung und Brust-OP)

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches
Rückwirkend betrachtet haben es die Biopsien wohl schon angekündigt / angedeutet: einfach würde es uns der Tumor nicht machen. So wenig verwertbares Material die Doc im März rausgestanzt bekam, so wenig war er im Lauf der ersten Chemostrecke bereit, seine Größe sowie seinen Zustand zu unseren bzw. meinen Gunsten zu verändern. Hin und wieder nagte und kratzte es buchstäblich in mir, dass man meinen konnte, Grzimeks Steinbeißer und die Fraggles klärten gerade Territorialfragen. Streckenweise gab es große Spannungen und hitzige Diskussionen unter der Haut, die sich mitunter als rötlicher, heißer Fleck sogar an der Oberfläche zeigten. Doch Alles in Allem tat sich ... Nichts! Nach drei Monaten Chemo unter AC (Adriamycin, Cyclophosphamid) brüstete sich Kollege Tumor immer noch mit seine

Offener Umgang mit Krebs

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches
Diesen Eintrag beginne ich ganz bewusst mit einem besonderen Vorwort an all Jene, die sich durch veröffentlichte Erfahrungsberichte von Krebspatienten (egal, ob Normalo oder Promi) in ihrer schein-heilen Welt "gestört" oder "belästigt" fühlen oder meinen, darüber lamentieren zu müssen, ob dieses sich-zur-Schau-stellen / sich-wichtig-machen-müssen wirklich sein muss? ... Liebe Leute, wie wir Krebspatienten uns aus freien Stücken dazu entscheiden können, mit unserer individuellen Geschichte offen umzugehen, um auch anderen (zukünftigen) Betroffenen Mut zuzusprechen oder eben nicht, so steht es ebenso jedem Genanten und künstlich Empörten unter Euch frei, sich auf privaten Internetseiten zum Thema aufzuhalten oder eben nicht. - Ganz einfach! Darüber braucht in keinster Weise hohl diskut

Humangenetische Untersuchung

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches
Die zweite Chemostrecke läuft und mir bleibt dieses Mal richtig viel Zeit, die letzten Wochen, Monate Revue passieren zu lassen sowie ein weiteres Resümee zu ziehen. Die Kombination meines eigenen, jungen Alters (42) mit dem frühen Tod meiner jüngsten Tante mütterlicherseits (sie erlag Anfang 2016 mit nur 52 Jahren ihrem Eierstock-Lungenkrebsleiden) ließ mich zur familiär-genetischen Risikogruppe zählen, wodurch ich die Chance auf eine humangenetische Untersuchung auf etwaig vererbte, veranlagte Gendefekte über die Uniklinik Tübingen erhielt. Bei mir lag die Wahrscheinlichkeit einer Anlageträgerschaft für die führenden Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 bei errechneten >20%. Die Kosten für diese Tests werden bei Notwendigkeit zwar von der Krankenkasse getragen, doch leider liegen s

1. Chemostrecke

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches
Unter normalen Umständen, würde ich mich an dieser Stelle für die Nichteinhaltung eines mit Datum angekündigten Blogeintrags entschuldigen, doch wie Ihr – egal, ob nur interessiert oder (in)direkt betroffen – gleich sehen werdet: Was ist schon der Termin zu einem Blogeintrag, wenn man es mit Krebs zu tun hat?!... Wer es aufgrund seiner Krebserkrankung bis zum Terminzettel für die erste Chemositzung gebracht hat, dürfte aufregende, beunruhigende, verunsichernde, interessante wie auch beschäftigte Wochen hinter sich haben. In diesem Eintrag möchte ich Euch berichten, wie es mir während meiner ersten, dreimonatigen AC-Chemostrecke erging. Nebenwirkungen, die bei mir (nicht) auftraten, müssen sich nicht zwingend (auch) bei Euch zeigen, können es allerdings und deshalb hoffe ich, Euch mit

Brustkrebs und SGB II – Leistungsabteilung

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches, Gesellschaft & Politik
Offensichtlich besteht doch noch ein Funken Hoffnung auf finanzielle Unterstützung seitens des Systems, auch wenn man mit einem europäischen Ausweis, nur einer westlichen Identität schon länger in Deutschland lebt und nach jahrelangem Arbeiten sowie Einzahlen in die Sozialkassen durch Krankheit bedürftig wird. Voraussetzung dafür scheint allerdings zu sein, man lässt sich weder durch erst- noch zweitbeste Fehlinformationen inkompetenter Mitarbeiter der Jobcenter am Telefon abspeisen und abschrecken, sondern geht direkt vor Ort. Während die Einladung zum Gespräch über meine derzeitige berufliche Situation bereits zehn Tage nach Antragsstellung erfolgen sollte, musste ich drei Wochen (!!) auf den Termin zur Abgabe meines Antrags auf – eventuelle – Leistungen warten. Mittags, 13h30.

Brustkrebs und SGB II – Arbeitsvermittlung

(Mein) Brustkrebs, Alltägliches, Gesellschaft & Politik
Wie bereits in Teil I geschrieben, macht es (nicht nur) meiner Meinung nach einen immensen Unterschied, ob man „nur“ arbeitslos wurde und damit auf finanzielle Unterstützung vom System angewiesen ist oder ob man – auf ganzer Linie sowas von unverschuldet – an einer schweren Krankheit erkrankt ist, die einen tatsächlich von Jetzt auf Gleich den Alltag sowie das Umfeld umkrempelt und ebenfalls in die finanzielle Bedürftigkeit schieben kann. – Mal sehen, für wen wie viel „Sozialstaat“ wirklich in Deutschland steckt… Um den nachfolgend beschriebenen Systemirrsinn und Behördenwahn zu erkennen, bitte im Hinterkopf behalten: Ende Februar entdeckte ich den Knoten in meiner Brust. Im März folgten Biopsien und Krankenhaushaltaufenthalt für weitere Untersuchungen, seit Ende März befinde