Steuerfrei nur wenn Hundehaltung “notwendig“?

Keine Ahnung, wie oft ich gedanklich schon angesetzt habe, diesen Blogeintrag zu verfassen.

Was ich heute erlebte, war so grotesk, amüsant und bezeichnend für deutsche Wichtigtuerei, dass ich einfach keinen Anfang zu finden schien – für mich behalten, wollte ich das Erlebte aber auch nicht … Kommt es in Deutschland doch sicher mehrmals täglich vor.

Hintergrundinfo: Letztes Jahr arbeitete ich als Paketbotin und war in Engen eingesetzt, weshalb mir noch sehr viele Hunde- und andere Haustierhaushalte bekannt sind. Ebenfalls letztes Jahr, auf Basis der eingereichten Klage von Herrn Dr. Vitt, führte ich eine Unterschriftensammlung durch, mit dem Anliegen an die Gemeinde, von weiteren Tierbesteuerungen sowie von der Erhöhung der Hundesteuer abzusehen – „prophylaktisch“ bis Ende 2018, in der Denke, die Klage würde fair und sachlich bearbeitet werden.

Nun, da sich Letzteres „versehentlich“ erschlagen hat und bis sich ernsthafter Druck auf die Politik aufgebaut hat, damit eine etwaige Abschaffung der Hundesteuer auch nur im Ansatz wieder in Betracht gezogen werden kann, mussten / müssen neue Gedankengänge her.

Da Baden-Württemberg zu den fünf Bundesländern gehört, die von Landesgesetz aus der Muss-Besteuerung unterliegen, wäre es verschwendete Substanz, von der Gemeinde Engen die ersatzlose Abschaffung der sozial ungerechtesten Steuer überhaupt zu fordern. – Selbst wenn die Obrigkeiten es wollen würden, was kampflos allerdings nie der Fall sein wird, dürfte Engen die Erhebung der Hundesteuer nicht von sich aus abschaffen! Gesetz ist ja schließlich Gesetz!… Mhm.

Was man allerdings – unter Umständen – in Gang setzen könnte, wäre eine Änderung der kommunalen Hundesteuersatzung, mit der man (und das sag ich selbst als Hundehalterin!) die Kanidenbesitzer zwar ernsthafter, jedoch auf (annähernd) sozial gerechte sowie faire Art in die Pflicht nimmt, bspw. mit der Chance auf Mitbestimmung, statt sich ausschließlich danach zu richten, was der Gemeindekasse gut tut! Denn: die inhaltliche Gestaltung der Hundesteuersatzung obliegt einzig und allein den Gemeindeobrigkeiten und diesen wiederum können Bürgeranliegen vortragen werden.

Ich mich also hingesetzt, mir Gedanken gemacht, was man denn an Änderungen aufs Tablett legen könnte, die Option eingebaut, dass „die Anderen“ ebenfalls ihre Ideen einbringen können, sofern ich etwas vergessen haben sollte – Sorry! Ich hab halt nur Kopf und Gehirnzellen für einen Menschen! – ausführlich erklärende Themen-Unterseiten auf meiner Webseite verfasst, 400 Briefe gedruckt und mich auf den Weg gemacht, diese persönlich zu verteilen. – Wohlgemerkt: Alles in Eigeninitiative, auf meine Kosten und Zeit!

Ein erster Querschläger, der noch vor Verteilung der Zettel von der Initiative in Kenntnis gesetzt wurde, weil sich eigentlich als Mitstreiter ausgegeben habend, ließ – natürlich – nicht lange auf sich warten: Weil zwei Punkte meiner Überlegungen nicht gefielen, erklärte man bereits vor dem „offiziellen Start“ seine strikte Verweigerung. Deutschland, da bist du ja!

Statt sich dahingehend einzubringen, zu streichen, was einem nicht nur Nase stand und ggf. eigene Vorschläge zu vermerken, wurde von vornherein geb(l)ockt, obwohl man sich der Ungerechtigkeit der Hundesteuer absolut im Klaren ist und sie ja auch sooo unverschämt findet. Mhm…

Hey, ich mach‘ echt gerne den „Vorturner“, gar kein Thema! Aber dann auch noch auf jede persönliche Befindlichkeit einzugehen … Leute, irgendwo sind Grenzen! Bewegt euch gefälligst auch selbst!

Nun zu meiner Tour durch Engen:

Gestern kurvte ich in 6,5 Std. den Großteil ab, kam wieder mit vielen netten, neuen wie altbekannten Gesichtern ins Gespräch. Heute legte ich noch mal ca. 2 Std. dazu, Engen ist durch!

Folgende Szene: ich halte beim Haus einer älteren Dame, um ihr den Zettel zu übergeben, nennen wir sie Frau Kunz. Bei ihr steht eine mir (glaub ich) unbekannte Dame, nennen wir sie Frau Hinz. Frau Kunz und Frau Hinz sind sich am unterhalten, ich bleibe in gemäßigtem Abstand zu den Beiden, bis sich Frau Kunz mir zuwendet.

Ich erkläre Frau Kunz mein Anliegen, besser gesagt: ich möchte es ihr erklären, als Frau Hinz mir bei Hundesteuer sofort ins Wort fällt und zu einer Schimpftirade ansetzt. – Erst dachte ich: Ok, jetzt kommt gleich wieder die Sache mit dem Kot … Weit gefehlt!

In Bezug auf die Körperhaltung und –sprache von Frau Hinz müsst ihr euch zudem folgendes vorstellen:

Ihr kennt es doch bestimmt, wenn ein unsicherer Hund meint, sich mit dem vorderen Teil seines Körpers aufplustern zu müssen, mit dem hinteren Teil für eine etwaige Flucht zurück bleibt. *?!* Wer sich mit Hundekörpersprache auskennt, weiß ganz genau, was ich meine.

Diese Haltung müsst ihr nun auf Frau Hinz übertragen: mit Oberkörper, Arme und Kopf machte sie einen auf “Ich geb’s dir gleich!”, Po bis Beine blieben im Hintergrund… Gesamtformat: etwa einen halben Kopf kleiner als ich und untersetzt.

Was genau Frau Hinz alles von sich gab, krieg ich jetzt gar nicht mehr ganz zusammen. Es waren auf jeden Fall eine Menge Buchstaben am Stück, aber – *wow!* – sie kam (erst mal) nicht mit dem Hundekot auf Weiden, sondern mit dem wilden Gebuddel der Hunde, wodurch tiefste Gräben entstünden, durch welche man sich beim übers Feld laufen ordentlich verletzten kann – klar, Treckerfurchen sind ja auch um ein Vielfaches sicher begehbarer! – und den Gassifahrern, weshalb die Hundesteuer mehr als gerechtfertigt sei und wenn es nach ihr ginge, diese viel viel höher sein könnte! Soviel hab ich zumindest verstanden.

Als Frau Hinz dann mal ansetzte, Luft zu holen – ich blieb die ganze Zeit über ruhig und aufmerksam – erklärte ich ihr freundlich, dass ihre Argumente eindeutig Unwissenheit der Materie wieder gaben und als reines Geschwätz zu werten seien, worauf sie zum nächsten „Schlag“ auszuholen versuchte, mit dem „Argument“, dass man Hunde nur halten sollte, wenn man sie wirklich brauchen würde und wer einen Hund ohne wahren Nutzen hält, zahlt „zu Recht“ Hundesteuer!

Aha, Frau Hinz lebt in unserer Gemeinde demzufolge also sehr ländlich, womit dort gehaltene Hunde (egal welche Rasse, mit oder ohne entsprechende Ausbildung) als Wach- und Schutzhunde eingestuft werden und demnach von der Steuer befreit sind. (§ 6 Abs. 3 Hundesteuersatzung Engen)

Mein Blick fiel sofort auf Frau Kunz neben mir: eine echt liebenswerte Dame im Rentenalter, verwitwet, ein Häuschen als Altersruhesitz in der Stadt, zwar Familie habend, aber hauptsächlich – mit ihrem kleinen Hund, auch ein sehr freundliches Fell – allein lebend.

Bei: einen Hund wirklich brauchen wollte ich gegenüber Frau Hinz einhaken. Wieder in einem Moment des Luft holens ihrerseits, nahm ich Frau Kunz als Fallbeispiel: Wer bestimmt oder woran lässt sich denn einen Hund wirklich brauchen definieren?

Wer oder Was hat das Recht zu bestimmen, dass beispielsweise Frau Kunz eigentlich keinen Hund „braucht“, weil sie sich ja genauso gut und ausschließlich mit Pflanzen, dem Hausputz und den Nachbarn, statt mit einem Hund beschäftigen könnte?!? Aber weil sich Frau Kunz für das Leben mit einem Hund entschieden hat, dies auch beiderseitig sichtbar sehr glücklich verläuft, nimmt sich Wer?? das Recht heraus, ihr die Steuer aus dem Rentnerportemonnaie zu ziehen bzw. es als in Ordnung zu bezeichnen??

Nun schien es für Frau Hinz ungemütlich und zeitgleich intellektuell zu hoch zu werden, hatte sie sich nicht noch vor wenigen Minuten total freundlich und zugetan mit Frau Kunz unterhalten?! Frau Hinz hatte es plötzlich extrem eilig und verabschiedete sich, was mich – „Sorry!“ – dazu verleitete, ihr in wissentlich-amüsiertem Tonfall ein: Ja, ja, wenn’s unangenehm wird, macht man sich aus dem Staub!… mit auf den Weg zu geben.

Ja, ok, – „Entschuldigung!“ – es ist meine „Schuld“, wenn ich aufgrund von Wissen und informiert sein so ziemlich jede Debatte zum Thema Hundesteuer für mich entscheide, sofern es sich wirklich um eine sachliche Argumentation – es gibt ohnehin keine echten Pro’s zur Hundesteuer, außer die der Kommunalkassen – und / oder Möchtegerns „in die Flucht schlage“, weil sie sich nicht mehr anders zu helfen wissen. *Asche auf mein Haupt!*

Frau Kunz und ich unterhielten uns nach Frau Hinz’ bezeichnendem Abgang noch eine Weile über die Initiative und auch sie konnte sich ein Grinsen über Frau Hinz’ Auftritt nicht verkneifen. – So sind sie halt, die Hardcore-Schlaumeier!

Tja, und jetzt mal überlegen: Brauchen wir Hunde wirklich?

*in diesem Sinn*
eure Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.