Vergiftungsrisiko Schokolade

Im Januar 2012 verfasste ich den ersten Eintrag zum Thema Schokolade ist Gift für Hunde, weil… und knapp zwei Jahre später, trotz aller Kenntnis über das toxische Potential von Schokolade sowie der berühmt-berüchtigten Unberechenbarkeit von Tieren, muss ich mir nun selbst den Schuh anziehen, meinen Hund in Gefahr gebracht zu haben.

Dieser Blogeintrag soll deshalb nicht nur zur weiteren Aufklärung dienen, sondern zugleich auch Warnung für all diejenigen sein, die sich entweder – immer noch nicht – der Vergiftungsgefahr bewusst sind, die von Schokolade ausgeht oder ihre Hundehaltung – wirklich! – derart im Griff haben, dass sich etwas anderes Schlimmes einschleichen kann: Routine!

Zur Geschichte:

Nach meiner Erfahrung mit dem Messie-Haus vor fast einem Monat, mistete ich kurz darauf meinen Keller und nahm mir bei nächster Gelegenheit vor, selbiges in der Wohnung zu tun. – Bereits vor mehreren Monaten hatte ich mich von meinen Kornnattern getrennt, doch die Terrarien standen noch in der Wohnung und auch sämtliches Zubehör, das jetzt verkauft werden kann.

Als ich nun Zeit und Möglichkeit hatte, mich der Wohnung anzunehmen und mit den Abnehmern von wenigstens zwei Terrarien endlich ein fixer Termin zur Abholung vereinbart worden war, räumte ich Alles, was sich oben drauf befand um die Mittagszeit in eine hinterste Ecke des Wohnzimmers auf den Boden. – Unter anderen auch ein Schüsselchen, in dem sich ein ca. halbes Netz voll, einzeln in Alufolie eingewickelte, Schokoladenkugeln befanden.

Solange ich in der Wohnung und somit in ständiger Nähe zum Fell wirbelte, vergaß ich diese Ecke in meinem Auf-, Aus-, Umräumwahn schnell.

Gegen mittleren Nachmittag hatte ich das größte Übel von Allen dieser Aktion schließlich geschafft: der Terrarium-Koloss war abgebaut, seine Einzelteile mussten „nur noch schnell” in den Keller verräumt werden.

Zwischen zwei Gängen meinerseits passierte es schließlich: ich komm vom Keller zurück, um das nächste Teil zu schnappen, läuft mir mein Zwergenfell beutestolz-schwanzwedelnd über den Weg und hat – das leere! – Netz in der Schnauze!

Dass Schokolade für Hunde pures Gift ist, steht außer jeder Frage. Unbekannt sind lediglich der Zeitraum, wann Vergiftungserscheinungen auftreten, wie heftig diese ausfallen und wie schnell sie unter Umständen den Tod bringen!? Weitere Fremdkörper, in unserem Fall die Alu-Folie, können je nach Größe und Menge zudem zu einem Darmverschluss führen.

Wie informiert, trainiert, belesen und gelehrt man auch sein mag: in so einem Moment kann Alles „vergessen“ sein, zumindest ging es mir so. Ich stellte mein Fell in den Senkel (Übersetzung für Nicht-Süddeutsche: ich maßregelte es) und konnte mich ums Verrecken nicht mehr an die typischen Anzeichen einer Vergiftung erinnern; um extra in einem Buch zu blättern, erschien mir die Zeit zu kostbar.

Man kann im Alltag noch so „abgeklärt“ sein und „über allen Dingen stehen“, derartige Situationen können einen Ausnahmezustand darstellen, weshalb man sich am Besten Rat bei Außen stehenden holen sollte, die weder emotional involviert sind, noch involviert werden können, sondern garantiert einen sachlich-kühlen Kopf bewahren: Ich rief bei der Tierambulanz an und ließ mir – erneut – die Vergiftungssymptome von Schokolade (starkes Speicheln, Krämpfe, blasse Schleimhäute, Erbrechen, Kollaps) erklären.

Im Gespräch mit Bernd, stellte er mir weitere Fragen, um nicht nur mich emotional weiterhin „unten“ zu halten, sondern vor allem um die Situation so genau wie möglich einschätzen zu können:

– Wann ist es passiert?
– Welchen Kakaogehalt hatte die Schokolade?
– Welche Menge wurde in Etwa erwischt?
– Wie ist die körperliche, gesundheitliche Konstitution des Hundes?
– Wie verhält sich der Hund aktuell?


In Abhängigkeit von vergangener Zeit, Kakaogehalt, erwischter Menge, Allgemeinzustand sowie aktuelles Verhalten des Hundes, lässt sich (Pi mal Daumen, geteilt durch Auge) der akute Handlungsbedarf abschätzen.

Wir hatten Glück: ich konnte zwar keine Angaben vom Kakaogehalt machen und die Menge nur bedingt benennen, aber es waren maximalst zehn Minuten vergangen und das futtergeile Fell stand wie eine Eins in meiner Nähe.

Hat ein Hund (oder eine Katze) etwas nicht für ihn bestimmtes erwischt, gilt es, ihn umgehend zum Erbrechen zu bringen!

ABER VORSICHT: Dies gilt nicht immer! Hat der Hund (oder die Katze) säurehaltiges Gift aufgenommen, läuft man beim „Zurück holen“ in die nächste Gefahr: die Speiseröhre könnte verätzt werden.

Bernd riet mir, sofort einen Tierarzt aufzusuchen und den Hund per Injektion zum Erbrechen zu bringen, was ich auch gleich nach dem Auflegen tun wollte.

In der Klinik angekommen, wollte / musste der Tierarzt Pandas Gewicht ganz genau wissen, um die richtige Dosis Brechmittel aufzuziehen. Vorab wurde der Zwerg geröntgt, doch es waren keinerlei Fremdkörper zu sehen.

In der Regel reagieren Hunde fünf bis zehn Minuten, nachdem ihnen die Spritze verabreicht wurde. … Nicht so Panda! Seinem Übergewicht und somit den zusätzlichen „Schichten“, durch die sich das Mittel erst mal seinen Weg bahnen musste, schrieben wir weitere 10 Minuten zu. … – Nichts!

Obwohl mein Fell zuhause überall und zu jeder Zeit kotzen darf, wenn ihm danach ist (ich mache weder währenddessen, noch hinterher beim Entfernen einen Staatsakt daraus), verließ ich das Behandlungszimmer für eine kleine Ewigkeit – evtl. gehörte Panda zu der Sorte Hund, die sich in unmittelbarer Anwesenheit ihres Menschen nicht übergaben. – Nichts!

Hin und wieder schmatzte er, die Augen waren glasig, die Mimik sprach zeitweise Bände … Nichts brachte etwas: Kein Laufen durch die Klinik und Draußen, kein Massieren möglichst nah am Magen, kein Finger, der in seinen Rachen gesteckt wurde, um wie bei uns Menschen den Würgereflex auszulösen. … Rein gar Nichts!

ACHTUNG bei der Fingermethode: Man muss Kopf und Körper des Hundes ziemlich gut im Griff haben und so weit hinten wie irgendmöglich am Maul in den Rachenraum gehen. Als Erstes wird der Kaureflex ausgelöst und man kann im Grunde genommen nur hoffen, dass der Hund genug Beißhemmung (s)einem Menschen gegenüber hat, damit der Finger diese Aktion überlebt und man nicht von einer zur nächsten Klinik muss!

Völlig blind muss man dann hinten im Rachen „rum drücken“ und sobald sich der Würgereflex einstellt, den Finger raus nehmen! Im Optimalfall – den wir leider nicht hatten – reicht ein Versuch, denn eine sofortige 2. Chance gibt der Hund einem nicht! So ein „total blödes Spiel“ macht selbst der beste Kanide, noch dazu in kurzen Abständen, nicht mit.

Nachdem wir wirklich alle Eventualitäten in Betracht gezogen hatten, waren der Arzt, seine Assistentin und ich mit unserem Latein am Ende. – Es kommt äußerst selten vor, dass Hunde nicht auf das Brechmittel reagieren oder gar resistent gegen dessen Wirkstoff sind. Mein Zwergenscheißer ist allerdings so ein Modell und ich weiß nicht, ob mich darüber freuen soll – „wie hart er doch im Nehmen ist!…“ – oder ihn verfluchen.

Nachdem sich fast eine Stunde später immer noch nicht das Geringste getan hatte, – Was der Zwerg hat, das hat er! *galgenhumor* – verließen wir die Klinik mit der Empfehlung von Gabe von Aktivkohle (bis 24 Stunden später am Folgetag, alle 6 bis max. 8 Stunden).

Aktivkohle bindet die Giftsubstanzen und bildet auf diese Weise eine Art Schutzmantel, wodurch das zu einer Art Paste gebundene Gift dann mit dem Kot ausgeschieden wird, ohne Magen und Darm weiter schädlich werden zu können. – Pro Gabe beträgt die Dosis 1g Aktivkohle je 1kg Gewicht des Hundes.

Aktivkohle hatte ich zuletzt während meiner Katzenzeit im Haus, um etwaigen Durchfällen entgegen zu wirken, sodass ich – abermals – von Glück sprechen kann, dass mir eine Freundin damit aushelfen konnte. Sie gab mir zudem den Tipp, Sauerkraut zu füttern, um die Verdauung anzuregen.

Erlebnisgemäß ist Aktivkohle demnach ein Multi-Helfer, der in keiner Haus(tier)apotheke fehlen sollte und auch bei uns, wird dieses Manko schnellstmöglich beseitigt!

Zuhause angekommen, mörserte ich erst mal die Kohletabletten, löste (annähernd) 10g Pulver in Wasser auf und verabreichte sie dem Zwergenfell per Spritze ins Maul. – Selbstverständlich, liebe „Super-Schlaumeiers“: ohne Nadel!

Nach einer kleinen Weile öffnete ich eine Tüte Sauerkraut, setzte mich zum Fell auf den Boden und wir begannen, uns das Kraut „zu teilen“. – Bis dahin weder benötigt, noch aus einer Laune heraus probiert, ob es Akzeptanz findet: auch Sauerkraut stand auf Pandas Speiseplan und wäre es allein nach ihm gegangen, hätte die ganze Tüte ihm gehört! *ich werd’ noch irre mit dem Teil!*

Deutlich entspannter als zwei Stunden zuvor, nahm ich ein paar letzte, kleine Räumarbeiten wieder auf, immer mit einem Augen auf den Schokoladendieb…

Die Nacht verlief ohne jedes Vorkommnis, morgens wurde ich in typischer Hundemanier „wach gealbert“ und selten freute ich mich so über einen Hundehaufen, wie über den Ersten des neuen Tages: die Alufolie kam Stückchenweise mit zum Vorschein und auch später, bevor wir zur Kontrolle noch mal in der Klinik waren, setzte der Zwerg weitere, „weihnachtlich geschmückte“ Würste ab!

Vielleicht ist Panda wirklich nur „hart im Nehmen“, weil er von der Straße kommt? Vielleicht hat uns die kurze Zeitspanne, von Entdeckung seiner Tat bis zum Eintreffen in der Klinik, zugespielt? Vielleicht war die Schokoladenmenge doch nicht mehr so viel, wie ich dachte?

Neben vielen Vielleichts, gibt es doch zwei Sicherheiten:

1) Das Schlimmstmögliche, Pandas evtl. qualvolles Sterben aufgrund meiner menschlichen Unachtsamkeit, konnte verhindert werden.

2) Man kann noch so umsichtig und über Jahre hin bedacht sein, unter Umständen wird man von Anderen sogar belächelt oder für überdreht erklärt, weil man Einiges / Vieles „zu ernst“ nimmt, „zu konzentriert ist“, doch ein einziger, kurzer Augenblick an irgendwas nicht mehr gedacht und schon ist es passiert!

Warum habe ich die Schokokugeln nicht gleich von einer Schrankhöhe zur Anderen, sondern stattdessen „mal eben schnell“ auf den Boden gestellt? Keine Ahnung! Unbedacht, unbedarft.

Deshalb: Liebe Leute, völlig egal wie lange ihr schon Hunde habt, wie viele ihr schon euer Eigen nennen durftet, was ihr schon Alles mit ihnen erlebt habt oder auch nicht … Seid euch weder in der eigenen Person, noch im Individuum eures Hundes zu sicher!!

*in diesem Sinn*
eure Sandra

Interessanter Weblink: Giftpflanzen für Tiere.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.