Silvesterstress minimieren

Wer mich lange und sehr gut kennt, schüttelt nur noch grinsend den Kopf, wenn es auf Silvester zu geht, weil man weiß, dass ich mir anvertraute “Viecher” im Grunde genommen bestmöglich artgerecht halte und Vermenschlichung das Letzte ist, was ich ihnen (und mir) antun würde. Für den Rest bin ich schlechtweg “nicht normal”. … Und das ist auch gut so!

Um Tieren den Stress durch die Silvesterknallerei möglichst zu mindern, kam ich vor vielen Jahren auf die Idee, mein Silvesterritual dann nicht nur für mich zu zelebrieren, sondern die Felle (anfangs Katzen, später inkl. Gino) mit einzubeziehen und ihnen mit besonders leckerem Extraessen den Lärm von Raketen und Chinaböllern annähernd erträglich zu machen: “mein” Fleischfondue mit Gemüsebrühe gab es für Alle!

An Silvester sind bei uns grundsätzlich sämtliche Regeln und Grenzen außer Kraft gesetzt: die “Viecher” “sitzen” mit am Tisch und bekommen von dort auch – was für sie verträglich ist.

Oder man sitzt bzw. liegt gemeinsam (mit dem Essen!) auf dem Boden, am Hunde- oder Katzenplatz. Das kann man völlig frei Schnauze, Lust und Laune handhaben; Hauptsache es bleibt für die Nasen und einen selbst entspannt und positiv spannend zugleich.

Das normale Futter kann als minimierte Portion über den Tag verteilt zwischendurch geben oder zumindest soviel, wie man vorab für etwaige Medikamentengaben benötigt. Kein Tier wird plötzlich sterben, wenn auch die üblichen Futterzeiten mal abweichen.

Seit ich wieder Tierhalter bin, verbrachte ich jedes Silvester in gemütlicher Atmosphäre zu Hause: entweder lud ich Freunde dazu ein oder blieb allein mit den Pfoten. – Nicht nur, weil mir Tiere vor allem dann ohne jede Diskussion vorgehen, bleibe ich gerne im “eigenen Revier”… ;o)

Je ruhiger und entspannter man selbst diesen Abend gestaltet, desto relaxter werden bzw. bleiben auch die Fellnasen.

Sowie ich mit den Vorbereitungen für das Fondue anfange, gibt’s Schlemmen im Akkord. Ich glaube, zumindest Gino wußte spätestens dann, was für ein Tag ist.

Für mich tische ich richtig dick auf (Salate, Dips, gefüllte Eier etc.: Alles mir!) und für die Felle gibt es lediglich Fleischstücke – je näher die Knallerzeit kommt, desto häufiger.

Von dem her empfiehlt es sich, mit dem Fondue relativ spät (ca. 20h) anzufangen, es gaaaanz gemütlich durchzuziehen und fertige Portionen nicht nur zu verfüttern, sondern “für später…” beiseite zu legen.

Als Panda bei uns einzog, sich der empfindliche Magen heraus gestellt hatte, besorgte ich eigens für ihn eine Entenkeule, welche ich vorab einfach nur in Wasser kochte und ihm dann stückchenweise zu fressen gab. Gino aß “bei mir” mit. 

Leider denken viel zu wenig Katzen- und Hundehalter daran, dass Silvester immer großen Stress für die eigentlich ach so geliebten Tierchen bedeutet und vor lauter (Vor)Weihnachtsstress sowie anschließendem Jahreswechselprogramm vergisst man schnell, auch rechtzeitige Vorbereitungen für seine Tiere zu treffen.

Für die Party bzw. Kinder kann man dagegen Einkaufswagenweise die Kracher nach Hause schieben…

Besonders ärgern mich scheinbar geistig unterbemittelte Menschen, die schon Stunden vor dem Jahreswechsel mit dem (eigentlich unnützen) Geknalle anfangen müssen bzw. lassen und somit vor allem uns Hundehaltern das Leben schwer machen, die letzte Gassirunde des alten Jahres gehen zu können.

Die, die sogar selbst Tierhalter sind, sich gerne als „Tierfreunde“ ausgeben, spätestens aber an Silvester völlig kopflos die Sau raus lassen, sind mir die Liebsten…

Nicht wenig Hunde und Katzen erleiden an Silvester ihr Lebenstrauma und verändern sich teilweise derart schwerwiegend, dass sie kurze Zeit darauf eingeschläfert werden müssen. Vermutlich trifft es auch viele andere Haustierarten, um die sich kein großer Kopf gemacht wird.

Wer nicht so auffahren möchte wie ich es seit Jahren handhabe, sollte sich – spätestens Ende Sommer! – mit Feliway für Katzen oder D.A.P. für Hunde (beim Tierarzt erhältlich) rüsten, damit diese Pheromonprodukte bis Ende Jahr ihre volle Wirkung erreichen.

Eine weitere Alternative (womit ich in anderen Bereichen schon sehr gute und somit empfehlenswerte Erfahrung machen konnte) bietet sich mit Bachblüten.

Aber auch damit sollte Mensch schon einige Monate vorher anfangen, um bis zum Jahreswechsel annähernd auf die sichere Seite zu kommen.

„Schneller“ wirksam als Bach-Blüten bieten sich die Globuli Belladonna, Borax und Phosphorus behelfen, in D oder C 12 oder 30 an. Mindestens vier Wochen sollten bis Silvester noch Zeit sein.

In den ersten drei Wochen gibt man jeden Tag 3x täglich (abhängig vom Nervenkostüm des Tieres) 3 bis 5 Globuli einer Sorte. – Die Reihenfolge ist völlig egal, die drei genannten Globulisorten sind die Angst-Nehmer unter den Kügelchen.

Sprich z.B.:
Montag morgens, mittags, abends – Borax,
Dienstag morgens, mittags, abends – Belladonna,
Mittwoch morgens, mittags, abends – Phosphorus,
Donnerstag morgens, mittags, abends – Borax,
Freitag morgens, mittags, abends – Belladonna,
Samstag morgens, mittags, abends – Phosphorus,
Sonntag morgens, mittags, abends – Borax usw.

Nach Weihnachten bis mindestens Neujahr, dann jeden Tag abwechselnd alle drei Sorten, ebenfalls 3 – 5 Kügelchen. Nach Neujahr kann man die Gabe den örtlichen Gegebenheiten anpassen oder einstellen. Es wird immer ein paar Spinner geben, denen es weder früh, noch lang genug mit der hirnlosen Knallerei gehen kann.

Sprich z.B.:
Morgens – Borax,
Mittags – Belladonna,
Abends – Phosphorus, usw.

Auch hierbei ist kein Staatsakt zu machen oder lang und breit dem Tier erklären zu wollen, warum wieso weshalb. Einfach machen und gut sein lassen.

Wem aufgrund einer (echten) Notaufnahme eines Tieres nicht so viel Zeit zur Verfügung steht, kann / sollte Phase Eins überspringen und gleich mit Phase Zwei beginnen. Die Wirkung von Globuli setzt in der Regel schneller ein, als die von Bach-Blüten; auch die der Rescue-Mischung.

Von so genannten Leck Arsch-Tabletten ist (nicht nur meiner Ansicht nach) abzuraten, da sie unter Anderem den Darm schwer schädigen und Blutungen verursachen können. Sie wirken auch nur an dem Abend, an dem man sie dem Tier gibt. – Wenn es grundsätzlich wegen der Knallerei Angst hat, ist ihm damit zwischen Verkaufstart der Böller bis fast Mitte Januar überhaupt nicht geholfen.

Wer sich die Zeit nehmen und „Mühe“ machen möchte, kann seinem Tier auch mit bestimmten Griffen des TTouch nach Linda Tellington-Jones (sanfter, konstanter Druck am Rumpf) den Streß vertreiben ODER man greift zu einem so genannten Beruhigungsbody, bspw. von Thundershirt.

Meine “Manipulation” mit dem Fleischfondue wirkte meist nur bedingt: während Gino zu Silvester einer der wenigsten relaxten Hunde auf der Welt sein dürfte, Sam sich 2011 auf 2012 auch sehr gut gehalten hatte, bereitete Panda (trotz Futter!) die Knallerei immer Probleme, die erst mit der oben beschriebenen Globuli-Methode in den Griff zu kriegen waren.

In Stressmomenten ist es dann sehr wichtig dem Fell einen Zufluchtsort zu ermöglichen: man selbst, der Platz in einer einigermaßen ruhigen Ecke oder eine Höhle. Auf keinen Fall sollte man panisches Verhalten kommentieren, versuchen zu beruhigen oder trösten.

Jede Art von menschlicher Aufmerksamkeit verstehen Hunde prinzipiell als Bestätigung und man läuft Gefahr, dass sich genau das eigentlich unerwünschte Verhalten verfestigt und sich auch auf andere Gegebenheiten überträgt. – Da sich diese Verbindung die wenigsten Hundehalter im Hinterkopf behalten, braucht man sich allgemein nicht wundern, dass man überall und immer wieder auf „gestörte“ Hunde treffen kann.

Sucht der Hund während der Knallerei Schutz bei seinem Menschen, lässt man ihn einfach machen.

Gleiches gilt bspw. auch beim Tierarzt: einem zitternden Hund sollte man auf jeden Fall als Ruhepol zur Verfügung stehen, ihn aber nicht ausschweifend mit Worten oder Gestik beachten. 

*in diesem Sinn*
eure Sandra

 

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