(Brust)Krebs-Randnotizen

So lax es auch klingt: Krebs ist der neue Schnupfen.

Von der leicht laufenden Nase bis hin zur lebensbedrohlichen Influenza bietet auch Krebs jede Menge Varianten, sodass kein Krebspatient mit einem anderen 1:1 verglichen, geschweige denn gleich gestellt werden kann. Und: Wir werden immer mehr.

Die Therapien gegen das jeweilige Arschloch mögen sich oberflächlich betrachtet ähneln oder gleichen und doch ist kein Krebs(patient) wie der Andere zu bewerten.

Die Einzigen, zu denen sich das scheinbar niemals herum sprechen wird, sind die, die zwar viele Krebsbetroffene, deren Therapien und deren Verläufe über wie viele Ecken auch immer „kennen“, im Grunde genommen aufgrund fehlender Eigenerfahrung aber eigentlich gar keinen Plan haben. Das sind mir persönlich die „Allerliebsten“… Das sind die, die Einem am meisten (Lebens)Zeit fressen und denen ich dann doch schon in gewisser Weise irgendeinen Krebs wohin auch immer wünsche, damit sie all ihr „Wissen“ an sich selbst ausleben können. – Und dann mal sehen, wie weit oder treffend der ein und andere „ultimative Tipp für Jedermann“ ankommt…

Unschwer zu erkennen, bin ich nicht ganz so nett und durch die Blume, wie es sich angeblich gehört, um als gesellschaftlich korrekt zu gelten. – Als was??

Ein Mensch, mit (leichtem) Hang zum Pragmatismus, Neugier in Bezug auf Anatomie, Medizin, Wissenschaft und Technik, tut sich bei der Diagnose: Sie haben xy Krebs. höchstwahrscheinlich leichter, die Ruhe zu bewahren, um sich mit einem verhältnismäßig kühlen Kopf, kontrollierten Nerven damit und den kommenden Monaten – im schlechtesten Fall vielleicht Jahre – auseinander zu setzen.

Zuverlässige Informationsquellen sowie verlässliche, helfende, > wohltuende < Gesprächspartner zu finden, kann ein aufreibendes Unterfangen werden, weshalb man vorallem hier sehr kritisch sein sollte und allem voran die „gut gemeinten“ Empfehlungen von Hobbyonkologen gleich zu Anfang abzuweisen.

Leider ist es ja so, dass so mancher Krebs nicht weiß bzw. einsehen will, wann er aufzuhören hat, einem das Leben schwer zu machen oder gar die ganze Zukunft ordentlich zu versauen. Dass entsprechend Betroffene (sofern sie – noch – nicht aufgeben wollen) nur allzu gerne nach jedem erdenklich greifbaren Strohhalm greifen, auch wenn er sich noch so grotesk darstellt, ist ein Stück weit verständlich.

Jedem möglichen „besserem“ oder „anderem“ oder „bewährterem“ Furz zur Krebsbekämpfung hinter her zu hetzen, weil immer wieder Jemand auf der Bildfläche erscheint, der von einem Mann / einer Frau weiß … die / der weiß es wieder von … der / die es von … hat … nachläuft, verliert unter Umständen den Blick fürs Wesentliche und kann neben dem Leben vorallem wertvolle Zeit, Kraft und Substanz verlieren.

Deshalb: Haltet Euch von den vielen Schlauen fern, die es nur gut meinen, ob es ihnen passt oder nicht. Es geht um EURE Lebenszeit, um EURE Gesundheit, um EUREN Krebs!

*in diesem Sinn*

Wer als Krebspatient während des Therapiemarathons in guten Phasen möglichst autark leben, unterwegs sein und sich lästige Diskussion „gut gemeinter“ Ratschläge aus dem näheren Umfeld ersparen möchte, dem empfehle ich – primär zur Schonung der eigenen Nerven, die kommenden Monate werden noch durchschleudernd genug … -folgenden Kompromiss:

Als Besitzer eines Smart- / I-Phones sollte man mit Beginn der ersten Chemo die GPS-Funktion an seinem Telefon aktivieren, um im Notfall von Privat über so genannte GPS-Tracker oder von der Polizei durch deren Möglichkeiten geortet und gefunden werden zu können.

Menschen, die mit mir nahezu täglich in Kontakt standen und in (relativ) unmittelbarer Nähe wohnten, erhielten von mir je nach Tagesverfassung auch mal die Information, dass, warum, wohin und wie lange ich voraussichtlich unterwegs bin. Stellenweise konnte man die Uhr danach stellen: meldete ich mich nicht zeitnah zurück, dass ich wieder gut erhalten zuhause angekommen war, erhielt ich ehrlich besorgte Nachfragen.

Allein das Wissen, im Notfall nicht ganz verloren gehen zu können – vorallem wenn man es sich entsprechend seiner eigenen körperlichen Konstitution nicht nehmen lassen möchte, bspw. mit Kaniden und / oder Equiden Waldspaziergänge zu machen – war für mich ein großer Pluspunkt, wenn auch eingeschränkt weiter am Leben teilhaben zu können und sich nicht zum Höhlenmensch zurück entwickeln zu müssen.

Wer meint, mit dieser Form / Möglichkeit der „Überwachung“ ein „Problem“ zu haben, dem sei gesagt: Datenschutz, Privatsphäre sowie persönliche Freiheit werden in Deutschland vieles, doch sicher weder großgeschrieben, noch besonders geschützt, geschweige denn – Grundgesetz hin, Grundgesetz her – prinzipiell garantiert.

Wenn man sich über diese GPS-Technik helfen (lassen) kann, warum also nicht?!

*in diesem Sinn*

Wer (wie ich und einige Tausend Andere) als Krebspatient vom fiskal-„sozial“-politischem System in Deutschland nach der aufkommenden Bedürftigkeit schließlich in die Armut getrieben wird, lernt unter Umständen neue Möglichkeiten kennen, seinen Lebensstandard in Sachen Nahrung und Kleidung knapp über Sparflamme zu heben.

Auch auf die Gefahr hin, dass es uns, die wir schon länger in Deutschland leben (…) über kurz oder lang ebenfalls genommen / erschwert wird, möchte ich Euch einerseits auf die karitativen Secondhandläden und auf privat organisierte Foodsharinggruppen in einigen Städten hinweisen, wodurch man sich in der Regel kostenlos den Tisch ein bißchen mehr decken und nicht nur schöne, sondern auch qualitative Bekleidung für kleines Geld finden kann.

Als es für mich soweit war, dass das zur Verfügung stehende Geld zwar für all die ach so notwendigen Verbindlichkeiten (Miete, Strom, Versicherungen etc.) gerade so reichte, nachdem alles sonst nach geltender Gesetzeslage „angerechnet“ und weg genommen werden musste (…) erfuhr ich von einer Freundin von der Foodsharinggruppe in Radolfzell und „traute“ mich zusätzlich in Die Kleiderstange, dem Secondhandladen des DRKs.

Wie sich herausstellte: beide Einrichtungen können von Jedem in Anspruch genommen werden, egal ob man sich gerade in der Bedürftigkeit made in Germany befindet oder aus anderen Gründen sparen möchte / muss.

Organisierte Foodsharinggruppen holen im Lauf bestimmter Vor-Mittage übrig gebliebene Lebensmittel von Wochenmärkten, Supermärkten sowie überzählige Ernte verschiedenster Früchte direkt von den Feldern ab und verteilen sie über so genannte, festgesetzte Fairteiler-Punkte an finanziell Geschwächte.

Nach Absprache kann man zu viel gekaufte Nahrung und Co. auch als Privatmensch dazu stellen.

Die überwiegend freiwilligen Helfer von Foodsharinggruppen können zudem mit Geldspenden unterstützt werden, um bei Bedarf bspw. mal einen oder mehrere Reifen der privaten Autos (mit denen alles zusammen geholt wird) zu ersetzen oder für sonstige handwerkliche Belange, z.B.: um den Schrank eines Fairteilers zu reparieren oder ersetzen usw.

Was mich im Rotkreuzladen beeindruckte – ich war bislang ja nie in einer, ich nenne es jetzt einfach mal karitativen Kleiderkammer –, war die angenehme Atmosphäre in dem Laden, die Vielfalt der Bekleidung, der Hersteller, der Topzustand der Klamotten und last but not least die kleinen Preise.

Ich war nie ein Markenfreak und werde es auch nie sein; ich brauche Nichts und Niemanden, um mich darzustellen… Ich bin eine Marke.

Nichts desto trotz: karitative Secondhandläden haben nicht nur die oben genannten Vorteile, sondern natürlich wird dadurch auch auf einfache, erschwingliche Weise Nachhaltigkeit praktiziert. – Wiederverwertung durch Weiterverwendung.

Private Secondhandläden, die wirklich auf Umsatz aus sind / sein müssen sowie die ganzen Ankaufportale im Internet mögen ihre Existenzberechtigung haben, doch so nachhaltig, sozial motiviert und gemeinnützig eingestellt wie diese vorgeben zu sein, sind sie sicher nicht; womit man für sich vielleicht die ein und andere Antwort darauf hat, wem man Kleidung zukommen lassen sollte, die man zwar selbst nicht mehr sehen kann, die unter Umständen auch von keiner „Supermarke“, doch zum Wegwerfen einfach noch viel zu schade ist.

*in diesem Sinn*

Mein „Freund“, der Chemoport…

Der Aufklärungsbogen für mich beginnt mit: Liebe Sandra Zeller, Ihre Behandlung erfordert die operative Einpflanzung eines zentralvenösen Katheders. […]

Wonach die Ärzte bestimmen, welcher Krebspatient für seine anstehende Chemotherapie einen ZVK-Port braucht oder nicht: keine Ahnung; interessiert mich auch nicht.

Fakt ist: ich habe Einen und wir sind selbst ein Jahr nach Einsetzen immer noch nicht die besten Freunde; ich habe mich mit ihm arrangiert.

Wohl nicht zuletzt deshalb, weil ich nun weiß, wie er in Natura aussieht und, dass das was ich an Portkörper sowie Schlauch fühlen kann nicht nur seine Richtigkeit hat, sondern auch alles reibungslos liegt und funktioniert.

Ich habe mich während der Chemozeit immer wieder gefragt, wie die Mädels von der Praxis so treffsicher die Huber-Nadel (Bild folgt) in die Membran des Ports gesetzt bekommen? Zu keiner Zeit konnte ich auch nur den kleinsten Unterschied zwischen Membran und Portkörper erfühlen. Wovor ich nämlich etwas Schiss hatte, war die Möglichkeit, dass das Anstechen mal schief ging und die Chemosuppe neben dem Port ins Gewebe lief, was irreparable Schäden mit sich gebracht hätte.

Der abgebildete Chemoport ist baugleich mit meinem. Damit dieser weder wegkippen, noch auf Wanderschaft gehen kann, wurde er über eins der drei Löcher mit nicht auflösbarem Faden an einen Muskel genäht. Von dem fast 30cm langen Schlauch, der oberhalb der Brust verlaufend in die obere Hohlvene gesteckt wurde, sind ca. 2cm ab Port spürbar.

Sofern es zu keinen Komplikationen im Lauf des „Zusammenlebens“ kommt, kann mit dem Port Alles gemacht werden, was unter Umständen eine körperliche Belastung mit sich bringt: Rad fahren, Schwimmen, Wandern, Sport usw.

Es ist natürlich nur eine Empfehlung, den Port nach Abschluss der Chemotherapie noch mindestens zwei Jahre drin zu lassen – was, wenn der Krebs „erst“ nach drei Jahren wieder kommt?…

Da bin ich als Bayer jetzt einfach mal ganz Schwabe: Was mer hän, des hän mer un‘ mir gäbet nix (wieder her)! ;-))

*in diesem Sinn*

In der Reha wurde uns empfohlen, Zuhause eine Selbsthilfegruppe auch dann zu besuchen, wenn wir selbst keinen Bedarf daran sehen würden, um deren Wert in gesellschaftlicher wie auch politischer Sicht mit zu stärken.

Eigentlich hatte ich darauf ja wirklich sowas von keinen Bock – siehe auch den und anderen Eintrag zum Thema -, doch mit der Aussicht auf Unterstützung meines politischen Engagements zugunsten anderer, zukünftiger Brustkrebspatient*Innen ließ ich mich darauf ein: die Selbsthilfegruppe Bodensee, organisiert von mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V., trifft sich jeden letzten Freitag eines Monats im Klinikum Singen.

Wirklich erwartet hatte ich zwar nichts, doch als zum offiziellen Beginn lediglich die Regionalgruppenleiterin Gertrud und ich da saßen, glaubte ich mich schon im falschen Film. – Schönes Wetter, freiwillige Teilnahme, offenes Angebot hin oder her: schwache Leistung, Mädels!

Im nun persönlichen Gespräch mit Gertrud, die natürlich meine Ambition hier anwesend zu sein erfahren wollte, erklärte ich ihr mein sozialpolitisch orientiertes Bestreben aufgrund meiner Erfahrungen der zurückliegenden Monate, woraufhin ich eine zwar nette, doch sitzende „Klatsche“ erfuhr: Der Fokus von mamazone e.V. läge mehr in der medizinischen Aufklärungsarbeit, denn in der (sozial)politischen Motivation.

Nach Ansicht von mamazone e.V. sei es für die Genesung der Patienten wichtiger, über die Krankheit aufgeklärt zu sein und eine Anlaufstelle für die dunklen Momente zu haben, als finanziell auf festen Füßen zu stehen. Bitte?

Also ich für meinen Teil und dem Anderer, mit denen ich im Lauf der Zeit ins Gespräch gekommen war: eine Therapiestrecke wie bspw. die gegen (Brust)Krebs, lässt sich ohne finanzielle Sorgen um einiges „gelassener“ durchstehen, als wenn man zusätzlich zur Krankheit, den damit einhergehenden gesundheitlichen, psychischen und mentalen Veränderungen auch noch Existenzängsten made in Germany ausgesetzt ist.

Ok, ich verstehe: gegen das „heiße Eisen“ Altparteienpolitik und Lobbyismus in Deutschland geht augenscheinlich auch einem großem, bedeutendem Verein wie mamazone e.V. der Stift … Na, super!

Bis auf die Tatsache, dass trippelnegative Brustkrebspatienten im Grunde genommen nur die ersten fünf Jahre nach Therapieende „clean“ bleiben müssen, um als wirklich geheilt zu gelten, erzählte mir Gertrud sonst nichts wirklich Neues. Etwa eine halbe Stunde später gesellte sich eine weitere Betroffene zu uns, der eine SHG wirklich gut tat und sie mehr als gebrauchen konnte.

Wäre die Gruppe an diesem Tag größer ausgefallen, hätte Gertrud diverse Infoblätter ausgeteilt, was in einem derart kleinen Kreis (wie dem unseren an diesem Tag) allerdings wenig Sinn machen würde. Ich bat um Zusendung der Informationen per Mail, worauf ich bis heute (20.6.) warte…

Da meine Parkzeit nach zwei Stunden ablief, ich nicht wirklich viel Input erhalten habe, geschweige denn politisches Engagement erwarten konnte, verabschiedete ich mich.

Neugierhalber nahm ich mir eigentlich vor, Ende Mai erneut zur Gruppe zu gehen, vergaß es dann allerdings und das wird dann schon was zu bedeuten haben.

Für mich persönlich ist die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe zum Thema Brustkrebs verschwendete Zeit. Was ich medizinisch wirklich wissen muss, sagen mir die Ärzte. Was mich sonst wie zum Thema interessiert, lässt sich vielseitig nachlesen. Und wofür es nun mal Nichts gibt, muss man eben selbst aktiv werden, sein und bleiben.

Eine weitere Empfehlung, genauer gesagt ein wertvoller Tipp, den ich von der Sozialdienstmitarbeiterin in der Reha erhielt, war der Hinweis auf den Härtefonds der Deutschen Krebshilfe e.V., gegründet von Dr. Mildred Scheel, circa zwei Monate vor meiner Geburt.

Ziel des Härtefonds ist es, unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten geratene Krebspatienten mit einer einmaligen Zuwendung (verhältnismäßig unbürokratisch) kurzfristig zu helfen.

Da die Deutsche Krebshilfe ein privater Verein ist, der trotz seiner über 40 jährigen Existenz sowie der bedeutenden Thematik ohne staatliche Zuschüsse leben und sich ausschließlich aus privaten Zuwendungen finanzieren muss (manch „Flüchtling“ bekommt schon kurz nach Ankunft in Germoney das Silbertablett vorgesetzt), erfolgen Härtefondsleistungen nur innerhalb Deutschlands an Privatmenschen.

Vom Sozialdienst der jeweiligen medizinischen Einrichtung (Krankenhaus, Brustkrebszentrum, Rehaklinik) kann man sich einen Antrag auf einmalige Unterstützung aus dem Härtefonds der Deutschen Krebshilfe e.V. aushändigen lassen. 

Diesen füllt man entsprechend aus, legt ihm etwaige Leistungsbescheide (Jobcenter), die Kopie des Therapieplans sowie die Zusammenfassung der Sozialaspekte aus dem Entlassungsbericht der Rehaklinik bei und ab geht die Post. Nach etwa sechs bis acht Wochen Bearbeitungszeit kommt eine letzte Bitte um Erledigung, womit der ehrlich notwendige Bedarf abschließend überprüft wird, weshalb ich an dieser Stelle hier nicht näher darauf eingehe.

Lange Rede, gar kein Sinn: ich war eine der Glücklichen und durfte mich über eine Zuwendung, in fast der Höhe des vom System abgezogenen Abfindungsbetrag meines ehemaligen Arbeitgebers freuen. Nach Antragstellung im März, erhielt ich diese im Mai ausbezahlt, als ich keine Leistungen mehr vom Jobcenter bezog / bekam.

Neugier- und Interessehalber, wandte ich mich an das Jobcenter und stellte die einfache Verständnisfrage: Wäre die Auszahlung der Härtefondszuwendung im Zeitraum erfolgt, in dem ich „Transferleistungen“ erhielt, wäre dieser Betrag dann AUCH § 11 SGB II: Zu berücksichtigendes Einkommen zum Opfer gefallen?

Nun, es kam zumindest schon mal kein, wie aus der Pistole geschossenes, klares Ja. Traurig, traurig und doch so bezeichnend, denn es kam auch kein klares Nein. – Im Grund genommen kam nichts Verwertbares außer: *ömm*, *uff*, *weiß nicht, muss ich nachfragen*, *das hatten wir jetzt noch nie* usw. usf.

Nachdem sich so ein System-Handlanger schlau gemacht hatte, erhielt ich einen Rückruf: zu einem derartigen „Sachverhalt“ existiere keine eindeutige Vorgabe, sodass der Verbleib (oder die Anrechnung) einer solchen Zuwendung während des Leistungsbezuges nach der „Sozial“gesetzgebung einer entsprechenden Einzelfallentscheidung bedürfe. – Ah ja.

Nun, was man sich jetzt hierzu wieder denken kann, überlasse ich an dieser Stelle jedem Einzelnen von Euch.

Bei meinem dritten Nachsorgetermin im Juli ’18 sprach ich mit meiner Frauenärztin über die latente Angst vor Eierstockkrebs und fragte, ob und welche Möglichkeiten es mittlerweile gäbe, diesem Arsch zuvor kommen zu können? Leider ist die Wissenschaft immer noch nicht soweit, Eierstockkrebs frühzeitig zu erkennen, sodass man eigentlich schon mal anfangen kann, seine Angelegenheiten zu regeln, wenn er zugeschlagen hat…

Auch wenn bei der humangenetischen Untersuchung keine 100%ige Aussage gemacht werden konnte, ob ich gefährdet bin oder nicht: allein das Risiko, mir auch diesen Krebs einfangen zu können, lässt sogar mich zeitweise nervös werden.

Meine Doc erklärte mir, dass eine Früherkennung zwar immer noch nicht möglich sei, es allerdings eine Vorbeugungsmaßnahme gäbe: wenn Eierstockkrebs meint, sich (auch) wichtig machen zu müssen, fanden die Wissenschaftler zumindest schon heraus, dass er dann seinen Ursprung in den Eileitern hat. Mit einer Entferung derselben sei das Risiko (auch) an Eierstockkrebs zu erkranken, um gute 60% zu senken!

Diese Aussicht musste man mir nicht zweimal sagen! Bei meinem kurz darauf folgenden, ersten Jahrescheck im Krankenhaus sprach ich den behandelnden Arzt darauf an. Er meinte, dass diese Maßnahme grundsätzlich möglich, aufgrund des [schwammigen] Ergebnisses der humangenetischen Untersuchung die Kostenfrage allerdings unklar sei.

Genau genommen ist so eine Eileiterentferung nämlich eine Art Erweiterung der Sterilisation, bei der die Eileiter lediglich durchtrennt werden, aber im Körper verbleiben. – Verständlich, dass Krankenkassen diese Maßnahme nicht leichtfertig finanzieren. Es kann ja nicht sein, dass sich die Damen und Herren der Schöpfung auf Kosten aller Mitglieder sterilisieren lassen, um schließlich ungehemmt in der Weltgeschichte rum zu poppen.

Nun, ich bin keine Zwanzig oder Dreißig mehr; habe mir die Hörner schon lange abgestoßen, genieße seit mehr als einem Jahrezehnt ein geordnetes Singleleben, zu dessen Aufgabe mir jegliche Ambition fehlt und von dem Verlangen, mir ein Kind an die Hacken häkeln zu lassen bin ich weiter als ein Lichtjahr entfernt, also: weg damit, das tödlich enden könnte!

Es mag zwar jedem seine eigene Entscheidung sein, doch ich kann und werde nie Frauen (und Männer) verstehen, die sich in vergleichbaren Situationen befinden und entsprechende Maßnahmen ablehnen, weil sie sich dann nicht mehr als „richtige“ Frau, respektive „richtiger“ Mann fühlen würden und stattdessen lieber den richtigen Tod – mit Ansage und Anlauf – in Kauf nehmen.

Auf Nachfrage bei meiner Krankenkasse hieß es, ich müsste einen formlosen Antrag auf Kostenübernahme stellen, den Befund der humangenetischen Untersuchung sowie mindestens ein ärztliches Attest von einem meiner behandelnden Ärzte beilegen, aus dem hervorgeht, dass auch ärztlicherseits zu dieser Maßnahme geraten wird. – Gesagt, getan … erreicht!

Knapp drei Wochen nach Antragstellung erhielt ich von einer Barmer Mitarbeiterin einen Anruf: sie benötigte noch die Angabe der Klinik, in der ich die OP machen lassen wollen würde und verriet mir zum Abschied schon mal mündlich, dass meinem Antrag auf Kostenübernahme statt gegeben wird. * M E G A F R E U *

Eine Salpingektomie ist keine große Sache: am Tag der OP morgens nüchtern ins Krankenhaus, unter einer kurzen Vollnarkose machen lassen, eine Nacht zur Kontrolle bleiben und am nächsten Tag wieder heim. Dieses Mal also nur sehr kleines Gepäck.

Um es nach Art des Hauses Sandra Zellers auf den Punkt zu bringen: die beidseits onkoprophylaktische Eileiterentfernung ist eine ernst zu nehmende Chance auf Lebensverlängerung to go.

Drei kleine Schnitte, die (wiedererlangte) Gesundheit erhalten und Leben retten können.

Nachtrag, 07.11.18: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Das jetzt wirklich letzte, garantiert beeinflussbare Kapitel meines Brustkrebses ist abgeschlossen: vorgestern wurden die Eileiter entfernt. Check-In zu eigentlich nachtschlafender Zeit, OP, Aufwachen, eine Kontrollnacht bleiben und wieder heim können, verliefen ohne Probleme.

Bei mir wurde die Laparoskopie angewandt, d.h.: in die Bauchdecke kommen drei Schnitte: am Bauchnabel für die CO2-Leitung, womit man – buchstäblich – aufgepumpt wird, damit das Team ordentlich arbeiten kann. Unterhalb und (bei mir) links davon je ein kleiner Schnitt für das Endoskop und die OP-Geräte. Nach etwa neun Tagen werden die Fäden gezogen.

Bei dieser OP bekam ich auch den ersten Blasenkatheder meines Lebens gelegt und … Meine Fresse, nein danke! Zum Glück war ich wieder recht schnell bei mir, konnte mich verständigen und machte der Ärztin wohl auch sonst einen guten Eindruck, sodass ich das Teil kurz nach der OP bereits wieder abgenommen bekam. *Schweiß von Stirn wisch*

Ich musste lange überlegen, wie man das Gefühl beschreiben kann, das ein Blasenkatheder suggeriert (ich kannte es, kam aber nicht darauf), erst meine Zimmernachbarin brachte Klarheit: es fühlt sich an, wie eine akute Blasenentzündung!

Bezüglich des CO2 sei gesagt: da es ein Gas ist, das der Körper auch selbst herstellt, baut es sich innerhalb weniger Tage über die Haut komplett ab. Das „Perverse“ bei der Sache: sitzt, steht oder geht man, weicht das Gas nach oben über die Schultern weg, wodurch man im Nacken-Schulter-Bereich einen andauernden Druckschmerz verspürt, vergleichbar mit i.d.R. bekannten Verspannungsschmerzen, nur etwas stärker und mit nach unten hohen Druck, als würde Jemand nachhelfen.

Liegt man auf der Seite, schmerzen die Flanken, als hätte man entweder einen Megamuskelkater oder eine Nierenentzündung. Die einzig annähernd angenehmen Positionen sind auf dem Rücken oder Bauch liegend (geht trotz der Fäden, wenn außer der Matratze sonst nichts drückt), da das Gas so eine große Fläche für seinen Abgang hat.

Meine Physiotherapeutin konnte es mir sehr gut und verständlich erklären: bei einer Laparoskopie wird man von oben mit Sauerstoff versorgt, während unten das CO2 einströmt – diese Gase stehen nun gegeneinander und jedes will am anderen vorbei; dazwischen ist das Bauch-/Zwerchfell. Das Bauch-/Zwerchfell ist wiederum mit einem Nerv verbunden, der seitlich am Hals liegt und seine schlechte Laune in den Nacken- sowie Schulterbereich ausstrahlt.

Die Fäden zwicken und zwacken natürlich etwas, ein Sonntagsspaziergang sieht anders aus, doch im Vergleich zur letztjährigen Krebstherapiestrecke, ist das jetzt wirklich nur noch Firlefanz. Wenn es nach mir, meiner Familie und meinen Freunden geht, darf mit dieser Aktion im aktiven Kampf gegen Krebs jetzt echt das – erfolgreiche – Ende erreicht und mein Merkel in seine Schranken verwiesen sein.

Einen interessanten Artikel zum Thema findet Ihr im Onko-Internetportal der Deutschen Krebsgesellschaft.

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