DRV Bund – berufliche Reha

Was ich in Bezug auf Wiedereingliederung ins Arbeitsleben, nach Aussage diverser Stellen beim Jobcenter und der Krankenkasse, im September 2017 noch für bare Münze nahm – und mich kurzzeitig zum Kokosnusspflücker werden ließ -, konnte bzw. kann man (im Nachhinein) getrost unter: nichts wird so heiß gegessen, wie gekocht ablegen.

In meinem Fall war auch in Sachen berufliche Reha die Deutsche Rentenversicherung Bund für die so genannten Leistungen zur Teilhaben am Arbeitsleben (kurz: LTA) zuständig, was mir im Vorfeld – nicht ganz unverständlich, denke ich – die Nackenhaare „leicht“ zu Berge stehen ließ.

Im Land der schon länger hier Lebenden wird ja immer mehr und gerne gespart, sodass man als Betroffene[r] unter Umständen einige Kilometer Weg zu seiner zuständigen DRV Bund-Stelle hat – meine liegt im ca. 70km entfernten Villingen. Man gönnt (und gibt) sich ja sonst nichts.

Trotz dass sich am Telefon schon ein gutes Gefühl mit meiner Sachbearbeiterin aufgebaut hatte – Kompetenz und Freundlichkeit in einer Person! – blieb ich natürlich erst mal noch skeptisch; das war ja viel zu schön, um real zu sein! Bislang hatte ich das nur bei der Wohngeldfee erlebt. Sollte es tatsächlich noch ein zweites Exemplar davon geben, obwohl Bund drauf stand? – Jo!

Die Leistungen seitens der DRV zur Wiedereingliederung wird je nach Ausgangssituation des Betroffenen gestaltet:

a) Finanzielle Unterstützung des Arbeitgebers eines bestehenden Arbeitsverhältnisses bei stufen- und stundenweiser Wiedereingliederung nach dem so genannten Hamburger Modell.

b) Betroffene ohne Anstellung oder Aussicht auf eine neue Arbeit, erhalten Unterstützung für Fort- oder Weiterbildungsmaßnahmen, sowie Hilfe bei der Arbeitssuche.

c) Hat man bereits einen Arbeitgeber an der Hand, der Betroffenen nach längerer Krankheit die Wiedereingliederung ermöglichen möchte, erhält dieser für die ersten drei Monate 100% Zuschuss des maßgeblichen Lohnentgelts sowie für darauf folgende sechs Monate 50%. Die Unterstützung erfolgt unter der Prämisse, dass die Weiterbeschäftigung des Wiedereinsteigers mindestens so lange läuft, wie der Arbeitgeber von der DRV bezuschusst wurde.

In meinem Fall kam c) zum Tragen und somit begann für mich nach 1 Jahr, 3 Monate, 17 Tage oder: 67 Wochen und 5 Tage oder: 474 Tage oder: 11.376 Stunden oder: 682.560 Minuten oder: 40.953.600 Sekunden – endlich ein verhältnismäßig neues Leben.

Der Start in mein neues Arbeitsleben gestaltete sich allerdings recht holprig, da es sich um einen kleinen Verein handelte, bei dem ich zwar schon jahrelang ehrenamtlich tätig war, worin man allerdings nicht wirklich viel Ahnung von, geschweige denn Lust auf „administratives Zeug“ hatte und ich nun dafür zu dessen ersten, festangestellten Mitarbeiterin wurde. Entsprechend stiefkindlich verliefen die bisherigen Monate, sodass ich nicht selten an der Konstellation im Allgemeinen zweifel(te).

Für meinen Teil hatte ich in den letzten Monaten ohnehin sehr damit zu kämpfen, meine bislang gewohnte, berühmt-berüchtigte Konstitution eingebüßt zu haben und nun sollte ich in meiner neuen Arbeitsstelle auch nur dann mehr als als Ehrenamtliche machen (können bzw. „dürfen“), wenn es dem Rest des Vereins in den Plan passte, obwohl mehr als genug Baustellen seit Jahren aufgerissen da lagen? Hm. Die Option auf Homeoffice, gut und schön, wenn es allerdings zum Dauerzustand wird, um im Betrieb nicht im Weg, am besten gar nicht erst präsent zu sein … „Homeoffice“ hatte ich in 2017, bis in 2018 hinein, mehr als genug.

Ob und was der Betroffene in seiner neuen Arbeitsstelle arbeitet, ist der DRV im Grunde genommen ziemlich egal – solange sich die Tätigkeiten am Arztbericht orientieren und der Betroffene nicht zum Nachteil seiner (Noch-)Möglichkeiten eingesetzt wird. Das heißt: ist der Arbeitgeber nicht aufmerksam genug oder meint, weil er/sie dies, das, jenes ja schon Jahrzehnte lang selbst mache, muss man als Betroffene[r] dafür sorgen nicht „missbraucht“ zu werden; sich trauen, die Bremse zu ziehen, den/die ArbeitgeberIn daran erinnern, warum man wofür eingestellt wurde. – Ok, das mit dem sich trauen krieg ich hin. 😉

Während der gesamten Phase der laufenden Wiedereingliederungsmaßnahme hat man mit eigentlich nichts mehr mit der zuständigen Sachbearbeitung zu tun. Als Betroffene[r] sollte man sich anfangs so sicher wie möglich sein, dass der gewählte Arbeitgeber der ist, bei dem man es wenigstens über die Zeit der Förderungsmaßnahme aushalten kann? Sprich: neun Monate mit DRV-Subvention sowie mindestens neun Monate ohne, wodurch man als Wiedereinsteiger für zumindest eineinhalb Jahre „untergebracht“ ist.

Stellen die sich irgendwann deutlich zeigenden, reale Arbeitsbedingungen als doch nicht (er)tragbar heraus – man hat es sich anders erhofft oder vorgestellt, es wurde anders „versprochen“, betriebliche Umstände erfordern es angeblich -, hat man als Betroffene[r] jederzeit die Möglichkeit – allem voran das Recht! -, sich beim Arbeitsamt als arbeitssuchend eintragen zu lassen und / oder Bewerbungen zu schreiben, um den Arbeitgeber zu wechseln. Ob dieser dann allerdings die (restliche) Förderung erhält, weiß ich nicht und man darf wohl auch sehr gespannt sein, ob und wie aufgeschlossen potentielle Arbeitgeber bspw. beim Thema: Zurück ins (Arbeits-)Leben nach Brustkrebs wirklich sind.

Sollte die Wiedereingliederung in der aktuellen sowie nachlaufenden Phase beendet werden (müssen), sind vom Arbeitgeber erhaltene DRV-Subventionen zurück zu zahlen.

Fazit: Unglaublich, aber wahr und vorausgesetzt, man kommt möglichst schnell an die richtigen Stellen, um den Blutdruck unten halten zu können: schon länger hier Lebende werden auch als aus dem Leben Gerissene nicht vollends den Löwen zum Fraß vorgeworfen.

Mein Papa pflegte immer zu sagen: Dumm derfst sei‘, nur zum helf’n muast da wiss’n! 

Ich hoffe, ich konnte Euch als Betroffene[r] und / oder als Angehörige[r] eine Hilfe sein, Euch neben Mut und Motivation zu geben, auch ein Stück weit durch den Dschungel des A-Sozialsystem Deutschland zu führen und wünsche Euch für die Zukunft alles erdenklich Liebe und Gute; viel Kraft, gute Nerven und dass Ihr mehr auf Euren Körper sowie auf Eure Seele hört!

*in diesem Sinn*
Eure Zeller

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