Montag, Mai 20
Shadow

… ich hatte mich dann mal ausgeklinkt!

Einmal mental wie körperlich ausgezehrt, ist es wirklich schwer, wieder annehmbar auf die Beine zu kommen. Doch ich wäre nicht ich, hätte ich nicht auch das geschafft:

Umgefallener Baum im Hochmoorgebiet des Hoch Hädrichs.

Nachdem die Schmerzen der Bestrahlungsbrandwunden durch Einnahme von drei Tilidin innerhalb 24 Stunden auch für den Folgetag einigermaßen gebannt waren, suchte ich gleich am Montag meine Hausarztpraxis auf und erklärte den Mädels: Macht, was ihr wollt, wickelt mich von mir aus komplett ein, aber BITTE BITTE BITTE macht, dass diese Schmerzen aufhören! – Tja, und was soll ich sagen: Das taten sie dann tatsächlich!

Meine Haus-Doc musste aufgrund der Wundstellen anfangs zwar etwas experimentieren, welche Materialien und wie diese befestigen? So schwierig sich die Wundversorgung im ersten Moment darstellte, so effektiv wurde sie: Mit Auflage des ersten Verbandes (bestehend aus einer direkten Wundauflage aus Silikon, einer Schaumstoffauflage von Biatain, fixiert durch Folienklebepflaster (mit Stoffpflaster löste sich die strapazierte Haut beim Abziehen), ohne Salbe oder sonst einen Aufstrich!) waren die Schmerzen von jetzt auf gleich wie weg geblasen, wie Schalter umgelegt!

Morgendlicher Blick vom Berggasthof Hochlitten.

Die ganzen, etwa zweieinhalb Folgewochen bis zur kompletten Abheilung benötigte ich – zumindest dafür – keinerlei Schmerztabletten mehr.

Kaum zu glauben, welche Entwicklung die „böse“ Medizinbranche zu Gunsten der Patienten immer wieder macht! Allerdings hat es mich doch sehr gewundert, dass das Team der Strahlentherapie mir nur mit dieser – bei allem Respekt – lächerlichen Salbe und „Luft ran lassen“ kam.

Nachdem diese Baustelle erledigt war, konnte ich mich auf die Nächste konzentrieren – und glaubt mir: Davon gibt es während einer Krebstherapie mehr als genug! Es könnte einem ja sonst langweilig werden.

Kuhweide entlang des Spazierweges der Georunde Rindberg bei Sibratsgfäll.

Über mehrere Wochen hatte ich leichte Beschwerden am Hintern, welche ich in meinem „jugendlichem Leichtsinn“ allerdings nur als erneute Marisken (wie 2017) abtat. Selbst, als mir meine zweite Haus-Doc empfahl, Faktu oder Posterisan in der Apotheke zu holen, wäre ich nie auf die wirkliche Ursache gekommen. … Nachdem weder das eine, noch das andere Wirkung zeigte, die erträglichen Beschwerden in echte Schmerzen übergingen – meine Schmerzgrenze hat mittlerweile ganz andere Dimensionen… -, ließ ich mir eine Überweisung zum Proktologen geben.

Waldsee im Naherholungsgebiet in Lindenberg (Allgäu).

7 Wochen nach Bestrahlungsende, etwa 4 Wochen nach Abheilung der Brandwunden, saß ich also im Wartezimmer des wohl einzigen, wirklich kompetenten Proktologen (mit perfektem Praxismanagement) im Landkreis Konstanz.

In unter einer Stunde (inkl. Wartezeit) erklärte er mir, ich hätte eine, unter Chemo übliche atypische Analfissur. – Sprich: In den zurückliegenden Monaten hatte ich mir nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich körperlich den Arsch aufgerissen! Mein Humor kam (auch) beim Prokto-Doc gut an, so sympathisch hatte ich ihn eigentlich nicht in Erinnerung.

Brücke, mit beweglichen Elementen, über ein Hochmoor im Naherholungsgebiet Lindenberg (Allgäu).

Die Bestrahlungsverbrennungen ausgestanden, kamen nun Salbe sowie „Dehnübungen“ (buchstäblich: für’n Arsch) auf den Plan. Könnte ich mir eigentlich nicht mal was anderes gönnen, als einen Krebs-Scheiß nach dem Nächsten?

Apropos, gönnen: Nachdem mir nun mein Hintern einen Strich durch die Erholungsrechnung machte, fasste ich einen Plan, wie ich – höchstwahrscheinlich – aus dem ganzen Dilemma – wenigstens etwas – heraus kommen konnte: Ich musste mal wirklich weg! Nur mein Vierpföter und ich, mich um Nichts und Niemand sonst kümmern müssen! – Toller Gedanke für die nächste Pausewoche!

Während des 12. Zyklus‘ organisierte ich unser Abtauchen: ein Mietwagen, um (bei meinem „Glück“) garantiert unter’m Radar zu bleiben und von Niemandem erkannt zu werden.

Georunde Rindberg bei Sibratsgfäll: der schiefe Baum.

Die Woche über ein Zimmer in einem Vorarlberger Berggasthof (>1.000m überm Bodensee) – Berge sind für mich als Allgäuer Gewächs die beste Krafttankstelle – und schließlich noch ein Zimmer in einem Münchner Hotel (für eine Nacht), um endlich das MVG-Museum besuchen zu können, das perfekterweise am Wochenende der Pausewoche geöffnet hatte.

Meine Chemo-Praxis stellte ich bei der zweiten Suppe vor vollendete Tatsachen, dass ich in der Pausewoche sowas von not available sein und mich auch keiner Blutabnahme unterziehen werde.

Ich könnte stundenlang „Kuh-TV“ gucken und den Glocken zuhören. – Für mich: Entspannung pur.

Die Rechnung ging wie geplant auf und abgesehen von den Nebenwirkungen, die man für eine Woche nicht einfach so abschalten konnte, hatten wir herrliche sieben Tage Auszeit!

Immer werde ich mir so ein „opulentes Programm“ nicht leisten können. Doch allein dieser Ausriß machte mir deutlich, wie wichtig und notwendig es ist, sich auch während einer laufenden Krebstherapie, deren Ende (und Ausgang) nicht bestimmbar ist, einfach mal ein paar Tage von wirklich allem komplett raus zu nehmen!

Es gelang mir sogar, von der erreichten Entspannung und Gelassenheit ein gutes Stück mit in den Alltag zu nehmen und halten.

Ein weiterer Blick vom Berggasthof Hochlitten.

Eineinhalb Wochen nach unserer Rückkehr verbannte ich eine weitere, mittlerweile höchst nervende Gegebenheit:

Morgens 1 Pantoprazol, dicht gefolgt von 1 Citalo; den Tag über je 1 Vitamin D3 und B12, um wieder in Schwung zu kommen, was allerdings schon seit Wochen nicht klappen wollte. Während des Zyklus‘ 4 Capecitabin morgens, 3 Abends, an Infusionstagen 1 Grani sowie 1 Dexa und schließlich noch eine halbe Mirta für die Nacht.

Ich hatte die Schnauze von der Tablettenschluckerei gestrichen voll!

Hinweis: Jede noch so unbedeutend erscheinende Änderung von (verschreibungspflichtigen) Medikamenten ist auf jeden Fall vorher, mit dem dafür zuständigen Arzt abzuklären!

Abenddämmerung.

Citalo, Cape, Dexa und Grani liefen außer jeder Konkurrenz und standen nicht zur Debatte. Die Vitamin-Drops ließen sich einfach durch Brausetabletten zum Trinken ersetzen. Pantoprazol konnte eingeworfen oder weg gelassen werden.

Blieb also nur noch die halbe Mirta, welche ich im Grunde genommen nicht mehr brauchte / brauchen konnte, allerdings ebenfalls ein Anti-Depressiva ist und damit nicht einfach so, ohne Rücksprache, abgesetzt werden konnte / sollte! – Ich hatte 2017 ja eindrucksvoll gelehrt bekommen, ein ‚braver Patient‘ zu sein. …

Pause und Rumalbern während einer Erkundungsfahrt durch Vorarlberg.

Um dennoch eine mögliche Option (ausschließlich nach Bedarf) zum besseren Ein- bzw. Durchschlafen hatte, empfahl mir meine Kollegin CBD-Öl. Durch einen ehemaligen Lebensabschnittsgefährten Hanf bzw. Cannabis eigentlich sehr aversiv gegenüber stehend, ließ mich meine Internetrecherche zum Thema überrascht und positiv gestimmt aufhorchen (Stichworte: antikanzerogen, tumorhemmend, keine Rausch-Wirkung) und schließlich ebenfalls ein Fläschchen CBD-Öl zulegen.

Nachdem sich innerhalb meiner Recherche die Pflanze Hanf an sich ebenfalls in „guten“ Licht präsentierte, vertiefte ich auch hierfür mein Interesse. Nun steht nicht nur kaltgepresstes, hochwertiges Hanföl im Schrank*, meine Mama ließ mir zusätzlich Hanf-Tee eines namhaften Herstellers zukommen. Es wird sich zeigen, ob und wie gesundheitsfördernd CBD und Hanf in verschiedenen (nicht psychoaktiven !) Versionen sind.

Ebenso recht agil, weiß auch der neue „Mann“ an meiner Seite die Ruhe zu genießen.

Ich, für meinen ganz persönlichen Teil, kann zumindest sagen: Die Einnahme von D3 & B12 Brausetabletten, das Weglassen von Pantoprazol und Absetzen von Mirtazapin (weil Depotwirkung) sowie die Verwendung von Multitalent CBD in Ölform, Hanf als Kaltspeisenöl oder zur direkten Einnahme und Hanf-Tee, zeigen bei mir tatsächlich Wirkung:

Nach ca. zwei Wochen fühle ich mich nicht mehr annähernd so schlapp und antriebsunfähig.

 

Mit nur 1 – 2 Tropfen 100%iges CBD-Öl schlafe ich nicht nur garantiert ein sowie durch, sondern wache am nächsten Tag relaxed auf und komme recht schnell in die Gänge, was den Tag über dann auch so bleibt. Vorausgesetzt, ich übertreibe es nicht, indem ich der Selbstüberschätzung verfalle und mir doch zu viel an Erledigungen & Co. zumute. – Das passiert schnell, wenn es einem, nach langer Zeit, endlich wieder besser geht.

Hanföl schmeckt angenehm herb (nicht nur ölig wie andere Speiseöle), was die Einnahme, u.a. zum Befeuchten der Mundschleimhaut sehr effizient macht. Auch den Tee mit seinem herben, entspannenden, beruhigenden Geschmack und Geruch habe ich zu schätzen gelernt.

Wenn in Kürze mein Hintern abgeheilt ist und nichts Neues daher kommt, lässt sich die Krebstherapie – den Umständen entsprechend – wieder „genießen“.

* in diesem Sinn *

Zuhause. Wer nicht mit Scheuklappen durch unsere wunderschöne Region hetzt, kann auch Daheim den ein und anderen Erholungsmoment finden. (Weiter weg klappt es natürlich einen kleinen Tick besser. ;-))


* Zitat aus dem Buch Hanföl für Einsteiger von Hanföl Helden (S. 75/76) :
Dabei fand man im Jahre 2014 heraus, dass Substanzen, die im Hanf enthalten sind, Tumorzellen schlichtweg zum Zerplatzen bringen und sie somit zerstören. Weiterhin stellte sich heraus, dass die Tumorbildung mit der Einnahme von Hanföl generell gehemmt wird. Solche Untersuchungen wurden zwar bisher noch nicht an Menschen direkt durchgeführt, sondern nur über diverse Labortests nachgewiesen, […] – Zitatende.


 

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