Montag, Mai 20
Shadow

Tier-, Natur- und Umweltschutz vor der Haustür

Dieser Artikel hätte es fast geschafft, sich in der Reihe von Veröffentlichungen in anderen Printmedien wieder zu finden.

Nach anfänglichem Zuspruch erhielt ich nun die Rückmeldung, dass er für das Dorfblättle primär zu lang sei. Sekundär störte man sich vermutlich an meiner ehrlichen, offenen, geraden Art Dinge zur Sprache zu bringen, die manche („dummerweise“) daran erinnern könnten, dass sie bei weitem nicht so toll, so nett, so dies, so das, so jenes sind, wie sie sich geben. Meine Verweigerung, politischer und gesellschaftlicher „correctness“ einen Stellenwert zuzugestehen, mag ein weiterer Punkt sein, weshalb dieser Artikel nun nicht im Dorfblättle, sondern eben in meinem Blog erscheint. – Aufgrund seiner Bekanntheit und deutlich größeren Reichweite sicher nicht die schlechteste Alternative.

Tja, Leute … für Buntstifte-Diplomatie habe ich keine Lebenszeit mehr! Traumtänzer gibt es mittlerweile viel zu viele, da muss, will und werde ich nicht auch noch mitmachen.

Der nachfolgende Beitrag handelt zwar vom Markelfinger Dorfbach, doch im Grunde genommen kann man darin jedes x-beliebige Naturbiotop wieder erkennen, das durch menschliche Renitenz, Unwissenheit, Ignoranz, Arroganz usw. in Gefahr gerät.

Los geht’s:

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht nur viel in Sachen Tier-, Natur- und Umweltschutz tätig bin, sondern auch ein nahezu unerschrockener, direkter, gerader, konfliktfähiger Mensch.

Für Tier-, Natur- und Umweltschutz setze ich mich mittlerweile zwar nur mehr privat ein, was weitestgehend selbst zu bewältigen sowie zu verantworten ist, doch nicht weniger leidenschaftlich. In organisierten Gruppen werden mir zu viele persönliche Befindlichkeiten und Eitelkeiten ausgetragen, statt sich dem Eigentlichen zu widmen, das sich jeder in großen Lettern auf die eigene Fahne geschrieben haben will.

Ich (* ’74) wurde so erzogen, dass die Natur nach bestem Wissen und Gewissen zu respektieren, zu behandeln ist (sie war vor uns allen da) und nicht die eigenen Bedürfnisse, der „Fun“ im Vordergrund zu stehen haben. Ich komme aus dem Allgäu vom Land und wenn ich Land sage, meine ich auch LAND! Gegen die Stätte meiner Herkunft ist Markelfingen mit seinen gut 2.500 Einwohnern eine Metropole. Wir wuchsen auf mit Wildtieren, Haustieren und Nutztieren und Nein, ich bin kein Veggie. – Auf Gut-Neudeutsch heißt das jetzt Flexitarier.

Wenn sich die Menschheit mit ihrer Veränderung nur selbst schaden würde, setzte ich mich mit einer Tüte Popcorn in der Hand an den Rand und gäbe den Zaungast. – Es wäre vermutlich eine Drama-Tragik-Komödie. Leider ist dem nicht so, denn wenn Menschen sich verändern, haben Tiere, Natur und Umwelt i.d.R. das Nachsehen.

Anfang 2016 verschlug es mich nach Markelfingen. Ein schönes, kleines Dörfchen mit einer Wahnsinnsumgebung, die ich schnell lieben und wertschätzen lernte. Nicht selten blutet mir deshalb immer ein klein wenig mein Herz, wenn ich mitbekomme, dass und wie Markelfingen mit den sprichwörtlichen Füßen getreten wird. (Müll, Vandalismus etc.)

Dass meine „Spezies“ wie viele Andere ebenfalls am Aussterben ist, erkennt man heutzutage an allen Ecken und Enden. Die Gesellschaft benimmt sich nicht nur gefühlt egoistischer, sie ist es auch.

Zusätzlich verroht und verblödet sie, um das Ausmaß des Übels beim Namen zu nennen; ob und inwieweit das von anderer Stelle forciert wird, lassen wir dahin gestellt.

Das Grundgesetz Deutschlands besagt nicht nur, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Artikel 20a gibt vor, dass der Staat […] auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere […] schützt. Zwei der Staatsziele lauten Umweltschutz und Tierschutz.

Zweck des Tierschutzgesetzes ist es zudem, Zitat: aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Während Natur weltweit jeweils einzigartig ist, ist ein großer Teil der Menschheit stereotyp: vor dem Fernseher, am Stammtisch oder beim Kaffeekränzchen sitzend, sich darüber aufregend, wie vermüllt die Meere sind oder Betroffenheit heuchelnd, weil der Regenwald alle fünf Sekunden die Fläche eines Fußballfeldes verliert, ist so viel bequemer, als über den eigenen Tellerrand tätig zu werden, um schließlich vor der eigenen Haustür Empathie und Verstand an den Tag zu legen, die man von anderen erwartet.

Seit wenigen Wochen, doch sicher noch den ganzen Sommer über haben bzw. werden wir unter Hitze sowie Wassermangel zu leiden haben. – Doch nicht nur wir Menschen, sondern auch die (Wild)Tiere!

Nicht nur mir, auch anderen kam der Wasserstand in unserem Dorfbach zeitweise sehr niedrig vor. Wenn die Rückenflossen von Schmerlen wie Haiflossen aus dem Wasser ragen, sollte eigentlich jedem klar sein, dass irgendwas ganz und gar nicht stimmen kann. Aber klar: es war heiß, Wasser war, ist und wird (auch zukünftig) immer wieder mal knapp sein.

Von der Theorie des hitzebedingten Wassermangels wurde ich während eines Spaziergangs, Richtung Waldfriedhof am Bach entlang, eines Besseren belehrt: Vertreter der zunehmenden Ego&Fun-Fraktion hatten den Bach unterhalb der B33 Unterführung beachtlich mit Steinen gestaut. Musste Party-Bier gekühlt oder Kinder beschäftigt werden?

Trotz meiner mittlerweile körperlichen Einschränkungen machte ich mich sofort dran diesen Missstand bestmöglich zu beseitigen. Für mehr Effizienz erhielt ich Unterstützung einer weiteren Natur- und Umweltfreundin.

Ihr lest gerade diesen Artikel und fragt euch vielleicht: Was kann an ein paar „Steinchen stapeln“ so schlimm sein? Das Wasser wird schon einen Weg finden, weiter zu fließen…

In der Regel hat sich die Natur was dabei gedacht, warum sie sich entwickelt, wie sie sich entwickelt – vorausgesetzt, der Mensch hält sich raus und lässt sie in Ruhe!

Nicht nur für unseren Dorfbach (ab Mindelseezufluss bis zum Einfließen in den Bodensee), sondern für alle Bäche, überall, gilt:

Wasser, das gestaut, respektive in seinem Fluß massiv gestört wird, fehlt nicht nur nach vorne hin: Pflanzen und Kleinstlebensräume werden nicht mehr ausreichend versorgt, sie sterben – made by Mensch – ab. Es staut sich auch nach hinten, wodurch Biotope geflutet werden, die lediglich eine mäßige Feuchtigkeit benötigen, weder Nässe noch landunter.

Schmerlen sind keine Lachse, die gegen den Strom über Hindernisse springen können, um in ihren Bereich des Heimatgewässers zu kommen, wenn ihnen danach ist.

Desweiteren haben Fische eine Art Revier- und Platzbewusstsein, weshalb künstliche Barrieren ihnen Streß verursachen.

Der Mensch möchte bei oder in Markelfingen etwas mehr Wasser um die Füße? Keine zehn Minuten Fußweg sind der Mindelsee in die eine sowie der Bodensee in die andere Richtung erreichbar! – Moralisch, ethisch fragwürdig, in meinen Augen auch armselig, ist es schön bequem, der Natur seine „Macht“ zu demonstrieren und sie den eigenen Bedürfnissen entsprechend gefügig zu machen.

Doch nicht nur die Markelfinger Fische wären klar im Vorteil, wenn sich die Menschen zurücknähmen und wieder zu Weitblick gelängen, auch unseren Biber – wir haben mittlerweile ZWEI! – käme ein nicht von Menschen verunstalteter Lebensraum sehr entgegen!

Nichts greift von Haus aus so perfekt ineinander wie die Natur selbst.

Ich kann nur für mich sprechen, doch ich bin mir sicher, dass viele genauso denken: ich würde mir wünschen, wenn Menschen über Tier-, Natur- und Umweltschutz weniger klugscheißern, keine sinnbefreiten Extremaktionen veranstalten sowie Ansprüche stellen würden, denen sie selbst nicht gerecht werden.

Warum kann man die ursprünglichen Gegebenheiten nicht einfach so lassen, wie sie sind und genießen?

Warum kann man sich nicht einfach mal damit zufrieden geben, was uns die Natur von sich aus gibt?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, aus Spaß an der Freude mal einen kleinen Staudamm zu bauen. – Wer hat dies in Kindheitstagen nicht mit seinen Eltern oder Großeltern gemacht?

ABER, und hier kommen wir wieder zurück zu meiner Erziehung: man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man diesen Menschenspaß sofort wieder zurückbaut, um der Natur, den Tieren zurückzugeben, was man ihr für einen Moment genommen hat.

*in diesem Sinn*
eure Sandra

(Text: Sandra Zeller; Bilder: Sandra Zeller & Nora Tumat)

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