Samstag, Juni 15
Shadow

Igel im Winter: Alarmglocken an!

Bild: Privat

R I C H T I G  W I C H T I G !

Aus gegebenem Anlass, bitte ich euch aufmerksam zu sein, wenn bei der aktuellen Wetterlage (im Winter allgemein) vorallem ein ‚abgerockter‘ Igel auf der Bildfläche erscheint!

Die Igel werden ab Anfang Juli bis zur zweiten Septemberwoche geboren; in der Rheinebene kommen sie mitunter bereits ab Ende Mai zur Welt. Schon mit sechs Wochen stehen Jungigel auf eigenen Beinchen; für spät Geborene beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, sich ordentlich vollfressen zu können, bevor der Winter kommt.

Möglichst früh geborene, gesunde Igel, die es geschafft haben, sich Polster für ihren Winterschlaf zuzulegen, laufen weder nachts, noch tagsüber durch die Gegend!

Jungigel (geboren im aktuellen Jahr) benötigen ein Mindestgewicht von 600 Gramm, Alttiere mindestens 900 Gramm, eine kräftige, stimmige, runde Form, um den Winterschlaf ab etwa November bis März problemlos zu überstehen

>>> Jeder Igel, der im Winter sichtbar ist und angeschlagen aussieht, hat ein ernsthaftes Problem und muss zwingend gesichert werden! <<<

Bitte: Haltet die Augen auf und schaltet in Millisekunden!

  • Am einfachsten, schnellsten sichert man einen Igel mit einem Handtuch.
    Ein Handtuch ist handlicher und ganz leicht in einer (Jacken)Tasche bei sich zu haben, als erst nach festen Handschuhen sowie einem Karton, Eimer etc. zu laufen. Diese Minuten können buchstäblich über Leben und Tod entscheiden. Nicht nur wegen der Wetterbedingungen, es gibt auch „Menschen“, die es überhaupt nicht interessiert und einen, bspw. auf der Straße liegenden Igel bereits für tot halten (obwohl er vielleicht nur erschöpft ist) und mit dem Auto mir-nichts-dir-nichts drüber fahren.
  • Schaut am besten jetzt, wo bei euch vor Ort die nächste Igelhilfe ist und speichert die Nummer(n) ab.
    Kann euch euer Tierarzt oder das örtliche Tierheim nicht helfen, hier gibt es eine Übersicht von Igelauffangstationen nach Postleitzahlen.
  • „erst mal mit füttern versuchen“ könnt ihr euch sparen, sie mit lecker riechendem Futter aus ihren etwaigen Verstecken hervorlocken nicht.
    Die Igel haben i.d.R. Darmsaugwürmer, evtl. auch Ektoparasiten und sind kurz vor der Entkräftung … da frisst niemand mehr!
  • Entdeckt ihr einen hilfsbedürftigen Igel auf einem Privatgrundstück, traut euch mit den Besitzern Kontakt aufzunehmen.
  • Ist Niemand vor Ort und das Grundstück zugänglich: auf zum Igel!
  • Ist Niemand vor Ort und das Grundstück nicht zugänglich, fragt in der direkten Nachbarschaft, vielleicht kommt man von einem Nachbargrundstück zum Igel.
  • Ist eurerseits so rein gar nichts möglich – ich rede nicht von nicht wollen ! … – so ruft bitte eine etwaige vorhandene Tierrettung an. Diese haben i.d.R. weitere Möglichkeiten, von denen wir Normalos oft nur träumen können.
Hilfsbedürftige Igel an den Anzeichen erkennen. (Von der Internetseite unserer regionalen Igelhilfe in 78253 Eigeltingen; Quelle: Igel Sachkundebuch)

Ja, Igel können Flöhe haben. Aber diese sind sog. Wirtsflöhe, d.h.: Igelflöhe können auf den Menschen, Hunde und Katzen übergehen, vllt auch mal zwicken, ABER zum Überleben, zum sich fortpflanzen, brauchen sie einzig den Igel als Wirt. Also, bitte keine Panik!

Nachdem ich gestern das Bild des Igels (oben) in einem WhatsApp-Status sah und auf Nachfrage erfuhr, dass er „munter“ auf einem Privatgrundstück unterwegs war, bin ich ausgerückt.

W I R K L I C H  W I C H T I G

  • „muntere“ Igel gibt es im Winter nicht!
  • „agile“ Igel haben im Winter ein Riesenproblem und kämpfen stumm ums Überleben oder befinden sich bereits im Todeskampf!

Die Eigentümer des Grundstücks haben sich sehr gefreut, dass ich vorstellig wurde. Sie waren sich der Existenz einer regionalen Igelhilfe nicht bewusst und haben mich sehr willkommen heißend auf ihr Grundstück gelassen. – Der Igel irrte schon 3 Tage vor Ort umher, nimmt kein Futter, ist „zu schnell“ wieder weg. Leider konnte ich den Igel weder ausfindig machen, noch lief er mir direkt über den Weg.

Beobachtungszeiträume von Igel während ihren jeweiligen Aktivitätszeiten. (Von der Internetseite unserer regionalen Igelhilfe in 78253 Eigeltingen; Quelle: Igel Sachkundebuch)

Gegen 22:30 Uhr rückte ich erneut, dieses Mal mit einer Kollegin der Igelhilfe Eigeltingen aus; wir konnten ihn zumindest unter einem Holzstapel orten: er fauchte, als wir uns in direkter Nähe zu schaffen machten und ihn damit „störten“.

Leider fühlte er sich zum Einen nicht so sehr gestört, dass er raus kam, weil er glaubte vertrieben zu werden, zum Anderen kratzt seine Kraft wohl schon dermaßen am roten Bereich, dass er sich nur noch so sparsam wie irgend möglich bewegt.

Leider war auch diesmal kein Rankommen, doch nun wussten wir zumindest, dass und wo er noch lebte und konnten die Grundstückbesitzer mit einer Nachricht entsprechend informieren. – Sie halten nun vermehrt die Augen auf, sind sensibilisiert, informiert, instruiert und werden auch ihre Nachbarschaft darauf aufmerksam machen.

Nun gilt es zu warten, bis der Anruf kommt, dass das Kerlchen gesichert wurde…

Bitte teilt diesen Eintrag weitläufig, damit möglichst noch mehr wissen, was es mit „munteren“ Igeln im Winter auf sich hat und was es dann zu tun gilt.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

*in diesem Sinn*
eure Sandra

Wichtige Links zum Thema:
Igelhilfe E.Igeltingen im Hegau

Pro Igel, Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e.V.
IgelHaus : Infos zu Igel und Igelhäuser
Welt der Igel e.V. – Igelhilfe & Alles rund um den Igel
(Dies ist nur eine kleine Auswahl bekannter Igelhilfen mit einem größerem Netzwerk. Über die bekannten Suchmaschinen lassen sich noch mehr finden.)

Update 04.12., 18:02 Uhr:

Wer mich kennt, weiß, dass überschwengliche Emotionen in Sachen Tierschutz – wie von den meisten Aktivisten – nicht mein Ding sind. Ich behalte lieber einen klaren, kühlen, pragmatischen Kopf, gerade weil es um Lebewesen geht. Doch heute Nachmittag gingen die innerlichen Rückwärtssaltos mit mir durch, als ich per Whatsapp die Info bekam: der kleine Kerl ist gesichert! 

Statt auf ein 1 : 1.000.000 Wunder zu warten oder hoffen, wurde aus dem Zusammenspiel von (bisheriger) Unwissenheit, dem Handeln eines (ersten) sachkundigen Menschens, das Mitmachen einer weiteren, noch versierteren Person, garniert mit empathischem Engagement aller Beteiligten ein Wunder made by selbstgestrickt! – 1 : 1.000.000, so groß ist nämlich die Überlebenschance eines spät geborenen Igels, ohne die Hilfe durch den Menschen.

Obwohl der Igel eine der ältesten Tierarten der Erde ist (etwa 5 Mio. Jahre), hat es die Bitch Evolution immer noch nicht geschafft, ihr stachliges Geschöpf so umzuprogrammieren, dass Igel ab September keine Junge mehr bekommen …

Nicht nur der Mensch mit seiner Vorstellung von „Zivilisation“ macht den Stachelrittern das Leben schwer. Fachkreisen zufolge hat die Parasitenlage in der Igelwelt durch die vielfältigen, negativen Umwelteinflüsse stark zugenommen: Heute treiben Parasitosen in den kleinen Igelkörpern ihr Unwesen, wie sie bis vor gut zehn Jahren nur bei Kühen und Pferden bekannt waren!

Laut Anja von der Igelhilfe Eigeltingen, ist der Allgemeinzustand des kleinen Kerls besser als befürchet; entsprechend seiner Fundadresse tauften wir ihn Hermann.

Hermann bringt 450 Gramm auf die Waage und hat keine akuten, ernsthaften Verletzungen. Bei Anja wird er nun medizinisch versorgt sowie gepäppelt und sobald er ordentlich gepolstert ist, geht es nach Eigeltingen zum überwachten Winterschlaf, mit anschließend organisierter Auswilderung.

Um der Gesellschaft vor Augen zu führen, wie ernst die Lage der Igel durch uns Menschen geworden ist, fiel die Abstimmung der Spender der Deutschen Wildtier-Stiftung (DWS) auf den Igel als Tier des Jahres 2024.

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