Bungalow

 

Vom marktüblichen Steck-Plattenbau … in ein handelsübliches Blockhaus … in einen individuell gebauten Bungalow.

Von Heike Schmidt-Rögers Buch Hamster inspiriert, fing ich an, die Häuschenfrage meines Kleinnagers grundlegend zu hinterfragen und kam zu dem Entschluss, dass auch eine „schickere“ Blockhütte noch nicht das ist, was einem Höhlentier wie dem Hamster gerecht wird.

Um die schöne, große Sandbadschale nicht einzubüßen, musste sehr gut und genau geplant, gemessen und gerechnet werden… Für die neue Villa von Kleiner Dienstag veranschlagte ich an Außenmaße*: 21,6cm x 15,6cm x 9,5cm, wodurch ihm bei Wänden von 8mm Dicke ein Innenraum von 20cm x 14cm zur Verfügung stand. – Etwas über die Hälfte davon sollte für den Schlafbereich sein.

Wie im Buch dargestellt, wählte auch ich die Zwei-Zimmer-Variante (einen Vorrats- und einen Schlafraum), um zwar seinen Futterbunker kontrollieren zu können, ohne sein Nestchen jedes Mal zerstören zu müssen, doch letzten Endes machte mir der Nager selbst einen Strich durch die Rechnung: er ignorierte den separaten Vorratsbereich und konzentriete weiterhin Alles (sich, seine Vorräte, Köttel & Co.) auf die Schlafkammer. *augen verdreh*

Bei dieser Version war es Kleiner Dienstag ebenfalls möglich, den Eingang zu seiner Schlafkammer dicht zu machen (was er auch in Anspruch nahm) und damit in völliger Dunkelheit (keine weiteren Fenster) liegen zu können, was er beim Blockhaus genossen zu haben schien.

In Anlehnung an das Material, welches für die einfachen Plattenbau-Häuschen verwendet wird, wählte ich (etwas hochwertiger) Sperrholz aus Pappel* in 8mm Dicke für die Wände und 12mm für den Deckel.

Die Einzelteile kann man sich in jedem netten Baumarkt aus bereits angeschnittenen Platten zuschneiden lassen. Statt eine ganze Platte für ca. € 14,- zu kaufen, bezahlt man nur den reinen Materialwert, welcher in unserem Fall bei ca. € 3,- lag. „Sicherheitshalber“ ließ ich die Bauteile gleich 2x zusägen, man kann ja nie wissen ….

Mit einer 54mm-Lochsäge sägte ich an den vorher bestimmten Wänden und Stellen die Durchgänge aus. – In den meisten Büchern wird für Goldhamster eine Durchgangsbreite von „mindestens 7cm“ wegen der dicken Backen geschrieben, doch wenn man die Kirche mal im Dorf lässt, genau beobachtet und sich beliest, reichen auch „mindestens 5cm“ (wie für Zwerghamster „empfohlen“) dicke aus.

Was nach dem Loch sägen noch an der Platte übrig ist, einfach mit einer kleinen Bügelsäge, in gerade Linie zum äußersten Lochrand, aus dem Bastelbedarf entfernen. Wenn alles fertig ausgesägt ist, sollten sämtliche Sägeränder und -flächen (auch die vom Zuschnitt im Baumarkt) mit einem feinen Schleifpapier (120-150er Körnung) babypopoweich entgratet werden.

So wie ein Hamsterhaus keinen Boden haben sollten, damit sich keine Feuchtigkeit ansammeln und den Nager krank werden lassen kann, so – folgere ich – sollte man es auch nach Möglichkeit vermeiden bspw. mit Holzleim die Lüftung durch die Wandschlitze zu verhindern.

Aus diesem Grund entschied ich mich für kleine, rostfreie, verzinkte Nägel, bei deren Einschlagen es sich, aufgrund der kleinen Größen (Nägel, Hammer, Material) empfiehlt, etwas mehr Aufmerksam walten zu lassen.

Das Einzige, das geklebt wurde, sind die Stopper an den Seiten: eigentlich „Abfall“, dienen diese Minileisten als „Bremsen“ für den Deckel, wenn der Hamster darauf herum turnt. Mit Holzleim, dünn aufgetragen, gut fest angedrückt, hält das bombenfest. – Kein Sekundenkleber oder ähnliches!

Als ein „Upgrade“ des Bungalows fällig wurde, setzte ich den Durchgang in einer neuen Platte (gleich 2x zuschneiden lassen, man weiß ja nie….) soweit wie möglich an den Rand, um Kleiner Dienstag viel dunklen Raum fürs Schlafen zu bieten.

Da der Deckel auch als Nutzfläche dienen soll, wurde dieser als einziges Bauteil bearbeitet.

Um es nicht ganz so langweilig aussehen zu lassen (und mir auch mal eine rein menschliche Spinnerei zu gönnen), pinselte ich mit unterschiedlich farbiger Kreidefarbe Farbeffekte in Blau und Weiß drauf und versiegelte die Fläche mit der Lacklasur, welche ich schon beim Brückenbau vorgestellt habe.

Dass ich mich für Blau entschied, hatte zwei Gründe: 1) ist es meine Lieblingsfarbe und 2) scheinen Hamster darauf nicht zu reagieren. Zumindest ist in allen Büchern über Blau nichts zu finden. Rot kriegen sie wohl auch nicht mit, weshalb Zuchtgruppen & Co. oft unter (kaltem?) Rotlicht gehalten werden, um sie beobachten zu können. Auf Grün und Gelb sollen Hamster eingestellt sein, damit sie ihr Futter leichter finden, wenn sie sonst nur Kontraste sowie Hell und Dunkel unterschieden bekommen.

Um dieses Mal Zeit zu gewinnen und aufgrund der Größe des neuen Hauses mit dem Rest der Einrichtung nicht in Schwulitäten zu kommen, griff ich zu einem einfachen – vielleicht nicht ganz ast“reinen“ Trick, Kleiner Dienstag vorzugaukeln: dieses Haus ist alt, du kennst es schon!

Da der Zwerg keine Anstalten macht, weg zu laufen, sobald der Gitteraufsatz weg ist, kann ich in aller Ruhe sein Häuschen kontrollieren und sauber machen. Sprich: gebunkertes Frischfutter und Köttel raus, sowie nasses Einstreu gegen frisches, trockenes ersetzen etc. pp.

Mit einer Hand voll alter, Köttel und Urin behafteten Einstreu rieb ich die Wände des neuen Häuschen sowie den Deckel außen und innen etwas ein, damit sich KDs Duftnote breit macht und für ihn Vertrautheit einstellt. Diese Rechnung ging auf. Während Kleiner Dienstag beim damaligen, plötzlichen Austausch des Plattenbaus gegen das Blockhaus auf heimatlos machte, steuerte er bereits während der ersten Nachtschicht immer wieder in seinen Bungalow, Vorräte sichern.

Bild rechts: Schon nach 22h und Herr Hamster war immer noch nicht auf der Bildfläche erschienen; da muss man mal nachsehen dürfen. So richtig nett, ist’s halt wohl auch für Hamster nur im Bett.

*in diesem Sinn*
Viel Spaß beim Basteln und Beobachten,
Eure Zeller

 

*Alle hier genannten Maße und Materialien gründen auf meinen Überlegungen für die Größe meines Hamsters, angepasst an die Größe seines Habitats und haben keine allgemeine Gültigkeit. In Euren eigenen Situationen können diese gänzlich abweichen, sodass wir lediglich einen Anreiz geben wollen, was wie, womit und warum möglich ist.