Samstag, Juni 15
Shadow

2022

08.09.22

Am 20. Juni 2019 erwähnte ich im ersten Teil der (Brust)Krebs-Randnotizen die mamazone Selbsthilfegruppe. Nachdem ich mir den Unsinn, von wegen medizinische Aufklärung sei wichtiger, als finanzielle Sicherheit geben durfte, wurde sich mir gegenüber auch entrüstet darüber ausgelassen, was es für eine Unverschämtheit sei, dass der Schwerbehindertenausweis für Krebsbetroffene auf nur fünf Jahre begrenzt ausgegeben werde. – Aufgrund meiner neuesten Erfahrung zum Thema bin ich heute mehr als froh, nur zwei Stunden meines Lebens dort verschwendet zu haben …

Mein erster Schwerbehindertenausweis galt ab April 2017 bis Juni 2023. – Meiner (bay’rischen) Schulbildung nach sind das über sechs Jahre.

Interessehalber rief ich heuer im Frühjahr beim Versorgungsamt an und erkundigte mich nach der Vorgehensweise zur etwaigen Verlängerung des Schwerbehindertenausweises. – Ich würde angeschrieben werden.

Vor etwa vier Wochen erhielt ich nun das Schreiben vom Amt für Gesundheit und Versorgung bzgl. Nachprüfung von Amts wegen mit einem Erhebungsbogen.

Darin musste ich nicht nur alle meine Ärzte angeben, die mir im Kampf gegen Krebs aktiv zur Seite standen (sprich: Hausarzt, Gynäkologe, Onkologe, Psychologe), sondern auch alle, bis dato aufgekommenen Einschränkungen und Beeinträchtigungen sowie diverse Befunde beilegen – damit war ich sehr großzügig. 😉

Das Ende vom Lied … es ist wirklich schrecklich … sowas von unverschämt: nach drei Runden gegen Arschloch wurde meine anerkannte Schwerbehinderung von GdB 60 auf 100 gestuft und von befristet auf unbefristet gesetzt!

Persönlich finde ich eine (erste) Befristung völlig in Ordnung.

Bewerbungsfoto Sommer 2019; gut ein Jahr bevor es in die zweite Runde ging.

Bis das Arschloch nach etwas über zwei Jahren neu aufflammte, fühlte ich mich wirklich richtig gut, hatte mich allseits wieder ordentlich gefangen. Von mir aus hätte die Befristung einfach auslaufen können. – Dass mir noch (mindestens?) zwei Ehrenrunden bevorstanden, wer sollte das wissen bzw. ahnen können?

Und mal ehrlich: bis auf wenige steuerliche sowie arbeitsrechtliche Vorteile (sofern sie einem vom Arbeitgeber nicht vorenthalten werden) und den ein oder anderen, vergünstigten Eintrittspreis hat man trotz Schwerbehindertenausweis (GdB 60, ohne weitere Merkzeichen) keinen nennenswerten Mehrwert. – Wie das jetzt mit einem GdB von 100 aussieht, muss ich mich erst mal schlau machen.

Auch dürften die nächsten zwanzig Jahre Berufsleben nun noch interessanter werden. Ich werde mit diesem Ausweis weiterhin nicht hinterm Berg halten und wir werden sehen, wie sozial und inklusiv die „neue“ Arbeitswelt wirklich ist.

Doch bis es bei mir soweit ist, vergehen noch „ein paar Tage“. Wenn die Medien die Gesellschaft weiter schön „weichspült“, dürften auch Menschen wie ich in einigen Monaten ehrliche Chancen auf Gleichbehandlung / Gleichstellung haben.

Sehr interessante Links zum Thema:

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