Sonntag, März 29
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Stationäres Hospiz & ambulanter Hospizdienst

Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können. (Cicely Saunders, 1918 – 2005, englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin, Ärztin, Begründerin der Hospizbewegung)


Wenn der Tag eines Events, einer traditionellen Gegebenheit (Fasching, Seenachtfest u. dgl.) 
oder das Ende von etwas (Arbeit, Beziehung usw.) näher kommt, sagt man hier im Ländle: ‚S goht gege‘. Es geht entgegen.

Wenn es auch dem Lebensende (möglicherweise absehbar) gege‘ goht, gibt es verschiedene Möglichkeiten sich damit zu befassen; die Nummer steht sowieso für jeden irgendwann auf dem Plan. Nicht umsonst gibt’s den Spruch: Nimm das Leben nicht so ernst, du kommst da eh nicht lebend raus!

Mit Glück hat man eine ehrlich liebevolle Familie, mindestens einen Lieblings- sowie Herzensmensch an seiner Seite und oder top Freunde, die einen während des Abschiedes beistehen. Wer (wie ich) zwar tolle Freunde hat, doch im Grunde genommen alleinstehend ist, kommt nicht umhin zu fragen: Was soll mit mir geschehen, wenn es soweit ist? Gibt es jemand, der mir beisteht und wenn Ja, wer, wie und wo? – Die Freunde haben i.d.R. selbst ein Leben in das, einen Alltag in den man sich nicht auch noch aufbürden kann bzw. möchte.

Um niemand privat übermaß zu belasten gibt es professionelle Hilfe in Form von stationärer oder ambulanter Hospizarbeit, auch als Sterbebegleitung bekannt.

Stationäres Hospiz Horizont in Singen am Hohentwiel.

Ende Februar und Anfang März hatte ich meine Infotermine zum Thema: vor Ort beim stationären Hospiz in Singen sowie mit der Koordinatorin vom Hospizverein für Radolfzell, Höri, Stockach und Umgebung e.V..

Ja, die Damen staunten ebenfalls, dass sich jemand der noch gar nicht so nach baldigem … und Tschüss! aussieht, bei ihnen meldet um einen unverbindlichen Infotermin zu vereinbaren.

Die Wenigsten, Betroffene wie Angehörige, informieren sich lange im Voraus. Die Tatsache, dass Tag X im Kommen ist, wird so gut wie möglich ausgeblendet um schließlich wenige Wochen vor dem „Einschlag“ in Hektik, Panik, eskalierende Überforderung zu verfallen. Glück für mich, dass ich so ein Wunderfitz bin.

Die Plätze in seriös geführten stationären Hospizen, in denen sich aufrichtig um die Gäste gekümmert wird, sind in der Regel stark begrenzt und es existiert eine Warteliste; im Hospiz Singen gibt es bspw. neun Gästezimmer. Erkundigt sich jemand wie ich – augenscheinlich noch weit von Moment X entfernt – kommt man auf eine Informationsliste, damit zumindest vermerkt ist: Infotermin mit xy am so-und-so-vielten, sodass relativ schnell gehandelt werden kann, sollte sich die Situation plötzlich drastisch verändern.

Der Aufenthalt in einem Hospiz ist die absolut allerletzte Maßnahme. Solange man im weitesten Sinn fit ist, sich zuhause selbst oder mit Hilfe privater oder professioneller Dritter zu versorgen, kann man den Umzug tatsächlich immer schön hinauszögern.

Um möglichst lange im vertrauten Zuhause bleiben zu können gibt es die Pflegedienste, palliative Fach(haus)ärzte sowie die so genannte Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (kurz: SAPV); wenn diese mit ihrem Hilfslatein am Ende ist, gibt es diese drei Möglichkeiten: Krankenhaus, Pflegeheim, stationäres Hospiz.

Eine SAPV Task Force begleitet die Betroffenen, deren Familien sowie sonstige nahestehenden Menschen im gewohnten Zuhause, im Pflegeheim, betreuten Wohnen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. SAPV ist eine ergänzende Leistung in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, der weiterhin Ansprechpartner Nr. 1 bleibt. Ebenso beibehalten werden schon bestehende Versorgungsstrukturen durch ambulante Pflege- und oder Betreuungsdienste.

In ein stationäres Hospiz zieht man nicht einfach so ein, es gibt Aufnahmekriterien:

  • Die Erkrankung ist unheilbar, weit fortgeschritten, weiter fortschreitend mit eindeutig begrenzter Restlebenszeit von wenigen Wochen oder Monaten; der/die Betroffene möchte oder kann sich zuhause nicht mehr selbst versorgen bzw. versorgen lassen.
  • Es gibt keine medizinische Therapiemöglichkeiten mehr, die die Erkrankung aufhalten oder soweit lindern können, dass ein eigenständiges Leben auf längere Zeit noch möglich ist.
  • Der Einzug in ein Hospiz ist nur mit Einverständnis des Betroffenen oder dessen gesetzlichen Vertretung möglich.

Wichtig ist natürlich auch immer die Kostenfrage. Das Wohnen in Pflegeheimen oder betreuten Wohnungen geht i.d.R. zu Lasten der Betroffenen und ist ganz schön happig. Das muss man sich wirklich erst mal leisten können.

Seine letzten Wochen oder Monate im Hospiz zu verbringen kostet den Betroffenen keinen Cent! 95% der Kosten werden bei gesetzlich Versicherten von der jeweiligen Krankenkasse getragen, die restlichen 5% vom Hospiz, das sich überwiegend durch Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert. Privat Versicherte müssen ihre Krankenkasse fragen und ggf. einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. – Die Spendenkonten unserer Einrichtungen in Singen, Radolfzell und Konstanz findet ihr auf der Seite unten.

*Finger in die systemische Wunde* : Angesichts der Kostenübernahme durch die Krankenkassen sollten von vorhandenen Geldern primär diejenigen profitieren, die entsprechend eingezahlt haben und nur minimalst jene, die sich in Europa, respektive Deutschland im sozialfiskalen Schlaraffenland wähnen, noch nie Einsatz für das „Gastland“ gaben und damit absolut zu Recht als parasitäre Abzieher betitelt werden können.

Was einen betroffenen Haustierhalter des weiteren beschäftigt, ist natürlich die Zukunft mit bzw. für seinen tierischen Wegbegleiter. Das Hospiz in Singen – ich hoffe, deutschlandweit gibt es noch viele andere – erlaubt die Mitnahme des Haustieres, unter der Voraussetzung, dass man sich noch selbst um die Versorgung kümmern kann oder jemanden hat, der hierbei hilft.

Seriös und kompetent geführte Hospize bestehen aus stark aufgestellten Teams: fest angestellte, tatsächliche Fachkräfte (Pflege, Hauswirtschaft, Küche), freiberufliche Therapeuten (Psychologen, Kunsttherapeuten u.ä.), Palliativärzte sowie geschulte, ehrenamtliche Hospizbegleiter.

Apropos ehrenamtliche Begleiter: Egal, ob diese in einem stationären Hospiz oder ambulanten Hospizdienst im Einsatz sind: im Vorfeld müssen alle eine 120-stündige Schulung (das sind ca. sechs Monate) absolvieren, in der sie sich u.a. mit der eigenen Endlichkeit befassen und dadurch eine Sensibilität aufbauen, durch die sie später zu Betreuende empathisch gegenüber treten können und sie in Krisensituationen aufzufangen wissen.

Kommen wir nun zum ambulanten Hospizdienst aka zur ambulanten Sterbebegleitung:

Im Unterschied zum Anteil der festangestellten Fachkräften eines stationären Hospizes, besteht ein Verein der ambulanten Sterbebegleitung überwiegend aus Ehrenamtlichen, die i.d.R. dann zum Einsatz kommen, wenn sämtliche Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind, der Countdown offiziell läuft, man aber noch in der Lage ist, zuhause bleiben zu können.

Auch hier gilt: Kommen die Ehrenamtlichen des ambulanten Hospizdienstes an ihre fachlichen oder andere Grenzen, kann die SAPV Task Force eingeschaltet werden. (siehe oben)

Beim Termin im Hospiz Singen bekam ich den Raum der Stille gezeigt, ein besonderer Rückzugsort für die Bewohner und Angehörigen. Als ich einfach so drin stand, mich umsah, ergriff mich etwas, das – mal wieder – schwer zu beschreiben ist. Zu wissen, dass und was mit einem los ist und sich wieder in einem Bereich der eigenen Endlichkeit zu befinden, sind zwei Paar Schuhe. Mir liefen die Tränen. Blöderweise hatte ich ausgerechnet an diesem Tag zudem mein Happy-Drop vergessen zu nehmen. Und selbst in diesem Moment, in dem ich diesen Absatz schreibe, ist diese Situation wieder so nah, dass mir grad wieder die Augen überlaufen. Mit der Koordinatorin des Hospizvereins bei mir zuhause sprechend war deutlich leichter.

Sich nicht selbst verrückt machen, im Hier und Jetzt und Heute zu bleiben, wird zunehmend schwerer. Ich kämpfe mittlerweile nicht mehr „nur“ gegen den Krebs, sondern auch gegen die Zeit – schaffe ich weitere zehn Jahre? Überlebe ich meinen Hund noch oder muss ich ihn wirklich zurücklassen?

Nichtsdestotrotz, der Zeitaspekt veranlasst mich weitere Vorbereitungen zu treffen: Wer übernimmt meinen eBay-Account und verkauft die bis dahin eingestellten Sachen ab? Gibt es einen Nachfolger für meine mobile Haustierbetreuung? Einlösung diverser persönlicher Geschenkgutscheine (bspw. Esseneinladungen), die bislang in einer Schublade, einem Karton lagen, weil: man hat ja noch sooo viel Zeit … Am Arsch! Besondere Unternehmungen in der Region mit Hundefreunden, meine Dogwalk-Gruppe, immer in Abhängigkeit mit der dann bestehenden Tagesform. – Spontan los können? Spontan absagen müssen?

Von meinem Grundsatz her bin ich schlichtweg noch zu jung und beschäftigt, um Zeit zum Sterben einrichten zu können. Daher plane ich grundsätzlich „längerfristig“, schiebe das absehbar Unvermeidliche so gut und weit wie möglich von mir und hoffe, damit noch einige Jahre durchzukommen.

*in diesem Sinn*
eure Sandra

Spendenkonten:

Quelle: Flyer

(Stand 2025: Bis 300 €uro pro Einzelspende reicht in Deutschland der Kontoauszug als Spendennachweis für die Steuererklärung. Wer höher spendet und eine Quittung braucht muss die Adresse im Verwendungszweck angeben.)

Hospizverein Radolfzell, Höri, Stockach und Umgebung e.V.
IBAN: DE45 6925 0035 0004 2877 77
BIC: SOLADES1SNG

Hospiz gGmbH [Hospiz Horizont]
IBAN: DE04 6925 0035 1055 1526 62
BIC: SOLADES1SNG

Hospiz- und Palliativzentrum Horizont
IBAN: DE 04 6925 0035 1055 1526 62
BIC: SOLADES1SNG
Verwendungszweck: SAPV Horizont – Team Singen oder SAPV Horizont – Team Konstanz

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