Apokalypse now: Wenn der Hund sich wälzt…

Einerseits amüsiere mich immer köstlich, wenn ich andere Hundehalter dabei beobachte, wie sie hefeteigähnlich aufgehen, sobald ihr Hund auch nur die geringsten Anstalten macht, sich (gleich) am Boden zu wälzen, andererseits frage ich mich ernsthaft: Was haben die eigentlich für ein Problem? Verfügen die wirklich über so wenig Hundeverstand oder möchten sie nur der Gesellschaft gefallen?

Bei CANIS (Zentrum für Kynologie in Dillenburg-Niederscheld) wurden in einem zweiwöchigen Workshop Richtlinien für den artgemäßen Umgang mit dem Hund (Die Rechte des Hundes) erarbeitet und auch wenn es dem “feinen” Menschen nicht gefällt, besagt Artikel 11 ganz klar:

Der Hund hat das Recht, sich schmutzig zu machen, zu stinken und Flöhe zu bekommen.

Aufgrund der wölfischen Abstammung sind bestimmte Verhaltensweisen und Bedürfnisse vorhanden:

  • sich in Aas/Gülle zu wälzen
  • in Schlammlöcher zu springen
  • Löcher zu buddeln
  • Mäuse auszugraben usw.


Derartiges Verhalten hat für den Hund einen hohen Stellenwert. Der Besitzer muss es tolerieren.

Diese Forderung entbindet den Besitzer allerdings nicht von seiner Verantwortung, für die Gesunderhaltung seines Hundes zu sorgen (Impfungen, Wurmkur, Floh-/ Zeckenbehandlung etc.). 

Wer dies nicht akzeptieren kann oder warum auch immer nicht möchte, hätte sich mal besser keinen echten Caniden angeschafft, sondern eher ein Plüschtier, das man Gassi tragen kann; bzw. sollte sich sein zukünftiges Vorhaben noch mal gut durch den Kopf gehen lassen.

Auch mein Gino hat sich die ersten, ca. 1,5 Jahre immer wieder mit größter Freude in irgendwas Stinkigem gesuhlt und obwohl ich davon nicht begeistert war, wusste und respektierte ich, dass es schlicht und einfach der Natur des Hundes gerecht wird, ihn machen zu lassen.

Eine Natur des Menschen ist bspw. Ordnung und Sauberkeit. – Würden wir es uns einfach so gefallen lassen und vor allem verstehen, wenn man uns verbieten oder davon abhalten wollen würde zu putzen und aufzuräumen?

Ich schätze, die zeitweise Konsequenz aus Ginos Wälzerei (eingeschränktes bzw. ausfallendes Kontaktliegen) traf uns gleichermaßen hart, doch wie der Zufall es so wollte, stieß ich in einem meiner Bücher zum Thema Hundehaltung auf die Erklärung dieses Verhaltens und fand dadurch die Lösung zu einem Kompromiss:

Wann immer Gino sich in Etwas geruchsintensiven suhlte, würdigte ich ihn in und nach diesem Moment weder eines Wortes noch eines Blickes.

Wälzte er sich dagegen auf scheinbar neutralem Boden rief ich ihn zu mir, kniete mich neben ihn und schnupperte ihn von vorne bis hinten (und zurück) ab. *it’s partytime!*

Damit bestätigte ich ihn a) in seiner Auswahl der Stelle sowie b) im Auffinden und Mitbringen genau dieser hochinteressanten “Nachrichten”.

Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, ob wir gerade auf dem Land oder irgendwo in der Stadt unterwegs waren. – Jeder, der mich hierbei beobachtete, musste kurz davor gewesen sein, mich in weiße Turnschuhe stecken zu wollen.

So verrückt es sich lesen mag: dieses Training zeigte nach wenigen Monaten echte Wirkung. Heute bringt mir Gino nur noch „dufte“ Nachrichten und ist jedes Mal der Held dafür!

Er kann seine Natur ausleben, ich habe keinen stinkenden Hund und zuhause können wir nahtlos in gemütliches Kontaktliegen übergehen, wenn uns danach ist. – Mensch muss sich für einen gut erzogenen Hund auch schon mal zum Affen machen. *Gewusst wie!*

Ok, dass ich mir über die „nicht ganz so“ sachkundigen Hefeteig-Hundehalter Heute einen Grinsen kann, ist ein weiterer, positiver sowie amüsanter Nebeneffekt.

Gino darf bspw. auch seine erbeuteten Mäuse mit nach Hause nehmen und sie sich auf seinem Platz zu Gemüte führen, sofern er sie nicht schon unterwegs snackt. Was ist da schon dabei?

Dann wird halt statt 2x im Jahr alle 3 Monate eine Entwurmungstablette gekauft, ja und?!

In der Zeit, die Panda nun schon hier ist, hat er sich nur 2x am Boden gewälzt, besser gesagt: es versucht, denn aufgrund seiner Körperfülle hat er (noch) etwas mehr Schwierigkeiten damit als Gino.

Vielleicht hat er aber auch einfach keine Lust, einen auf „Postbote“ zu machen und / oder ist nicht so der Schmutzfink, sondern mehr Prinzessin? Panda meidet Pfützen, jede Art von Morast und Regenwetter findet er ebenfalls nicht gerade prickelnd.

Darüber freuen würde ich mich schon, wenn sich Panda irgendwann mal endlich ausgiebig suhlt.

*in diesem Sinn*
eure Sandra

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