Donnerstag, Oktober 22
Shadow

Wenn der Hund mit zur Arbeit darf / dürfen soll …

… hat man mit seinem (neuen) Job nicht nur ein Riesenglück und einen megageilen Arbeitgeber erwischt, sondern sollte auch selbst ein paar Dinge zu beachten, damit diese Konstellation für alle Beteiligten (man selbst, der Chef, die Kollegen, Kunden, Lieferanten, sonstige Besucher, der Hund) auf lange Zeit beibehalten werden kann.

Eine Anstellung zu finden, bei der die Atmosphäre im Gesamten sowie der Lohn stimmt und man seinen Hund auch noch mitbringen darf, hat locker den Wert eines Sechsers im Lotto, sodass man als Hundehalter und Arbeitnehmer sehr bemüht sein sollte, jeder einzelnen Rolle gerecht zu werden: die des produktiven, effizienten und zugleich konzentrierten Mitarbeiters; die des souveränen Hundehalters und die, des angenehmen Kollegen, der über kurz oder lang keine Angriffsfläche (Hundeverbot, Jobverlustgefahr) bietet. – Gar nicht so einfach, so ein Drahtseilakt!

Allem voran muss man sich darüber im Klaren, dass weder jedes Arbeitsumfeld für jeden Hund, noch jeder Hund für jedes Arbeitsumfeld geeignet ist.

Von daher macht es überhaupt keinen Sinn, mit einem unüberlegten, falsch gesteckten, unterschätzten Ziel die Mission Hund am Arbeitsplatz angehen zu wollen.

Sicher, der Hund, als das sozialste Haustier überhaupt, wäre am Liebsten immer und überall in der Nähe seines Menschen – er weiß es halt nicht besser, dass es auch Situationen und Lebensumstände gibt, die ihm womöglich mehr schaden, als Abenteuer und Freude bereiten. An dieser Stelle ist der Verstand und die Weitsicht des verantwortungsbewussten Hundehalters gefragt.

Was sein soll, wird sich ergeben. Was sich nicht ergibt, soll auch nicht sein.

Aus gegebenem, persönlichen Anlass, möchte ich einige Tipps geben, wie der Jobwechsel mit Hund ins Büro (sogar als sog. Quereinsteiger) klappen kann, nicht zwingend muss!

Als Maßstab eines Hundes, der nicht nur im Alltag eine gute Figur macht, sondern auch in der Arbeitswelt seines Menschen bestehen soll, nehmen wir ein Fell, bei dem bereits Zuhause klar ist, wer die Hose an hat, auf das demnach (fast) blind Verlass ist und für das der Mensch aus tiefster Überzeugung heraus seine Hand ins Feuer legen könnte, dass es keine Probleme innerhalb des Firmengebäudes und / oder Störungen des Betriebsablaufs geben wird. – Anfängliche Holprigkeiten im neuen Umfeld verständlicherweise ausgenommen.

Hinweis: Eine ungehorsame, kaum zu kontrollierende, schlecht zu führende, verzogene, weil vermenschlicht gehaltene Fellgöre, hat in der menschlichen Arbeitswelt ungefähr genau so viel zu suchen, wie ein Schaf im Hühnerstall.

Als Maßstab eines Menschen, dessen Qualität der Hundeführung sich letztendlich im Verhalten des eigenen Tieres widerspiegelt (zu Unrecht beschönigte Darstellungen fliegen ganz schnell auf!), nehmen wir ein Zweibein, dass vielleicht nicht 100% perfekt ist, aber doch über sehr viel Hundeverstand verfügt und dadurch nicht nur seinem Tier ein möglichst angenehmes, zugleich artgerechtes Leben bieten, sondern es auch seinem (neuen) Arbeitsfeld gegenüber so Recht wie nur irgendmöglich machen kann, möchte, wird.

Bereits im Vorstellungsgespräch sollte man auf freundliche, dennoch bestimmte Art mit offenen Karten spielen, dass man nicht nur einen Hund hat, sondern sich auch in vollem Umfang der Verantwortung ihm gegenüber bewusst ist, wodurch die Vereinbarkeit des Jobs mit der Hundehaltung eine hohe Stellung einnimmt, die man nach bestem Gewissen und verfügbaren Mittel beibehalten möchte.

Hat man es mit einem menschen- sowie tierfreundlichen, potentiellen Arbeitgeber zu tun, kann die Sache so gut wie geritzt sein, wenn auch die Kollegen zustimmen und bspw. keiner von ihnen an einer Hundehaarallergie leidet.

Ohne ein paar Hundehaare ist man nicht richtig angezogen.

Anmerkung: Sich von seinem Hund aus “beruflichen / zeitlichen Gründen” zu trennen, sollte nur in absoluten Extremfällen in Erwägung gezogen werden, wenn wirklich alle Möglichkeiten (weitere Stellenangebote, ggf. ein Branchenwechsel etc.) und Überlegungen (Gassigeher, Tagespflegeplatz, etc.) ins totale Nichts führen.

Hat man es tatsächlich geschafft und das “Go!” für seine Stelle mit Hund erhalten, geht der Stress, den man sich im Grunde selber macht, erst richtig los.

Wie bei jedem neuen “Spiel” (aus Hundesicht), braucht es trotz aller, bislang bewiesener Zuver-lässigkeit des Vierbeiners neues, konsequentes Training vor Ort*, wodurch der Hund schritt-weise an die neuen Gegebenheiten herangeführt wird sowie ganz klare Absprachen mit den anderen Beteiligten, weil auch sie mit ihrem (Un)Verhalten das allgemeine Miteinander beeinflussen.

Hinweis: Leistung in der neuen Arbeit zu bringen bzw. sich in die neuen Abläufe einzufinden und gleichzeitig sein Fell in die gewünschte Spur zu bringen, kann wirklich Kräfte und Nerven zerrend sein, wovon Mensch sich allerdings niemals aus der Ruhe bringen lassen darf, damit keine negative Energie entsteht!

Wer ohnehin eine klare, souveräne, dadurch erfolgreiche Linie bzgl. Hundeführung lebt, wird weder Probleme damit haben, “gut gemeinte” Ratschläge und / oder “Mitleidsbekundungen” dem Hund ggü (wegen der “strengen Disziplin”…) zu ignorieren, noch sich dazu verführen lassen, “gefallen zu wollen” und deshalb die Zügel etwas lockert, weil der Vierbeiner ja soooo süüüüüß und liiiiieb ist und “das eine Mal” schon gehen würde.

By the way: Wird man seinem Weg untreu, bleibt es garantiert nicht bei dem “einen Mal” und der Teufelskreis, den man eigentlich vermeiden wollte, kann seinen Lauf nehmen! …

Dem Hund sollte ein fester Platz, an einer ruhigen, “verkehrsarmen” Stelle, in unmittelbarer Nähe zu seinem Menschen, mit vertrauter Unterlage (Decke, Kissen, Korb von Zuhause) eingerichtet werden.

Hunde sind von Natur aus auch kleine Chaoten, weshalb eine gewisse Struktur seitens ihres Menschen für sie sowie für Kollegen & Co. nur von Vorteil sein kann.

Nur der eigene Mensch
– schenkt seinem Hund in der Anfangszeit Aufmerksamkeit, um ihn für sein (“erwartungsgemäß”) positives Verhalten zu loben,
– gibt etwaig notwendige Anweisungen,
– füttert ihn zu den entsprechenden Zeiten,
– bietet ihm Wasser zum Trinken und
– bestimmt, ob, wann bzw. warum sich der Hund von seinem Platz entfernen darf.

Kommt es doch mal vor, dass der Hund der Ansicht ist, sich kurzzeitig verselbständigen zu können und steht dadurch bspw. jemand Anderen im Weg, sollte derjenige den Vierbeiner ignorieren und seinen Weg unbeirrt fortsetzen, auch wenn dies bedeutet, dass der Hund (leicht!) beiseite geschubst oder in anderweitige, zumutbare Bedrängnis gebracht wird. – In der Hundesprache bedeutet dies völlig unspektakulär Raum zu beanspruchen, der dem Hund ohnehin (in diesem Moment) nicht zusteht.

Hinweis: Solche Miterziehungsmaßnahmen funktionieren allerdings nur, wenn der Hundehalter selbst der Hundesprache mächtig ist und dies seinen Mitmenschen entweder bereits im Vorfeld oder ad hoc situationsbedingt vermitteln kann.

Hat man in der Anfangszeit die Vormittage (annähernd) störungsfrei und effizient arbeiten könnend überstanden bzw. sich immer mehr in den neuen Aufgabenbereich hinein gefunden, folgt niemals eine Mittagspause, sondern immer Hundezeit: Gassi, ggf. eine kleine Spieleinlage, Kontakt mit Kollegen & Co. und evtl. dem Hund auch Stück für Stück mehr vom neuen Umfeld zeigen, um ihm später (eventuell) mehr Freiheiten einräumen zu können, weil er sich mit der Umgebung vertraut gemacht hat.

Tipp: Nun ist es auch angemessen, sympathisch wirkende Kollegen, bei deren Interesse, zur Mittagsrunde einzuladen. Bewegung schadet nicht, entspannt zugleich und wirkt unterstützend im Knüpfen bzw. Vertiefen von neuen Kontakten. – Sozialfaktor Hund.

Kommen wir zum Abschluss noch zu den Schattenseiten, sein Fell mit ins Büro nehmen zu dürfen – Ja, auch diese gibt es:

Für manche Nicht-Hundehalter, aber hauptsächlich für Nicht-Hundefreunde, die rein als Mitläufer ihre Zustimmung zum Kollege Hund gaben, stinken Vierbeiner und deren Zubehör grundsätzlich “unzumutbar”.

Man sollte nun nicht dem gesundheitsschädlichen Wahnsinn verfallen, seinen Hund mehrmals die Woche in die Wanne zu stecken und dadurch dessen Haut, resp. die natureigene, schützende Fettschicht zu schädigen, nur weil man “gefallen” und jedem noch so kleinen Furz “gerecht” werden möchte.

Um einen etwaig entstehenden, latenten, kalten Krieg vorzubeugen, empfiehlt es sich allerdings, zumindest beim Waschen des Zubehörs (Decke, Kissen, Geschirr) verträglichen Weichspüler zu verwenden, den Hundeplatz am Ende des Arbeitstages mit einem Textil frisch-Spray einzusprühen und die Unterlage des Liegeplatzes regelmäßig auszutauschen.

An nassen Tagen sollte man ausreichend Handtücher (ggf. auch Brustgeschirre) dabei haben, um den Hund möglichst trocken und somit annähernd “geruchsfrei” zu bekommen.

Hinweis: Echten Unmut können sich Halter von unkastrierten Hündinnen zuziehen, wenn diese mitten in der Läufigkeit Blut verlieren und man nicht von selbst, ohne jegliche Aufforderung von Dritten, hinterher ist, es entweder sofort zu entfernen (bei glatten Böden ein Kinderspiel) oder seiner Hündin eine “Windel” anzuziehen, damit der Büroteppich verschont bleibt. – Natürlichkeit hin oder her. 

Es gibt kein Patentrezept, wie die (erfolgreiche) Vorgehensweise von Job mit Hund gestaltet werden kann, hierbei spielen viele Faktoren eine Rolle.

Wer nicht nur seinen Hund mit Sinn und Verstand zu führen weiß, sich nicht besser und größer gibt, als er in Wirklichkeit ist, eine ordentliche Portion Menschlichkeit in sich trägt und sich zur richtigen Zeit, auf die richtige Anzeige meldet bzw. die richtigen Kontakte hat, sollte es(eigentlich) schaffen, seinen Hund zu jeder Zeit und überall – ob Zuhause oder in der Arbeit – bei sich haben zu können, mindestens aber kompromisslos artgerecht zu halten wissen.

*in diesem Sinn*
eure Sandra

 

* Um seinem Hund die Veränderung positiv zu verkaufen und schmackhaft zu machen, reicht es völlig aus, ihn mit seinem normalen Futter zu ernähren und es somit auch gleichzeitig als Belohnung einzusetzen.

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