Samstag, Oktober 24
Shadow

Akzeptanz & Frieden – Aufgeben ist trotzdem keine Option!

KI generiert ©binemey

Und wieder sind etliche Monate vergangen, das Gesammelte der letzten Wochen zu Blog zu bringen. Wann immer ich dachte: Jetzt hab ich wieder genug Neues zu berichten, in Kürze setze ich mich dran, kam irgendwas anderes, neues und ja, auch schockierendes, das mich einige Zeit körperlich wie auch psychisch ganz arg niederknüppelte. Heute kann ich auch gar nicht mehr sagen, unter wie vielen Titeln dieser Eintrag laufen sollte, bevor ich ihn kurz und knackig Akzeptanz & Frieden taufte und erst vor kurzem noch um – aufgeben ist trotzdem keine Option! ergänzte.

Last-but-not-least hatte ich schlichtweg oft keine Lust, mich in etwa drei Meter Entfernung zu meiner Chillout-Lounge und meinem Herzensfell an den PC zu setzen. Durch ein paar kleine, technische Veränderungen sitze ich nun in meiner Lounge, die Füße auf dem Tisch, habe Universums bestes Hundefell neben mir und tippe entspannt – endlich – diesen Eintrag.

Genug Smalltalk, aktueller Stand: Seit ich im Dezember 2024 wieder an die Nadel ging, mussten zwischenzeitlich fünf Therapien mit verschiedenen Mittel in unterschiedlichen Dosen wegen Unwirksamkeit abgebrochen werden. Seit diesen August befinde ich mich in Bezug auf die für mich noch möglichen, derzeit zugelassenen Chemomittel in der so genannten „last line“; in Pubsprache würde man eher: „Last order!“ sagen.

Zumindest in Europa scheint es keine nennenswerte Langzeitstudien zu Langzeitüberlebenden wie mich zu geben. Selbst mein Onkologe erklärte mir offen, dass jedes Mittel einer Systemtherapie, das wir in meinem Fall anwenden (können) nur mehr experimentell zu betrachten ist und genau genommen lediglich die Hoffnung bleibt, dass der Krebs nicht irgendwann unaufhaltsam, gnadenlos eskaliert.

Nachdem mir 2025 auf `26 das Wintergrau erstmals psychisch so unsagbar zusetzte, dass ich zeitweise sogar schon Angst vor mir selbst bekam, waren 2026 meine persönlichen, vermeintlichen Endzeitgegner der Spätfrühling sowie Sommer.

Dominierte in den Jahren 2021 bis 2023 der Fistel-Zirkus, gefolgt von zahlreichen Erysipelen bis Frühling ’26, bekam ich es am Abend des ersten Maisonntags mit bislang noch nie erlebten, extrem schmerzhaften Oberbauchschmerzen zu tun, die mich für etwa drei Stunden zum totalen Haufen (zum Häufchen reichte es nicht mehr) Elend machten.

Als ich wieder einigermaßen klar denken und handeln konnte, kümmerte ich mich um die ad hoc Unterbringung meines Fells und …. *Trommelwirbel* ….. rief mir den Rettungsdienst, der mich – wie sollte es auch anders kommen? – ins Krankenhaus Singen zur Notaufnahme brachte. Die Schmerzen waren derart immens, dass weder Paracetamol, noch Tilidin auch nur im Ansatz Linderung brachten. Als ich bereits im Sanka lag, wurde noch ein Notarzt hinzu gerufen, der mir ein höherwertiges Schmerzmittel verabreichen durfte … Fenta. Oha! Ok.

Wichtig, vor allem für Lymphödembetroffene: In Situationen mit überirdisch starken Schmerzen im Bauchraum muss der Blutdruck an allen Extremitäten gemessen werden! Sollte an nur einem Arm oder Bein der Blutdruck stark von den anderen abweichen, könnte dies ein Hinweis auf einen lebensbedrohlichen Riss der Bauchaorta sein! – Bei einem Aortenriss dürfte man allerdings nicht mehr so ansprechbar sein, wie ich es halbwegs war.

Für und an alle Rettungsdienstler, möchte ich an dieser Stelle mal ein ganz besonderes, großes, aus tiefsten Herzen kommendes DANKESCHÖN sagen! Als die Schmerzen an diesem Abend gegen 19 Uhr anfingen, sich steigernden, mich in Embryostellung aufs Bett zwangen, bis zum wieder einigermaßen handlungsfähig zu sein, meinen Hund bei Freunden unterbringen um die Rettung anrufen zu können, bis zu deren 2-Mann-Eintreffen stand ich Horror aus, wie seit meiner Kindheit nicht mehr. Doch dieses Mal war ich nicht allein, nicht mir selbst überlassen! Freunde, bei denen mein Fell in guten Händen war und in dem Moment, in dem die Sanis eintraten, fiel alles an Angst, Panik und Verzweiflung von mir ab. Es tat so gut! DANKE, DASS ES EUCH GIBT!!

Nach gezielten Untersuchungen stellte sich schließlich ein Harnstau in der linken Niere heraus, dessen Ursache höchstwahrscheinlich auf Abdrücken des Harnleiters durch Lymphmetastasenpakete basierte. Im Rahmen einer OP erhielt ich eine, den Harnleiter stabilisierende Schiene eingesetzt und konnte am Dienstag wieder heim. Eine Harnleiterschiene ist ebenfalls kein Zuckerschlecken: nach dem Einsetzen, wenn die Schmerzmittel langsam nachlassen, fühlt es sich wie die übelste Blasenentzündung, die man je hatte mal zehn an. Ohne Schmerzmittel geht (auch hier) mal wieder nichts.

Harnleiterschienen bergen nicht nur ein weiteres Infektionsrisiko, sie müssen nach einer gewissen Zeit (innerhalb drei bis sechs Monate nach Einsetzen) gewechselt werden. Der Wechsel meiner Schiene erfolgte im September: morgens ins Krankenhaus, OP, eine Nacht bleiben, nach hause. Ok, mit dieser Softversion einer weiteren Folge von das-braucht-kein-Mensch komme ich klar.

Und nein: die Harnleitergeschichte war nicht das Einzige, wofür ich im Mai Kraft aufbringen musste. Zeitgleich stand ich chemotechnisch unter Enhertu und trat 28 Mal zur Bestrahlung rechts am Hals an.

Wenn du denkst, es geht nicht – noch – mehr … siehst du zu, ob, dass, wie und wohin du für ein paar Tage dem ganzen Dilemma entfliehen kannst, einfach mal andere Tapeten sehen …

(KI generiert.)

Mein damaliger alle-3-Wochen-Chemorhythmus erlaubte uns, uns gegen Mitte Juni ein paar Tage raus zu nehmen.

Spoiler Alarm! Ende dieses Ausflugs: Nachdem mir der bereits drückende Spätfrühling im Mai, respektive Frühsommer Anfang Juni einen Kreislaufstrich nach dem anderen durch die Rechnungen machte (mal mehr, mal weniger stark) und ich deshalb viel mit Krücken als „Sicherheitsmaßnahme“ unterwegs war, landete ich nach meinem Körperwelten-Besuch (wieder per selbst gerufenem Rettungsdienst) im Uniklinikum Heidelberg und mein Hund beim Polizeirevier Heidelberg Mitte, nachdem er sechs Beamte über gut zwei Kilometer durch Heidelberg joggen ließ! *ganz tolle Wurst!*

Was war passiert? Ganz klar: Ich habe nicht nur mich in Kraft, Ausdauer, Können, sich-einfach-zusammenreißen-wie-immer überschätzt, sondern die Gesamtsituation zusätzlich ordentlich unterschätzt. Eine wirklich saudumme, hundsgefährliche Kombi!

 

Fortsetzung folgt …

 

Ganz wichtig: Sich (möglicherweise) letzte unbedingt-noch-machen-wollen im Kreis geschätzter, geliebter Menschen erfüllen.

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